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Gericht spricht Großvater frei

Er stand unter dem Verdacht, seine Enkelin missbraucht zu haben

„Enkelin zeigt Großvater wegen Missbrauchs an“ – so überschreibt eine Regionalzeitung einen Beitrag. Zwei Wochen später folgt ein weiterer Artikel, diesmal unter der Überschrift „Großvater vom Missbrauchsvorwurf gegen Enkelin freigesprochen“. In den Beiträgen wird über den Missbrauchsprozess gegen einen Großvater berichtet, der als „Willi J.“ bezeichnet wird. Dieser soll seine heute 18-jährige Enkeln, die „Lilo W.“ genannt wird, missbraucht haben. In beiden Beiträgen steht ein Hinweis, dass alle Namen geändert worden seien. Ein Leser wirft der Redaktion vor, originär deutsche Namen zu nennen, obwohl der mutmaßliche Täter einen Migrationshintergrund habe. Damit werde der Verdacht auf die deutsche Mehrheitsgesellschaft übertragen. Der Presserat weist die Beschwerde als offensichtlich unbegründet zurück. Die bloße Nennung eines Namens sei für sich genommen nicht geeignet, eine Diskriminierung im Sinne von Ziffer 12 zu begründen. Hintergrund sei, dass ein vermeintlich „ausländisch“ klingender Name nicht automatisch mit einer entsprechenden „ausländischen“ Staatsangehörigkeit verbunden sein müsse bzw. umgekehrt ein vermeintlich „deutsch“ klingender Name nicht automatisch einen Rückschluss auf eine deutsche Staatsangehörigkeit zulasse. Von einer Diskriminierung könne hier keine Rede sein. Der Beschwerdeführer erhebt Einspruch gegen die Entscheidung des Presserats. Ihm gehe es nicht um eine ausländische oder deutsche Staatsangehörigkeit, sondern vielmehr um die in beiden Artikeln insinuierte Übertragung des Verdachts von kriminellen Straftaten von einer Person mit Migrationshintergrund auf die deutsche Mehrheitsgesellschaft.