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Auf eine Polizeimeldung verlassen

Frau wollte angeblich mit zwei Mädchen zur Beschneidung nach Afrika

„Polizei rettet diese Mädchen vor brutaler Beschneidung“ titelt eine Boulevardzeitung. In dem Bericht geht es um eine Frau aus Gambia, die ihre beiden kleinen Töchter zur Beschneidung in die frühere Heimat habe bringen wollen. Die Polizei habe dies verhindert. Im Bericht heißt es: „In einer dunklen Hütte, 5000 Kilometer von ihrem Zuhause entfernt, wartete schon der Medizinmann auf Sonja (1) und Jasmin (4)“. Um eine Entdeckung zu vermeiden, habe die Frau die Kinder versteckt. Der Vater habe die Polizei gerufen, die die beiden Mädchen noch rechtzeitig bei Nachbarn gefunden habe. Ein Blogger beanstandet, dass es nicht wirklich sicher sei, ob der geschilderte Sachverhalt so zutreffe. Die Mutter beteuere, dass sie Beschneidungen ablehne und ihre Kinder zu diesem Zweck nicht nach Afrika habe bringen wollen. Vor Gericht habe der Vater später erklärt, er habe seiner Frau – entgegen der Darstellung der Zeitung – nicht vorwerfen wollen, ihre Kinder in der Absicht nach Afrika bringen zu wollen, sie dort beschneiden zu lassen. Er habe befürchtet, dass dies ohne Absicht der Mutter geschehen könnte. Dadurch – so der Beschwerdeführer – verstoße der Artikel gegen Ziffer 13 des Pressekodex, indem er die Frau vorverurteile und dem Grundsatz der Unschuldsvermutung widerspreche. Die Fotos der beiden Mädchen – weder mit Balken noch mit Pixeln verfremdet – verletzten deren Persönlichkeitsrechte. Auch das Foto der Mutter sei unzulässig. Seine Veröffentlichung verstoße gegen Ziffer 8 des Pressekodex (Persönlichkeitsrechte). Die Rechtsabteilung der Zeitung beruft sich auf die Pressemitteilung der Polizei. Danach habe der Vater die Polizei informiert. Eine Vorverurteilung nach Ziffer 13 liege ebenfalls nicht vor, da sich die Zeitung auch hier auf die Pressemitteilung bezogen habe. Schon in deren Überschrift habe es geheißen, dass die Polizei die Beschneidung zweier Mädchen verhindert habe. Die Fotos der beiden Kinder seien mit Erlaubnis des Vaters veröffentlicht worden. (2007)