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Der Staatsbesuch der Präsidentin des Deutschen Bundestags in Südafrika ist Thema eines Beitrags in einer Boulevardzeitung. In dem Artikel wird die Begrüßung von Rita Süßmuth durch den südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela geschildert. Demzufolge erkundigte sich Mandela nach dem Präsidenten von Weizsäcker und stellte die Frage: „ Was macht der liebe Franz Josef Strauß?“. Laut Zeitung antwortete die Bundestagspräsidentin, dass von Weizsäcker nicht mehr Bundespräsident und Strauß schon lange tot sei. Die Heinrich-Böll-Stiftung sieht in dieser Darstellung eine rassistische Tendenz und legt Beschwerde beim Deutschen Presserat ein. Der Bericht stelle den Staatspräsidenten Südafrikas als Tattergreis dar. Dies sei eine Verunglimpfung eines Staatsoberhauptes und beschädige die deutsch-südafrikanischen Beziehungen. Die Mandela von der Zeitung zugeschriebenen Aussagen seien unwahr. Auf einen Kommentar im ARD-Hörfunk verweisend, erklärt die Beschwerdeführerin, dass Mandela seiner Besucherin Grüße an den Bundeskanzler und an Richard von Weizsäcker aufgetragen habe. Zu letzterem habe er angemerkt, dass er ja nicht mehr Präsident sei. Außerdem habe der Gastgeber berichtet, dass er jüngst von einem Nachfolger von Franz Josef Strauß besucht worden sei. Die Chefredaktion weist den Vorwurf, sie verbreite rassistische Tendenzen, als „Infam“ zurück. Sie lege dem Presserat exemplarisch einige Veröffentlichungen hervor, aus denen ihre absolut positive Einstellung zur Person des Staatspräsidenten hervorgehe. Der zitierte Hörfunkkommentator könne keinesfalls ausschließen, dass der in der Zeitung geschilderte Sachverhalt zutreffe. Dabei bezieht sich die Chefredaktion auf den Satz im Kommentar: „Daraus mischt ... , offenbar mit Hilfe der englischen Sprache kaum mächtiger Begleiter von Frau Süßmuth, diese erbärmliche Geschichte.“ Sie versichert, dass die Informanten sehr wohl das, was Staatspräsident Mandela gesagt habe, verstanden und in diesem Sinne die Zeitung informiert hätten. Daran ändere sich nichts, auch wenn der Hörfunkkommentator aus polemischen Gründen den Begleitern der Bundestagspräsidentin sprachliche Unkenntnis unterstelle. Der Presserat bittet darauf hin vier beteiligte Bundestagsabgeordneten um eine Stellungnahme. Zwei Abgeordnete kommen dieser Bitte nach. Sie erklären, dass das von der Zeitung Mandela in den Mund gelegte Zitat „Grüßen Sie Franz-Josef Strauß“ weder wörtlich noch dem Sinn nach gesagt worden sei. Der Staatspräsident habe sich vielmehr zu Beginn des Gesprächs nach dem Nachfolger von Franz-Josef Strauß erkundigt. Und der deutsche Botschafter habe daraufhin den Namen Stoiber genannt. Fälschlicherweise habe der südafrikanische Präsident allerdings Bundespräsident Herzog mit dem ehemaligen Bundespräsidenten von Weizsäcker verwechselt. Ob in dem Dialog zwischen Frau Süßmuth und Herrn Mandela der Name Franz-Josef Strauß überhaupt gefallen sei, können die Abgeordneten nicht beurteilen. (1996)

Die Aussagen der Befragten bestätigen nicht mit der erforderlichen Sicherheit, dass die Zeitung das Erinnerungsvermögen des südafrikanischen Staatspräsidenten offenkundig falsch dargestellt hat. Der Presserat kann daher in der Veröffentlichung keinen Verstoß gegen das Gebot der Sorgfalt nach Ziffer 2 des Pressekodex feststellen. Er weist die Beschwerde als unbegründet zurück. (B 15/96)