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Redaktion bedient sich nicht privilegierter Quelle

"Bin ich klein?“ ist das am meisten aus dem Deutschen übersetzte Buch

Eine Großstadtzeitung beschäftigt sich in einem Online-Beitrag mit den am häufigsten übersetzten Büchern. Das meistübersetzte deutsche Buch – so die Zeitung – sei „Das Parfüm“ von Patrick Süskind, das in 49 Sprachen übersetzt worden sei. Ein Leser widerspricht dieser Darstellung. Das am häufigsten aus dem Deutschen übersetzte Werk sei das Kinderbuch „Bin ich klein?“, das über 200mal in andere Sprachen übertragen worden sei. Trotz eines entsprechenden Hinweises an die Redaktion habe diese keine Richtigstellung vorgenommen. Die Zeitung nimmt zu der Beschwerde nicht Stellung.

Der Beschwerdeausschuss erkennt eine Verletzung der in Ziffer 2 des Pressekodex definierten journalistischen Sorgfaltspflicht. Er spricht einen Hinweis aus. Wie eine Recherche des Presserats ergeben hat, hat der Beschwerdeführer mit der Angabe recht, dass das am häufigsten aus dem Deutschen übersetzte Buch das Kinderbuch „Bin ich klein?“ ist. Die im Artikel veröffentlichte Angabe der Online-Sprachlernplattform Preply, dass das meist übersetzte Buch das Werk „Das Parfüm“ von Patrick Süskind ist, ist nicht korrekt. Da es sich bei Preply nicht um eine privilegierte Quelle handelt, liegt die presseethische Verantwortung für die falsche Darstellung bei der Redaktion.