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Vorverurteilung

Zitate aus einer Anklageschrift werden als erwiesene Tatsachen dargestellt

Unter der Überschrift “Überstunden in der Sauna” berichtet eine Boulevardzeitung, dass der Personalchef einer Stadt eine hübsche Angestellte aufgefordert haben soll, mit ihm als Vorgesetztem zusammen Überstunden in der Sauna zu leisten. Jetzt ermittele der Staatsanwalt gegen den stellvertretenden Stadtdirektor wegen Bestechlichkeit. In einer Beschwerde beim Deutschen Presserat wehrt sich der Betroffene gegen die Nennung seines Namens. Sprachlich werde in dem Beitrag der Eindruck erweckt, als handele es sich bei den gegen ihn erhobenen Vorwürfen um feststehende und bewiesene Tatsachen. Weiterhin kritisiert er, dass der Artikel suggeriert, es sei bereits zweimal gegen ihn wegen sexueller Belästigung ermittelt worden. Der in dem Artikel erwähnte Fall von 1995 sei jedoch derjenige, auf dem die neuen Ermittlungen beruhten. Die Rechtsabteilung des Verlages will zu dem Fall erst Stellung nehmen, wenn das Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer abgeschlossen ist. (1999)