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Zeitungsartikel als zusätzliche Bestrafung

Nach Urteil wegen Körperverletzung mit vollem Namen genannt

Ein Mann wird wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Die örtliche Zeitung nennt im Bericht den vollen Namen des zu zehn Monaten Haftstrafe Verurteilten. Der Betroffene lässt sich anwaltlich vertreten und tritt als Beschwerdeführer auf. Er sieht seine Persönlichkeitsrechte verletzt. Sein Vater habe auf einer Nordseeinsel mehrere Restaurants. Sein Name sei deshalb weithin bekannt. Die Zeitung habe zudem mangelhaft recherchiert und den Sachverhalt, der zu dem Strafverfahren geführt habe, völlig falsch wiedergegeben. Der Artikel sei mehr als einen Monat nach der Urteilsverkündung veröffentlicht worden. Die Auswirkungen dieses Artikels seien wegen der Bekanntheit des Betroffenen enorm und stellten eine zusätzliche Bestrafung dar. Die Zeitung ist mit der Beschwerde nicht einverstanden. Die kritisierte Namensnennung sei wegen der zweifelhaften Insel-Prominenz des Beschwerdeführers als „Rambo“ gerechtfertigt. Zudem habe sich die Straftat vor den Augen der Inselöffentlichkeit abgespielt. Der Beschwerdeführer habe durch sein wiederholtes rechtswidriges Verhalten für Aufsehen gesorgt. Deshalb habe die Öffentlichkeit ein Interesse daran gehabt, über die dem Mann vorgeworfene Tat und deren rechtliche Folgen informiert zu werden. Der Pressekodex enthalte auch keine Verpflichtung, nur über Gerichtsverhandlungen zu berichten, an denen der Berichterstatter selbst teilgenommen habe. Die Redaktion habe stattdessen den Richter befragt und damit die Quelle mit der größtmöglichen Objektivität ausgewählt. (2008)