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Selbsttötung

Die oft trostlose Situation sowie die bescheidenen Freizeitmöglichkeiten von Jugendlichen in einem bestimmten Landstrich in der Bundesrepublik sind Thema eines Zeitschriftenbeitrags. An einem Beispiel wird auch die Selbstmordgefährdung der Menschen dort deutlich gemacht. Unter Namensnennung und näherer Schilderung von Einzelheiten wird der Freitod eines Bauern vor fünf Jahren dargestellt. Die Selbsttötung wird In zahlreichen blutigen Details beschrieben: »Wie Bauer ..., der sich mit einer abgesägten Schrotflinte in eine hüfthohe Kohlkiste stellte, die Mündung an den Bauch hielt und abdrückte, so dass später nur noch die Beine in dem Holzverschlag lehnten und sein Restkörper fein verteilt an der Scheunenwand klebte. Gibt ja nix, wo du dich runterstürzen kannst«, meinte ... dazu. »Nur endlose Weite.« In einer Beschwerde an den Deutschen Presserat spricht die Schwester des erwähnten Landwirts von »grausigen Unwahrheiten«, die lustvoll ausgebreitet werden. Die Schilderung des tragischen Vorfalls in der erwähnten Form sei für die Angehörigen - darunter die Frau mit drei Kindern im Alter von 9 bis 14 Jahren - kaum oder gar nicht zu verkraften. Der Autor des Beitrags steht zu dem Ergebnis seiner Recherche. Er wählte den Fall, um die Ausweglosigkeit eines Lebens auf dem Lande in bestimmten Situationen darzustellen. Er räumt ein, dass die Nennung des Namens ein Fehler war, und entschuldigt sich dafür. (1992)