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Aussage einer Hellseherin als Tatsache verkauft

Redaktion einer Zeitschrift führt ihre Leserschaft massiv in die Irre

Eine Frauenzeitschrift macht ihre Titelseite mit der Schlagzeile „KATE & WILLIAM Baby-Jubel: JA! Es werden süße Zwillinge“ auf. Im folgenden Artikel wird die Überschrift wiederholt. Unter einem Familienfoto mit ihren drei Kindern steht: „William und Kate sind seit 2011 glücklich verheiratet. George (8), Charlotte (6) und Louis (3) können die Zwillinge kaum erwarten“. Im Text wird allerdings schnell klar, dass es sich hier um Spekulationen handelt. Passage aus dem Beitrag: „Auf diese Jubel-Nachricht haben die Briten sehnsüchtig gewartet: Es wird gemunkelt, dass Prinz William und Herzogin Kate zum vierten Mal Eltern werden. Und was bis jetzt nur eine Vermutung war, bestätigt die Star-Hellseherin Soraya exklusiv in (Titel der Zeitschrift, d. Red.). Das Medium sagt den beiden voraus, dass sie Eltern von gleich zwei Babys werden!“ Im Text heißt es weiter: „Schon beim 70jähigen Thronjubiläum stünden die Chancen gut, dass Kate die Kinder dann schon auf dem Arm haben werde“. Jetzt seien „alle gespannt, ob die Vorhersagen zutreffen“, heißt es weiter. Der Beschwerdeführer – im kommerziellen Mediengeschäft aktiv – sieht in dem Artikel einen Verstoß gegen den Pressekodex, weil die Zeitschrift allen Ernstes die Aussage einer „Hellseherin“ auf der Titelseite als Tatsache verkaufe. Die Rechtsabteilung der Zeitschrift teilt mit, dass sie entgegen ihrer sonstigen Gepflogenheit zu dieser Beschwerde nicht Stellung nehmen werde. Es bestehe der Eindruck, dass der Beschwerdeführer seine Beschwerde nicht etwa aus einem echten Interesse an der Wahrung von journalistischen Standards oder einem offenen Diskurs erhoben habe. Vielmehr benutze er diese, um sein eigenes kommerzielles Angebot zu fördern.

Der Beschwerdeausschuss sieht einen schweren Verstoß gegen das Wahrhaftigkeitsgebot nach Ziffer 1 des Pressekodex. Er spricht eine öffentliche Rüge aus. Die Schlagzeilen auf der Titelseite und im Heft – als Tatsachen dargestellt – beziehen sich lediglich auf die Wahrsagung einer „Hellseherin“. Damit erweckt die Redaktion den unbegründeten Eindruck, Prinz William und Herzogin Kate erwarteten tatsächlich Nachwuchs. Damit führt sie ihre Leserschaft massiv in die Irre.