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Kois schwimmen jetzt im Familienteich

Zeitung macht falsche Angaben über das Schicksal von Zierfischen

Eine Boulevardzeitung berichtet gedruckt und online über den Auszug des Bischofs Tebartz-van Elst aus seiner Limburger Dienstwohnung. Überschrift „Herr Protz-Bischof, Sie haben ihre Koi-Karpfen vergessen!“ Der Autor schreibt, beim Auszug seien in der Badewanne in zwei Eimern teure Zierfische – Kois und Goldfische – gefunden worden. Einige der Tiere seien tot gewesen. Einen Tag später berichtet die gedruckte Ausgabe unter der Überschrift „Kois vom Protz-Bischof schwimmen jetzt im Familienteich“ über das Thema. Auch das Bistum Limburg wisse, wo die Kois des Bischofs nach dessen Auszug seien. Seine Familie habe erklärt, sie seien unter Anleitung eines Experten aus ihrem Teich in Limburg entnommen und noch am gleichen Tag auf dem elterlichen Hof in einem Teich wieder ausgesetzt worden. Ein Bistumssprecher wird von der Zeitung mit den Worten zitiert, der Bischof habe seine Dienstwohnung „besenrein“ übergeben. Die Beschwerdeführerin ist Sprecherin der Familie Tebartz-van Elst. Sie kritisiert falsche Darstellungen in der gedruckten und in der Online-Ausgabe. Die angeblichen Kois seien handelsübliche Goldfische. Die Tiere seien in besonderen Behältern transportiert worden, hätten den Weg zum elterlichen Bauernhof der Familie des Bischofs gut überstanden und würden nun im dortigen Teich schwimmen. Die Sprecherin kritisiert, dass die Zeitung trotz ihrer Richtigstellung die Unwahrheit über die Fische bei gleichzeitiger Übernahme von Teilen ihres Pressetextes nochmals verbreitet habe. Die Rechtsabteilung der Zeitung teilt mit, dass der Hinweis auf die zurückgelassenen Karpfen und die Fotos von einem Leser stammten, der beim Umzug als Helfer dabei gewesen sei. Dessen Kamera-Daten bestätigten seine Angaben. Die Autorin des Beitrages habe die Fotos von einem Experten begutachten lassen. Dieser habe bestätigt, dass es sich bei den fotografierten Tieren um Kois und Goldfische handele. Der Sprecher des Bistums Limburg habe die von der Zeitung veröffentlichten Fakten nicht ausdrücklich dementiert, sondern darauf hingewiesen, dass der Bischof seinen Umzug privat organisiert habe. Das Bistum habe keine Informationen zu Einzelheiten des Umzugs.

Die Zeitung erweckt den falschen Eindruck, Bischof Tebartz-van Elst habe bei seinem Auszug aus seiner Limburger Dienstwohnung in der Badewanne Zierfische zum Teil tot zurückgelassen. Demgegenüber teilt die Sprecherin der Familie mit, dass die Fische im Teich des elterlichen Bauernhofs – der Heimat des Bischofs – schwimmen und wohlauf sind. Der Bericht enthält somit falsche Darstellungen. Der Beschwerdeausschuss spricht wegen eines Verstoßes gegen Ziffer 2 des Pressekodex (Journalistische Sorgfaltsplicht) einen Hinweis aus. Zweifel an der Authentizität des veröffentlichten Fotos, das die Fische in Eimern in der Badewanne zeigt, hat der Ausschuss nicht. Es zeigt wohl eine Szene während des Auszuges. Die Fische sind dann jedoch nicht zurückgeblieben, sondern wurden weiter zum Anwesen der Familie Tebartz-van Elst transportiert. Der Presserat kritisiert nicht die Angabe der Zeitung, unter den Fischen seien auch Kois gewesen. Dies sei von einem Experten bestätigt worden. (0847/14/2)