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Leser kann totem Segler ins Gesicht sehen

Mumifizierter Mann wird zu einem Objekt voyeuristischer Betrachtung

„Ist das der Moment, in dem sie die Segler-Mumie finden?“ titelt die Online-Ausgabe einer Boulevardzeitung. Thema des Beitrages ist das Auffinden der mumifizierten Leiche eines deutschen Seglers in philippinischen Gewässern. Mit dem Beitrag verlinkt ist ein Video. Es zeigt einen Seemann, der von seinem Schiff auf das Boot des Verstorbenen wechselt. Der Verstorbene wird als „Manfred B. (59)“ bezeichnet. Der Artikel enthält ein Foto von ihm, das aus dem Jahr 2011 stammen soll. Der Mann sei bei seinem zweiten Versuch, die Welt zu umsegeln, einem Herzinfarkt erlegen. Schon 2008 sei er gemeinsam mit seiner Frau zu einer ersten Weltumseglung aufgebrochen. Als die beiden Martinique erreicht hätten, sei die Frau gestorben. Ein Leser der Zeitung sieht mehrere presseethische Grundsätze verletzt. Die Großaufnahme des Gesichts des Toten verletze aufs Gröbste dessen postmortales Persönlichkeitsrecht und verstoße gegen jegliches Anstandsgefühl im Umgang mit Verstorbenen. Die Rechtsvertretung der Zeitung steht auf dem Standpunkt, dass das außerordentliche Informationsinteresse der Öffentlichkeit die Veröffentlichung rechtfertige. Die Berichterstattung über – auch grausame – Realitäten gehöre zu den Aufgaben der Presse. Die Redaktion habe sorgsam die widerstrebenden Interessen gegeneinander abgewogen. Ergebnis dieser Abwägung sei die Veröffentlichung in der nunmehr beanstandeten Form gewesen. Die Rechtsvertretung spricht von den Fotos als Dokumenten der Zeitgeschichte.