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Werbung für ein Mineralwasser

Flasche eines bestimmten Herstellers im Text platziert

Im Rahmen einer Sonderveröffentlichung unter dem Thema „Wellness & Gesundheit“ veröffentlicht eine Tageszeitung in zwei Ausgaben einen Beitrag unter der Überschrift „Trinken, bevor der Durst kommt“. Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie man den Verlust an Flüssigkeit ausgleichen kann, der bei hohen körperlichen Leistungen auftritt. Die Antwort gibt schon die Unterzeile der Überschrift: „Sie können Ihr Wohlbefinden verbessern, wenn Sie das richtige Mineralwasser wählen“. In der Mitte des Textes ist eine Mineralwasserflasche mit dem Etikett eines bestimmten Herstellers abgebildet. Dieser Hersteller wird auch im Text mehrfach erwähnt. Ein Journalist, der gelegentlich vor Medienstudenten über Medienethik spricht, sieht in dem Beitrag eine Vermischung von redaktionellem Text und Werbung. Er fragt den Deutschen Presserat, wie er eine solche Veröffentlichung einschätzt. Bei Sonderveröffentlichungen gebe es bald keine Grenzen mehr. Das vorliegende Beispiel scheine noch einen Schritt weiter zu gehen als üblich. Die Chefredaktion des Blattes hält die Beschwerde für haltlos. Die Veröffentlichung befasse sich ausschließlich mit der Notwendigkeit, während bzw. nach sportlicher Betätigung den Flüssigkeitsbedarf des Körpers zu decken. (2002)

Der Presserat reagiert auf die Beschwerde mit einer öffentlichen Rüge. Nach seiner Ansicht verstößt der Artikel gegen Ziffer 7 des Pressekodex, die eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Werbung vorschreibt. Da der genannte Hersteller einer unter vielen ist, ist nicht nachzuvollziehen, warum die Leserinnen und Leser ausgerechnet auf diese Marke hingewiesen werden mussten. Mit der Nennung wurde die Grenze zur Schleichwerbung, die in Richtlinie 7.2 definiert ist, klar überschritten. (B 40/02)