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Frau schlägt Mutter mit dem Hammer tot

Über die Täterin darf dennoch nicht identifizierend berichtet werden

„Bulimie-Mädchen schlägt Mutter mit Hammer tot“ titelt die Online-Ausgabe einer Boulevardzeitung. Es ist die Überschrift zu einem Prozessbericht. Vor Gericht steht eine junge Frau, die ihre Mutter erschlagen haben soll, um an Geld zu kommen. Sie wird mit dem Vornamen genannt und mit einem Foto präsentiert. Eine Nutzerin des Internetauftritts der Zeitung beschwert sich über die Berichterstattung. Nach ihrer Ansicht verletze das Blatt die Persönlichkeitsrechte der Angeklagten. Das Bild hätte verfremdet werden müssen. Die Rechtsabteilung nimmt zu der Beschwerde Stellung. Der Autor des Berichts zitiere Aussagen der Täterin aus dem Gerichtsverfahren und beschreibe die Lebensumstände der jungen Frau. Alle diese Informationen seien in öffentlicher Verhandlung wie beschrieben zur Sprache gekommen. Die Rechtsabteilung erkennt ein höher einzustufendes Informationsinteresse der Öffentlichkeit bei der Abwägung mit den Persönlichkeitsrechten der Angeklagten. Die Fotoveröffentlichung sei wegen des großen öffentlichen Interesses an der Aufsehen erregenden Tat gerechtfertigt. Die Redaktion habe bewusst darauf verzichtet, weitere Einzelheiten (Näheres zum Wohnort, vollständiger Name der mutmaßlichen Täterin) zu nennen, so dass nur Eingeweihte und Besucher der Gerichtsverhandlung den Beitrag auf die Betroffene beziehen könnten. (2011)