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Die Katholische Kirche und die Rolle der Frau

Leserin stört sich an dem im Bericht verwendeten Begriff „Etablissement“

Eine Regionalzeitung berichtet unter der Überschrift „Sexy oder sexistisch?“ über eine „Auszeichnung“ des Papstes durch eine Frauenzeitschrift, die den Pontifex zum frauenfeindlichsten Mann des Jahres erklärt hat. Eine Leserin der Zeitung kritisiert das in dem Bericht vorkommende Wort „Etablissement“ für Strukturen der Katholischen Kirche. Dieses werde üblicherweise in einem abwertenden Kontext verwendet, im Sinne von „zweifelhaftem Nachtlokal“ oder „Bordell“. Diese Wortwahl sei diskriminierend. Sie verletze die Gefühle von Christen. Die Zeitung hatte die Frauenzeitschrift zitiert: Darin hatte die Herausgeberin die „Auszeichnung“ des Papstes durchaus kritisch bewertet. Dann folgte die kritisierte Wortwahl: „So gut das eben geht in diesem Etablissement.“ In der Vorprüfung wurde die Beschwerde als offensichtlich unbegründet eingestuft. Dagegen hatte die Leserin Einspruch erhoben. Der Einspruch wurde vom Presserat abgelehnt. Der Beschwerdeführerin wurde mitgeteilt, dass Grundlage der Prüfung die Ziffer 10 (Religion, Weltanschauung, Sitte) des Pressekodex gewesen sei. Der Presserat halte die kritisierte Äußerung für diskussionswürdig und durchaus interpretationsfähig. Eine Schmähung des christlichen Glaubens sieht der Presserat jedoch nicht. An der Einstellung und Struktur der katholischen Kirche zur Rolle der Frau bestehe durchaus ein öffentliches Interesse. Hier müsse auch scharfe Kritik möglich sein. Insgesamt seien durch die Berichterstattung presseethische Grundsätze nicht verletzt worden. Die Beschwerdeführerin legt gegen das Ergebnis der Vorprüfung Einspruch ein. Sie vermag die Entscheidung des Presserats nicht nachzuvollziehen. Sie bleibt dabei: Die Wortwahl „Etablissement“ sei schlicht und einfach unakzeptabel und diskriminierend. Sie sieht publizistische Grenzen überschritten. Ein Deutschlehrer habe ihr bestätigt, dass der Ausdruck „Etablissement“ praktisch nur in einer abwertenden bzw. anrüchigen Form gebraucht werde. Sie fragt den Presserat: „Verstehen Sie unter ´scharfer Kritik´ also die berechtigte Anwendung eines so negativ konnotierten Ausdrucks wie ´Etablissement´?“

Der Beschwerdeausschuss bestätigt die Entscheidung in der Vorprüfung, dass durch den Beitrag unter der Verwendung des Wortes „Etablissement“ keine Schmähung des christlichen Glaubens erkennbar ist. Die Beschwerde ist unbegründet.