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Diskriminierung von Homosexuellen

Kommentar bezeichnet sie als Hauptüberträger des HIV-Virus

Eine Regionalzeitung kommentiert die erste Aids-Sonderkonferenz von 189 UN-Mitgliedsländern in New York. Spotte es nicht jeder Beschreibung, dass sogar regierende Politiker-Schein-„Größen“ hier bei uns in Deutschland ungeachtet der Welt-Aids-Tragödie lautstärker denn je diejenigen hofieren, die mehrheitlich Hauptüberträger des HIV-Virus seien, die männlichen Homosexuellen, fragt der Autor. Viele Jahre sei dieser Tatbestand heruntergespielt worden, aus politisch-ideologischen Beweggründen vor allem. Ein Leser des Kommentars sieht darin männliche Homosexuelle pauschal diffamiert. Er beschwert sich beim Deutschen Presserat. Die Chefredaktion der Zeitung beruft sich auf offizielle Feststellungen der Weltgesundheitsorganisation, wonach die sexuellen Aktivitäten insbesondere homosexueller Männer maßgebliche Ursache für die Ausbreitung von Aids seien. Verursacher und Auslöser der Aids-Epidemien seien Homosexuelle in Nord- und Lateinamerika und der Karibik, ebenso in Westeuropa, Australien und Neuseeland. Dies spiegelten auch die mehrheitlichen Zahlenanteile an den Neuinfektionen des Jahres 2000 wider. Die Chefredaktion legt diverse Artikel sowie ein Programmheft der Aids-Hilfe zum Christopher Street Day im Juni 2001 vor, welche die Behauptung, dass männliche Homosexuelle Hauptüberträger des HIV-Virus sind, stützen sollen. (2001)

Der Presserat kommt bei der Prüfung des Kommentars zu dem Ergebnis, dass er gegen Ziffer 12 des Pressekodex verstößt. Der Autor kritisiert, dass Politiker hier zu Lande sich um die Gruppe der Homosexuellen kümmern. In dieser Kritik liegt eine Diskriminierung von Homosexuellen, da quasi unterstellt wird, dass sie derartige Bemühungen nicht wert sind, weil sie häufig aidskrank seien. Der Presserat reagiert auf die Beschwerde mit einer Missbilligung.