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Das Geständnis, das es nicht gab

Junger Mann musste sich wegen einer Schießerei verantworten

„Frau Richterin warum schützen Sie diesen Verbrecher?“ überschreibt ein Boulevardblatt einen Prozess-Auftaktbericht. Es geht um einen 19-jährigen Angeklagten, der an einer Schießerei beteiligt gewesen sein soll, der ein Mensch zum Opfer fiel. Die Zeitung behauptet, der Angeklagte habe auf offener Straße mit einem Revolver wahllos auf unschuldige Menschen geschossen. Zum Schutz des heranwachsenden Angeklagten habe die Richterin die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen. Der Verteidiger des jungen Mannes sieht einen Verstoß gegen Ziffer 13 des Pressekodex. Darin wird Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Verfahren gegen Heranwachsende gefordert. Sein nicht vorbestrafter Mandant – so der Anwalt, der sich an den Deutschen Presserat wendet – sei als Verbrecher bezeichnet worden, obwohl es in dem Verfahren noch kein Urteil gebe. Die Rechtsabteilung der Zeitung vertritt die Auffassung, der Angeklagt befinde sich „auf der Schwelle zum Erwachsenenstrafrecht“. Deshalb gelte die Richtlinie 13.2 des Pressekodex nur eingeschränkt. Eine identifizierende Berichterstattung sei danach nicht ausgeschlossen. Außerdem sei der Angeklagte weitgehend geständig. Die Anklage gehe davon aus, dass der junge Mann tödliche Verletzungen der im Zielbereich seiner Waffe befindlichen Personen billigend in Kauf genommen habe. Die vom Beschwerdeführer eingeräumte Tat sei so erschreckend, dass darüber und den Täter habe berichtet werden dürfen. (2007)