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Satire ohne Sinn

25 Leserinnen und Leser nehmen Anstoß an einem Foto

Ein Männermagazin veröffentlicht ein ganzseitiges Foto, das einen nur mit einer Unterhose bekleideten bärtigen Mann zeigt, der vor einer mit Bierdosen gefüllten Spülmaschine steht. Die Bildunterzeile lautet: „Jesus hatte sich beim letzten Abendmahl nicht mehr unter Kontrolle“. Eine Leserin beschwert sich mit einer Unterschriftenliste, welche die Namen und Anschriften 24 weiterer Beschwerdeführer trägt, beim Deutschen Presserat. Die Gefühle von Christen werde durch die Veröffentlichung auf das Übelste verletzt. Die Chefredaktion der Zeitschrift weist in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass die Bildunterschriften ein wesentliches satirisches Stilmittel ihrer Publikation seien. Das gesamte Konzept des Heftes sei darauf ausgerichtet. Im speziellen Fall sei die Satire dank des Fotos und des Umfeldes so offensichtlich, dass die Bildunterschrift nicht ernst genommen werden könne. Die Chefredaktion teilt mit, dass sie den Beschwerdeführern gegenüber in einem Brief ihr Bedauern ausgedrückt habe. Allerdings sei darauf keine Reaktion erfolgt. (2002)

Der Presserat stellt fest, dass im vorliegenden Fall Ziffer 10 des Pressekodex nicht verletzt worden ist und die Beschwerde daher als unbegründet zurückgewiesen werden muss. Der Satire sei eigen, dass sie mit Übertreibungen arbeite, um die eigentliche Aussage zu verdeutlichen. Welche Aussage dies im konkreten Fall sein sollte, vermag zwar auch das Gremium beim besten Willen nicht zu erkennen. Die Darstellung geht jedoch nicht so weit, dass mit ihr das religiöse Empfinden von Christen verletzt wird. Die satirische Darstellung kann deshalb, auch wenn sie ihr Sinn nicht erschließt, akzeptiert werden. (B 213/02)

(Siehe auch „Religiöses Empfinden“ B 242/01)