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Namensnennung nach einer Ohrfeige

Wegen einer Ohrfeige wird ein Lehrer an den Pranger gestellt

Der Musiklehrer des Gymnasiums, zugleich renommierter Chorleiter und Organist, soll eine Schülerin der Jahrgangsstufe sechs geohrfeigt haben. So berichtet die Zeitung am Ort. Sie spricht von einem Eklat, schildert Einzelheiten, nennt den Mann beim Namen, beschreibt seinen beruflichen Werdegang, veröffentlicht sein Porträt und erwähnt, dass der Lehrer über Jahre ein Verhältnis mit einer minderjährigen Schülerin hatte. Dieses Vorkommnis sei unbestritten und disziplinarrechtlich geahndet. Jetzt, so die Zeitung, wollen viele Eltern ihre Töchter nicht mehr dem Mann anvertrauen. Der Betroffene bittet den Deutschen Presserat um Prüfung seines Falles. Er ist der Ansicht, dass durch die Veröffentlichung seines Namens und seines Fotos sein Persönlichkeitsrecht verletzt wird, dass er einer Vorverurteilung ausgesetzt wird. Dem Autor des Beitrags gehe es nicht um die angebliche Ohrfeige, sondern um ein “Nachkarten” in einer Sache, die über ein Jahr zurückliege. Die Chefredaktion des Blattes hält die Beschwerde für so unsubstantiiert, dass eine detaillierte Stellungnahme ihrerseits weder möglich noch geboten sei. (1998)