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Kassel: Ein Bild löste einen Skandal aus

Zeitung konnte sich auf Aussage eines Kollektiv-Sprechers verlassen

Eine Wochenzeitung veröffentlicht unter der Überschrift „Unser Thema ist Klasse, nicht Rasse“ ein Interview mit dem Künstlerkollektiv Taring Padi. Thema ist der Antisemitismus-Skandal anlässlich der Documenta in Kassel, den eines seiner Bilder ausgelöst hat. Die Redaktion schreibt, dies sei das erste Interview mit Taring Padi. Der Beschwerdeführer, ein Leser der Zeitung, widerspricht dieser Behauptung. Schon einige Tage vorher habe eine andere Zeitung ein Interview mit Taring Padi gebracht, ebenso andere indonesische Medien. Die Rechtsvertretung der Wochenzeitung teilt zu der Beschwerde mit, ein Sprecher des Kollektivs habe mehrfach versichert, dass dies das erste Interview mit einem deutschen Printmedium sei. Vor diesem Hintergrund habe die Redaktion davon ausgehen können, dass diese Aussage korrekt sei.

Die Veröffentlichung verstößt nicht gegen presseethische Grundsätze. Die Beschwerde ist unbegründet. Der Beschwerdeausschuss sieht im Ergebnis keinen Sorgfaltspflichtverstoß. Die Redaktion durfte sich nach Auffassung der Ausschuss-Mitglieder auf die mehrfache Versicherung des Gesprächspartners verlassen, dass es sich um das erste Interview über die Documenta-Ereignisse handelt. Der Ausschuss bezieht in seine Entscheidung auch mit ein, dass die Redaktion den Artikel mit der problematischen Formulierung „erstmals“ geändert und mit einem Transparenzhinweis an die Leserschaft versehen hat.