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Koi-Karpfen in der Wanne des Bischofs

Falsche Behauptung: Zierfische wurden nicht zurückgelassen

Eine Boulevardzeitung berichtet gedruckt und Online über den Auszug von Bischof Tebartz-van Elst aus seiner Limburger Wohnung. Überschrift: „Herr Protz-Bischof, Sie haben Ihre Koi-Karpfen vergessen!“ Die Zeitung berichtet, beim Auszug aus der Wohnung seien in zwei Eimern teure Zierfische (Koi-Karpfen und Goldfische) gefunden worden. Einige der Tiere seien tot gewesen. Ein Foto zeigt die Eimer mit den Fischen, die in der Badewanne deponiert worden seien. Ein Leser der Zeitung spricht von einer frei erfundenen Geschichte, die vom Bistum Limburg ausdrücklich dementiert worden sei. Die veröffentlichten Fotos seien gestellt. Die Rechtsabteilung der Zeitung berichtet, dass der Hinweis auf die Fische in den Eimern und das Foto von einem Mann stammen würden, der nach eigener Darstellung beim Umzug als Helfer dabei gewesen sei. Der Wahrheitsgehalt seiner Schilderungen sei durch einen Abgleich der Kamera-Daten überprüft worden. Die Zeitung widerspricht auch der Darstellung des Beschwerdeführers, das Bistum Limburg habe Angaben der Zeitung ausdrücklich dementiert. Der Pressesprecher habe vielmehr klargestellt, dass der Bischof seinen Umzug privat organisiert habe und dem Bistum selbst keine Informationen zu den näheren Umständen des Umzugs vorlägen.

In Ziffer 2 des Pressekodex ist das Gebot zur Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflicht festgeschrieben. Dagegen hat die Zeitung mit ihrer Berichterstattung über den Auszug von Bischof Tebartz-van Elst aus seiner Limburger Wohnung verstoßen. Der Beschwerdeausschuss spricht einen Hinweis aus. Die Redaktion hat den falschen Eindruck erweckt, der Bischof habe nach seinem Auszug Fische in der Badewanne seiner ehemaligen Dienstwohnung zurückgelassen. Die Familie Tebartz-van Elst habe jedoch mitgeteilt, dass die Fische in einem Teich auf ihrem Grundstück ausgesetzt worden sind. Insofern ist die Darstellung in der Zeitung falsch. Zweifel an der Authentizität des veröffentlichten Fotos, das die Fische in Eimern in der Badewanne zeigt, hat der Ausschuss nicht. Er geht vielmehr davon aus, dass die Bilder eine Szene während des Auszugs zeigen. Auch die Behauptung, dass unter den Fischen Koi-Karpfen waren, ist nicht zu beanstanden. Die Zeitung berichtet, sie habe einen Experten konsultiert, der dies bestätigt habe. (0769/14/2)