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Gebrauch des Vornamens

Zeitungsleute scheinen neuerdings keine Hemmungen mehr davor zu haben, Nichtdeutsche in ihren Blättern einfach zu duzen, schreibt ein Leser einer Lokalzeitung an den Deutschen Presserat. Kein Deutscher würde jemals nur mit »Willi« in der Zeitung genannt werden, sondern immer mit »Willi Müller«. Bei Griechen oder Türken sei es nicht mehr ungebräuchlich, sie einfach als »Anastasios« oder »Yasar« zu benennen. Als Belege nennt der Beschwerdeführer zwei Beispiele aus seiner Zeitung: Einen Bericht über einen Mordprozess gegen den Türken Yasar und die Geschichte des Griechen Anastasios, der bei der Abschlussfeier seines Fußballvereins ein Auto gewonnen hat und beim Händler reklamiert, dass es durch das Faltdach regnet. Ausländer nur beim Vornamen zu nennen, sei nicht nur einfache journalistische Masche und Flapsigkeit, beklagt der Leser. In seinen Augen sei das schleichende Ausländerfeindlichkeit. (1994)

Der Presserat weist die Beschwerde als unbegründet zurück. Er kann nach Prüfung der beiden Artikel nicht die Tendenz erkennen, die der Beschwerdeführer vermutet. Insbesondere die Grenze zwischen »journalistischer Flapsigkeit« auf der einen und Ausdruck schleichender Ausländerfeindlichkeit auf der anderen Seite ist in beiden Fällen nicht klar präzisierbar. Auf der Grundlage dieses Befundes kann deshalb eine Verletzung des Diskriminierungsverbots nicht festgestellt werden. Der Presserat wird diese Beschwerde allerdings zum Anlass nehmen, den Gebrauch des Vornamens bei der Berichterstattung über ausländische Mitbürger kritisch zu beobachten. (B 26/94)