Entscheidungen finden

Der Mensch verfügt über sich selbst

Mit Hilfe des „Dschungelcamps“ gewisse Popularität erreicht

In diesem Fall beschwert sich eine Leserin der Online-Ausgabe einer Boulevardzeitung über mehrere Veröffentlichungen rund um das RTL-Fernsehformat Dschungelcamp“. Es geht um die Camp-Kandidatin Lorielle London, die als „Super-Transe“ bezeichnet und mal als Lorielle und dann wieder als „Lorenzo“ genannt wird. Die Rede ist auch von einem Kuss als „Ekel-Prüfung“, den „Lorielle“ bzw. „Lorenzo“ mit Giulia Siegel ausgetauscht hat. Über Lorielle London schreibt die Online-Ausgabe: „Pralle Brüste, lange Beine, sexy Mähne – doch zwischen den Beinen noch ein ganzer Kerl. Das ist Super-Transe Lorielle London (25): Ein Wesen irgendwo zwischen Mann und Frau. Versext ES jetzt das RTL-´Dschungelcamp´?“ In dem Beitrag „So sieht eine(r) aus, dem RTL Känguru-Penis serviert hat“ wird unter dem Foto von Lorielle London der Dschungelcamp-Teilnehmer erneut als Lorenzo bezeichnet. In einem weiteren Artikel wird die London als „putzige Transe mit den Würstchenlippen“ bezeichnet. Nach Auffassung der Beschwerdeführerin verstößt die Berichterstattung gegen die Menschenwürde. Sie mache transsexuelle Menschen lächerlich. Transsexuelle würden als lächerliche Männer dargestellt, die gerne Frauen wären. Das sei Hetze gegen Minderheiten. Die Rechtsabteilung der Online-Ausgabe weist darauf hin, dass die Beteiligten vor allem mit der Bildberichterstattung ausdrücklich einverstanden gewesen seien. Die im Zusammenhang mit Lorielle benutzten Begriffe seien von dieser selbst in Interview und auch sonst in der Öffentlichkeit benutzt worden. Auch Lorielle habe von dem Grundrecht Gebrauch gemacht, demzufolge der Mensch sein Schicksal eigenverantwortlich gestalten könne. (2009)

Lorielle London, bekannt geworden auch durch „Deutschland sucht den Superstar“, hat sich selbst in die Dschungelcamp-Öffentlichkeit begeben und dort eine gewisse Popularität erworben. Deshalb sieht der Beschwerdeausschuss Hinweise auf Namen und Hintergrund nicht als Diskriminierung an. Dass dabei die Medien nicht immer das richtige Personalpronomen verwenden, liegt daran, dass Lorielle London auch schon als Lorenzo in der Öffentlichkeit aufgetreten ist. Die verschiedenen Arten von Sexualität machen es den Medien schwer, immer die richtigen Begriffe zu verwenden. Der Beschwerdeausschuss diskutiert den Satz „Versext ES jetzt das RTL-Dschungelcamp?“. Das ES bezieht sich auf „das Wesen irgendwo zwischen Mann und Frau“, ein Satz der unmittelbar vor dem ES steht. Schließlich hält der Presserat fest, dass es wichtig ist, Begriffe wie „Transsexuelle“ und „Transvestit“ sauber zu trennen. Der Beschwerdeausschuss hält die Beschwerde für begründet; er verzichtet jedoch auf eine Maßnahme. (BK2-7/09)