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Ironie und Satire um Papstmesse

Illustrierte beschäftigt sich mit einem Gottesdienst in Berlin

Die Online-Ausgabe einer Illustrierten beschäftigt sich unter der Überschrift „Wie schmeckt Jesus?“ mit der 2011 abgehaltenen Papstmesse im Berliner Olympiastadion. Im Hinblick auf den Empfang des Leibes Jesu ist von einer „Kannibalennummer“ die Rede. Ein Leser der Illustrierten sieht in der Veröffentlichung eine Verhöhnung des katholischen Glaubens. Die Rechtsabteilung der Zeitschrift beruft sich auf eine zulässige Meinungsäußerung, die von der Pressefreiheit gedeckt sei. Hinzu komme, dass der gesamte Artikel mit ironischen und satirischen Elementen gespickt sei. Es sei das Wesen von Ironie und Satire, Diskussionen in der Gesellschaft aufzugreifen und pointiert darzustellen. Eine Schmähung von Katholiken oder des katholischen Glaubens liege nicht vor. Der Beschwerdeführer möge den Bericht geschmacklos finden. Es sei jedoch nicht Sache des Presserates, über Geschmacksfragen zu entscheiden. (2011)

Der Beschwerdeausschuss sieht keine Verletzung der Ziffer 10 des Pressekodex. Dort heißt es: „Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen“. Die im Beitrag verwendete Formulierung „Kannibalennummer“ ist keine Schmähung einer bestimmten religiösen Überzeugung. Der Presserat schließt sich insofern der Argumentation der Rechtsabteilung des Zeitschriftenverlages an. Auch wenn der Begriff bei gläubigen Katholiken auf Kritik stoßen kann, so ist er zumindest im Rahmen einer satirischen Darstellung durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Dies insbesondere, als Satire typischerweise mit Übertreibungen und Zuspitzungen arbeitet und im konkreten Fall der Begriff „Kannibalennummer“ nicht im eigentlichen Wortsinn zu verstehen ist. (0580/11/1)