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Milieuschilderung

Unter der Überschrift »Einige >Pennertreffs< Bürgern ein Ärgernis« berichtet eine Lokalzeitung über das Verhalten von Nicht-sesshaften in der Stadt und ihr Verhältnis zu deren Bürgern. Der Artikel beginnt mit der Feststellung, die als »Penner« bezeichneten skurrilen Zeitgenossen sprächen auf Kosten von Vater Staat permanent dem Alkohol zu. Der Autor schildert die Folgen des Alkoholkonsums und die damit verbundenen »Unzumutbarkeiten« für die Bürger. Ein Leser des Blattes legt Beschwerde ein beim Deutschen Presserat. Der Artikel erzeuge Pogromstimmung gegen Nicht-sesshafte. Die Redaktion erklärt, sie habe auf einen Missstand aufmerksam machen, die Behörden zu Maßnahmen herausfordern und den betroffenen Nicht-sesshaften in ihrer Situation Hilfe vermitteln wollen. (1988)

Der Deutsche Presserat hält die Beschwerde für unbegründet. Die Presse hat das Recht, über Ärgernisse in Milieus, auch im Milieu der Nicht-sesshaften, zu berichten. In dem Artikel heißt es wörtlich: »Penner nennt man jene ... mehr oder weniger skurrilen Zeitgenossen, die, auf Vater Staates Kosten permanent dem Alkohol zusprechend, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen ... «. Der Presserat hält diese Formulierung für zu pauschal und nicht korrekt, eine Pogromstimmung aber kann sie seiner Ansicht nach nicht erzeugen. In der Gesamtwertung übt der Presserat zwar Kritik an der Veröffentlichung, diese reicht jedoch nicht aus für die Feststellung, dass die betroffene Zeitung gegen die publizistischen Grundsätze verstoßen hat. (B 66/88)