Pressemitteilung

05. Dezember 2013

Menschen als "Abschaum" bezeichnet

Die drei Beschwerdeausschüsse des Presserats tagten vom 03. bis 04.12.2013 in Berlin. Sie behandelten 103 Beschwerden. 6 Veröffentlichungen wurden gerügt. Die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG erhielt eine öffentliche Rüge für einen Kommentar. Darin setzte sich die Redaktion mit Kundgebungen von NPD und linker...mehr lesen

"Antifa" im Zusammenhang mit der geplanten Einrichtung eines Asylbewerberwohnheims in einem kleinen Ort bei Leipzig auseinander. Der Kommentator hatte die Ansicht vertreten, „der braune und rote Abschaum“ solle sich von dem Ort fern halten. Der Beschwerdeausschuss war der Ansicht, dass die Bezeichnung „Abschaum“ gegen Ziffer 9 des Pressekodex verstößt, weil sie beleidigend ist. Menschen als "Abschaum", also Abfall, zu bezeichnen, verletzt die Menschenwürde der Betroffenen.

Die Ziffer 9 (Schutz der Ehre) lautet:
Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.

Diskriminierende Überschrift

Die Zeitung JUNGE FREIHEIT wurde wegen eines Verstoßes gegen das Diskriminierungsverbot (Ziffer 12 des Pressekodex) gerügt. Die Zeitung hatte sich mit einer Entscheidung des Landessozialgerichts Essen beschäftigt, der zufolge Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien Anspruch auf Sozialleistungen in Deutschland haben. In der Überschrift hatte die Zeitung formuliert: „Zigeuner können Sozialhilfe bekommen“ und damit suggeriert, das Gericht habe eine Sonderregelung für eine bestimmte ethnische Minderheit im Sozialrecht geschaffen. Für die willkürliche Heraushebung dieser Minderheit durch die Redaktion sah der Ausschuss keinen sachlichen Grund. Sie wirkt diskriminierend.

Die Ziffer 12 (Diskriminierungen) lautet:
Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.

Schwerer Eingriff in Privatsphäre
Eine nicht-öffentliche Rüge sprach der Ausschuss gegen BILD Online aus. Das Medium hatte darüber berichtet, dass eine namentlich genannte Landtagsabgeordnete in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden war. Auch der angebliche Hintergrund der Einweisung wurde mitgeteilt. Körperliche und psychische Erkrankungen gehören gemäß Ziffer 8, Richtlinie 8.6 des Pressekodex in die Privatsphäre. In der Regel soll darüber nicht ohne Zustimmung des Betroffenen berichtet werden. Im kritisierten Fall lag die Einwilligung der Betroffenen offenbar nicht vor.

Kopplungsgeschäft: Bericht nur gegen Anzeige

Wegen einer Verletzung des Grundsatzes der klaren Trennung von Redaktion und Werbung wurde der DINGOLFINGER ANZEIGER gerügt. Die Zeitung hatte die redaktionelle Ankündigung einer Kabarettveranstaltung von der Schaltung einer Anzeige abhängig gemacht. Eine solche Forderung ist ein grober Verstoß gegen Ziffer 7 Pressekodex, da eine redaktionelle Berichterstattung nicht an eine finanzielle Gegenleistung gekoppelt werden darf.

In einem ähnlich gelagerten Fall erhielt die Modellbauzeitung RC-FREIZEIT eine Rüge. Der Chefredakteur der Publikation hatte einem Leser, der nach Testberichten zu bestimmten Produkten gefragt hatte, mitgeteilt, dass man über diese Produkte weder berichtet habe noch berichten werde. Grund sei, dass die Hersteller in der Zeitschrift keine Anzeigen schalteten. Redaktionelle Berichterstattung auf diese Weise von Anzeigenaufträgen abhängig zu machen, ist nicht mit dem Trennungsgrundsatz nach Ziffer 7 Pressekodex vereinbar.

Die Ziffer 7 (Trennung von Werbung und Redaktion) fordert:
Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken. Bei Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen, muss dieses erkennbar sein.

Gegen BILD Online sprach der Beschwerdeausschuss eine öffentliche Rüge wegen eines Artikels über die medikamentöse Therapie bei vorzeitigem Samenerguss aus. Die Redaktion hatte darin umfangreich Material einer für den Medikamentenhersteller tätigen PR-Agentur wörtlich übernommen und nicht entsprechend gekennzeichnet. Außerdem wurden Preis und Handelsname des Medikaments genannt. Der Ausschuss sah darin einen Verstoß gegen das Verbot der Schleichwerbung und die und die Sorgfaltspflichten im Umgang mit PR-Material (Richtlinie 7.2 des Pressekodex).

Statistik
Die Sanktionen: 5 öffentliche Rügen, 1 nicht-öffentliche, 18 Missbilligungen, 21 Hinweise. 42 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet. In 4 Fällen wurden die Beschwerden als begründet angesehen, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet.

Ansprechpartnerin für die Presse: Edda Kremer, Tel. 030-367007-13

05. Dezember 2013

Trägerverein mit neuem Vorsitzenden

Volker Stennei, Chefredakteur und Verlagsleiter des HELLWEGER ANZEIGER, Unna, ist zum Vorsitzenden des Trägervereins des Deutschen Presserats gewählt worden. Er vertritt den Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in dem Gremium. Volker Stennei löst turnusgemäß den bisherigen Vorsitzenden,...mehr lesen

Dirk Platte vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), ab. Stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins wird Cornelia Haß, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di. Beide nehmen ihre Funktion ab dem 1. Januar 2014 wahr. Die Amtszeit dauert zwei Jahre.

Der Trägerverein beschäftigt sich mit finanziellen, personellen und organisatorischen Grundlagen des Presserats. Ihm gehören die beiden Verlegerorganisationen BDZV und VDZ an sowie die beiden Journalistenorganisationen Deutscher Journalisten-Verband (DJV) und dju. Diese vier Organisationen entsenden jeweils zwei Mitglieder in den Trägerverein.

04. Dezember 2013

Podiumsdiskussion zu Pressereisen

„Wenn Journalisten über Pressereisen berichten, zu denen sie eingeladen wurden, machen sie diese Finanzierung kenntlich.“  Der letzte Absatz der Ziffer 15, Richtlinie 15.1 des Pressekodex macht unmissverständlich deutlich, was von Journalisten in punkto Pressereisen gefordert ist. Dennoch: „Das Maß...mehr lesen

bei Pressereisen wird nicht selten überzogen. Üppige Essen, luxuriöse Hotels und ein teures Begleitprogramm haben mit journalistischer Recherche meist nichts mehr zu tun und schränken unabhängige Berichterstattung ein. Und der Leser merkt den versteckten Einfluss am Ende bei der Berichterstattung nicht. Deshalb ist die Transparenz, die Offenlegung der Finanzierung einer Reise, dringend erforderlich“, sagt Katrin Saft, Beschwerdeausschuss-Vorsitzende beim Deutschen Presserat. Sie diskutierte gestern in Berlin gemeinsam mit Vertretern aus Redaktionen, aus der PR-Branche und von Transparency International über Für und Wider von Pressereisen sowie die Formen von Einladungen für solch finanzierte Recherchen.  

Anlass für die gemeinsam vom Deutschen Rat für Public Relations (DRPR) und dem Deutschen Presserat organisierte Veranstaltung, die erste dieser Art, war die Kritik der WELT bezüglich der Ausgestaltung einiger Pressereisen von ThyssenKrupp im Jahr 2012. Katrin Saft: „Dieser Fall ist bestens geeignet für eine längst überfällige Diskussion in der Branche.“ Jörg Eigendorf, Leiter des Investigativ-Teams der WELT, der mit seiner Berichterstattung über die „Luxusreisen“ des Stahlkonzerns damals den Stein ins Rollen brachte, vertrat eine klare Position: „Es steht klar im Pressekodex drin. Der Kodex muss nur eingehalten werden.“ Eigendorf sieht nicht nur die Journalisten in der Pflicht, vielmehr auch die Verlage. Hier bräuchte es seiner Meinung nach verbindliche Regeln für die redaktionelle Praxis. Prof. Dr. Jürgen Marten, stellvertretender Vorsitzender von Transparency International Deutschland, sieht im Kern bei der Praxis von Pressereisen ebenfalls ein strukturelles Problem. Marten: „Redaktionen müssen ein Selbstverständnis entwickeln und Compliance Regeln einführen.“

Alexander Wilke, Leiter der Unternehmenskommunikation von ThyssenKrupp, stellte fest, dass sein Unternehmen auch in der Zukunft nicht auf Pressereisen verzichten werde. „Sie sind ein wichtiges Instrument, um wirtschaftliche Zusammenhänge dem Leser näher zu bringen.“ Aber: Es gebe seit den Ereignissen des vergangenen Jahres neue Richtlinien für solche Reisen, ein 4-Augen-Prinzip mit der Compliance Abteilung im Unternehmen sowie eine Dokumentationspflicht. Berufsethische Regelungen gibt es hierfür hingegen schon länger. In der Richtlinie des DRPR zum Verhältnis von PR-Praktikern und Journalisten ist festgeschrieben, dass Einladungen zu Pressereisen in einem nachvollziehbaren Verhältnis zum Informationsanlass stehen müssen. „Sie dürfen nicht an eine ausdrückliche Erwartung eines positiven Berichts geknüpft sein und erst recht nicht mit Zuwendungen irgendeiner Art verbunden sein.“ Matthias Rosenthal, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Rats für Public Relations, erläuterte hierzu: „Diese Regeln sind seit 1997 verbindlich, sie sind im Oktober 2013 noch einmal vom DRPR aktualisiert worden.“

Die Podiumsdiskussion, die von Steffen Grimberg (ZAPP/NDR Fernsehen) moderiert wurde, war durch eine Präsentation von Prof. Günter Bentele eingeleitet worden, in der er auf historische Aspekte der Pressearbeit, das aktuelle Verhältnis von PR-Leuten und Journalisten und ethische Aspekte von Pressereisen eingegangen war.  

Ansprechpartner für die Presse: Edda Kremer, Tel. 030-367007-13 und Prof. Günter Bentele (bentele@uni-leipzig.de)

13. September 2013

Schlagzeilen über Prominente: Viel heiße Luft

Die drei Beschwerdeausschüsse des Deutschen Presserats tagten vom 10. bis 12.09.2013 in Berlin. Sie behandelten insgesamt 125 Beschwerden. 10 Veröffentlichungen wurden gerügt. Grobe presseethische Verstöße erkannte der Beschwerdeausschuss in Veröffentlichungen von fünf Publikationen der...mehr lesen

Regenbogenpresse. Gerügt wurden die Zeitschriften FRAU AKTUELL, DAS NEUE BLATT, PROMI WELT, MEINE FREIZEIT und FREIZEIT EXPRESS.

FRAU AKTUELL hatte im Hinblick auf den Volksmusiker Stefan Mross von einem „Alkoholschock“ gesprochen und die Frage gestellt „Wer kann ihm jetzt noch helfen?“. In dem Beitrag wurden jedoch keinerlei Belege für mögliche Alkoholprobleme des Musikers geliefert. Es wurde lediglich mitgeteilt, dass – wenn man bei Google seinen Namen eingebe – dieser schon bei den ersten Treffern mit Alkohol in Verbindung gebracht werde. Der Presserat erkannte daher eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Pressekodex und des Persönlichkeitsschutzes nach Ziffer 8 des Pressekodex.

Ebenfalls gegen die Sorgfaltspflicht verstieß FREIZEIT EXPRESS mit der Veröffentlichung von angeblichen Fotos des ungeborenen Babys von Prinz William und Prinzessin Kate. Nach Ansicht des Presserats hätten die Bilder als Symbolfotos gekennzeichnet werden müssen.

Einen Verstoß gegen das Wahrheitsgebot nach Ziffer 1 des Pressekodex sowie die journalistische Sorgfaltspflicht sah der Presserat in einer Veröffentlichung von MEINE FREIZEIT über Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Zeitschrift hatte auf der Titelseite von einer ‚Verheimlichten Scheidungstragödie‘ gesprochen und „Alles über die unbekannte Vergangenheit der Kanzlerin“ angekündigt. Im Innenteil wurden lediglich bekannte Details aus dem Leben Angela Merkels mitgeteilt. Die Schlagzeilen beurteilte der Presserat daher als grobe Irreführung der Leser.

Ein harmloser Blogeintrag von Steffi Graf führte in PROMI WELT zu wilden Spekulationen über mögliche Probleme des ehemaligen Tennisstars. Graf hatte an ihre Fans die Frage gestellt, „wie man das Leben einen Gang runterschalten könnte?“. Die Zeitschrift bezeichnete dies als „alarmierenden Hilferuf“ und sprach von einem „Absturz in die Lebenskrise“. In dieser Darstellung sah der Presserat eine unwahrhaftige Berichterstattung, bei der jegliche Sorgfaltspflichtaspekte außer Acht gelassen wurden.

DAS NEUE BLATT schließlich sprach auf der Titelseite im Hinblick auf das ‚Bauer sucht Frau‘-Paar Josef & Narumol von einem „Scheidungsschock“ und stellte fest: „Dabei war es doch die ganz große Liebe“. Erst im Innenteil wurde klar, das nicht Josef und Narumol, sondern eine anderes Paar aus der Sendereihe sich trennt. Die Schlagzeilen beurteilte der Presserat als irreführend und stellte auch hier Verstöße gegen die Ziffern 1 und 2 des Pressekodex fest.

Details über psychisch Kranken
B.Z. Online erhielt für zwei Artikel Rügen wegen Verstoßes gegen Ziffer 8 des Pressekodex. In beiden Beiträgen war über einen Mann berichtet worden, der – offenbar weil er an einer schizophrenen Störung litt – nackt und mit einem Messer bewaffnet in den Brunnen am Alexanderplatz in Berlin gestiegen war, Polizisten bedroht hatte und beim darauf folgenden Polizeieinsatz erschossen worden war. Beide Artikel enthielten zahlreiche persönliche Details, durch die der Mann für einen weiten Personenkreis identifizierbar wurde. Für den zweiten Artikel hatte der Autor offenbar die Wohnung des Toten aufgesucht und den Inhalt von dort gefundenen Dokumenten veröffentlicht. Der Beschwerdeausschuss sah in der Berichterstattung einen Verstoß gegen die Richtlinien 8.1 und 8.6 des Pressekodex. Über den psychisch kranken und möglicherweise schuldunfähigen Mann hätte nur anonymisiert und in zurückhaltender Weise berichtet werden dürfen.
Menschenwürde eines Schachspielers
Gerügt wurde auch die Schach-Zeitschrift „Rochade Europa“ für ihre Berichterstattung über den Sieger eines Turniers. Der ältere Mann war auf dem ganzseitigen Titelfoto abgebildet. Auf seiner Hose war ein großer nasser Fleck zu sehen. Dadurch entstand der Eindruck, dass er sich eingenässt haben könnte. Der Ausschuss sah darin einen Verstoß gegen die Ziffern 1 und 9 des Pressekodex. Danach achtet die Presse Würde und Ehre des Menschen. Die Redaktion hätte das Foto des Mannes nicht veröffentlichen dürfen, auch wenn es – wie die Zeitschrift mitteilte – mit seinem Einverständnis gemacht wurde.

Foto eines Täters
Eine Rüge erhielt BILD (Thüringen) für die Berichterstattung über einen Strafprozess. Ein Mann hatte gestanden, sein eigenes Kind getötet zu haben. Die Zeitung zeigte den Mann im Bild und machte ihn dadurch für einen erweiterten Personenkreis identifizierbar. An dem Prozess und der Tat an sich besteht zwar ein öffentliches Interesse, nicht aber an der identifizierenden Abbildung des Täters, urteilte der Beschwerdeausschuss. Das Gremium wertete die Berichterstattung deshalb als Verstoß gegen den Schutz der Persönlichkeit nach Ziffer 8, Richtlinie 8.1 des Pressekodex.

Gerücht über Politiker
Ebenfalls gerügt wurde die Online-Ausgabe der AUGSBURGER ALLGEMEINE. In einem Beitrag über eine innerparteiliche Auseinandersetzung auf Kreisebene hatte das Blatt eine Äußerung von der Facebook-Seite eines der Kontrahenten wiedergegeben. Dort spekulierte dieser über eine außereheliche Affäre seines Parteikollegen. Die Veröffentlichung dieses Gerüchtes verletzt den Schutz der Persönlichkeit nach
Ziffer 8.


Statistik
Insgesamt wurden in den drei Ausschüssen 125 Beschwerden behandelt.
Die Ergebnisse: 10 öffentliche Rügen, 13 Missbilligungen, 23 Hinweise. 51 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet. In 18 Fällen wurden die Beschwerden als begründet angesehen, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet.

Ansprechpartner für die Presse:
Edda Kremer und Arno Weyand, Tel. 030-367007-15

18. Juni 2013

Regionalzeitung missbilligt

Der Beschwerdeausschuss für den Redaktionsdatenschutz tagte am Montag, 17.06.2013. In drei Fällen stellten die Mitglieder einen Verstoß gegen den Redaktionsdatenschutz fest:

Eine Missbilligung sprach der Ausschuss gegen eine Regionalzeitung aus. Diese hatte über einen mutmaßlichen Fall von...mehr lesen

Kindesmisshandlung berichtet und den ungewöhnlichen Vornamen des Kleinkindes und den vollen Namen seiner Großmutter genannt. Der Ausschuss sah darin einen schweren Verstoß gegen Ziffer 8 des Pressekodex, da das Opfer für einen erweiterten Personenkreis identifizierbar wurde. Zwar waren Vater und Großmutter mit der Namensnennung einverstanden, die getrennt lebende Mutter des Kindes wurde von der Redaktion aber offenbar nicht gefragt.

Einen Hinweis erhielt eine Lokalzeitung, die einen Leserbrief unter Angabe der vollständigen Adresse der Einsenderin veröffentlicht hatte. Die Leserin hatte daraufhin einen Drohbrief erhalten. Gemäß Richtlinie 2.6 des Pressekodex verzichtet die Presse beim Abdruck auf die Veröffentlichung von Adressangaben. Der Ausschuss kritisierte, dass die Adresse ohne Rücksprache mit der Einsenderin erfolgt war. Berechtigte Interessen, die die Veröffentlichung der Adresse hätten rechtfertigen können, lagen nicht vor.

Einen weiteren Hinweis erhielt ein Regionalblatt wegen der Berichterstattung über die Zwangsversteigerung eines Schlosses, das sich im Besitz einer Adelsfamilie befunden hatte. Der Artikel enthielt die Privatadresse des Schuldners. Der Ausschuss erachtete den Eingriff in die Privatsphäre des Betroffenen für gravierend. Die Redaktion räumte den Fehler ein.

Der Pressekodex beinhaltet neben den Regelungen zum Schutz der Persönlichkeit spezielle Vorschriften zum Datenschutz in Redaktionen.  Von der Recherche über Redaktion, Veröffentlichung, Dokumentation bis hin zur Archivierung dieser Daten achtet die Presse das Privatleben, die Intimsphäre und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Der Presserat ist dabei an Stelle staatlicher Aufsichtsbehörden für die Beachtung dieser Regelungen durch die Redaktionen und Verlage zuständig. Weitere Informationen zum Redaktionsdatenschutz finden Sie hier.

06. Juni 2013

Titelseiten von drei Sportmagazinen gerügt

Die Beschwerdeausschüsse des Presserats tagten am 04. und 05.06.2013 in Berlin und behandelten 147 Beschwerden. 7 Veröffentlichungen wurden gerügt. Wegen einer Verletzung des Grundsatzes der klaren Trennung von Redaktion und Werbung (Ziffer 7 Pressekodex) wurden die Zeitschriften CONDITION, LAUFZEIT...mehr lesen

und RUNNING gerügt. Die drei Laufmagazine hatten auf der Titelseite ihrer Ausgaben 03/2013 jeweils ein PR-Foto eines großen Sportartikelherstellers veröffentlicht. Auf den Bildern präsentierten bekannte Läuferinnen einen neuen Laufschuh des Unternehmens. Der Presserat sah in der Veröffentlichung dieser PR-Fotos Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 Pressekodex. Die dort geforderte besondere Sorgfalt beim Umgang mit PR-Material wurde bei den Veröffentlichungen deutlich missachtet.

Ebenfalls gerügt wegen einer Verletzung der Ziffer 7 wurde die Publikation KANZLEI LIFE! Die Zeitschrift richtet sich als Fachpublikation an Rechtsanwalts- und Notarkanzleien. In mehreren Artikeln der Ausgabe 1/2013 wurde auf Produkte eines einzelnen Softwareunternehmens hingewiesen. Konkurrenzprodukte wurden nicht genannt. Der Presserat stellte bei der Behandlung der Beschwerde fest, dass die Zeitschrift von einem Schwesterunternehmen des Softwareentwicklers herausgegeben und kostenlos an Kunden verteilt wird. In einem ‚Sondernewsletter‘ an ihre Kunden spricht die Firma dabei von „unserer neuen Zeitschrift“ und verweist bei Fragen zum Inhalt der Zeitschrift an die Kundenbetreuung. Aufgrund dieser Konstellation beurteilt der Presserat KANZLEI LIFE! als reine Werbepublikation. Für die Leser ist dies allerdings nicht ersichtlich, da eine entsprechende Kennzeichnung fehlt.

Bezeichnung „Junta-Kumpel“ verletzt Ehre des Papstes
Die Berliner TAZ hat mit einem scharfen Kommentar zur Papstwahl keine religiösen Gefühle geschmäht, aber mit der Überschrift „Junta-Kumpel löst Hitlerjunge ab“ grob gegen das Sorgfaltsgebot verstoßen. Dafür spricht der Deutsche Presserat der Zeitung eine Rüge aus.

Fast 50 Leserbeschwerden lagen dem Gremium über den Kommentar der TAZ vor, der die Wahl von Papst Franziskus thematisiert. Der Kommentar erschien in der Online-Ausgabe unter der Überschrift „Alter Sack der Xte“, in der Printausgabe unter dem Titel „Junta-Kumpel löst Hitlerjunge ab“. Während der Ausschuss den Inhalt des Beitrages sowie die Überschrift in der Online-Ausgabe nicht kritisierte, sah er in der Überschrift des Print-Beitrages eine nicht bewiesene Tatsachenbehauptung (Ziffer 2 Pressekodex). Die Erkenntnisse über die Nähe des Papstes zur argentinischen Militärdiktatur reichen nicht aus, um sie in der Überschrift mit der Bezeichnung „Junta-Kumpel“ zuzuspitzen und sie als erwiesen darzustellen. Den Papst ohne ausreichende Belege in die Nähe eines Regimes zu rücken, das Zehntausende von Menschen ermordet hat, verletzt ihn in seiner Ehre (Ziffer 9 Pressekodex).
Dagegen sind scharfe Bewertungen im Kommentar wie „Alter Sack I. folgte Alter Sack II.“ oder „esoterischer Klimbim“ als Bezeichnung für katholische Dogmatik zwar provokativ und polemisch, der Ausschuss hält diese Äußerungen jedoch für vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt. Eine Institution wie die katholische Kirche und ihr Oberhaupt müssen auch deutliche öffentliche Kritik aushalten. Religiöse Gefühle sieht das Gremium mit den Äußerungen nicht geschmäht.

Bombenanschlag in Boston: Keine sensationellen Bilder
Keinen ethischen Verstoß stellte der Presserat bei zwei Beschwerden zur Berichterstattung über den Bombenanschlag in Boston fest. BILD-Online hatte in mehrteiligen Fotostrecken über den Anschlag berichtet. Gezeigt wurden Bilder mit dramatischen Szenen, auf denen unter anderem verletzte Menschen zu sehen waren. Die Fotos dokumentieren die schreckliche Realität dessen, was sich ereignet hat, überschreiten jedoch nicht die Grenze zur Sensationsberichterstattung (Ziffer 11 Pressekodex), stellte der Ausschuss fest. Ein grenzwertiges Foto, das einen schwer verletzten Mann im Rollstuhl zeigte, hatte die Zeitung kurz nach Erscheinen bereits von sich aus aus dem Online-Angebot entfernt.
Kriminalberichterstattung geht zu weit
BILD-Online wurde für die Berichterstattung über ein vermutetes Tötungsdelikt gerügt, bei dem der Hauptverdächtige als überführter „Killer“ bezeichnet wurde und sein angebliches Opfer und er selbst auf Fotos klar erkennbar gezeigt worden sind.

In drei Beiträgen hatte die Redaktion über den Mann berichtet, der Suizid begangen hatte. Die Polizei hielt es für wahrscheinlich, dass er seine Freundin umgebracht hatte, ihre Leiche war aber nicht gefunden worden. Der Presserat erkannte in den Veröffentlichungen einen Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht (Ziffer 2 Pressekodex), weil der Eindruck erweckt wurde, es habe erwiesenermaßen ein Mord stattgefunden und der Mann sei der Täter. Beides stand zum Zeitpunkt der Berichtbestattung aber nicht fest. Zudem wurden das Persönlichkeitsrecht des Mannes und seiner Freundin verletzt, da Fotos und persönliche Angaben sie identifizierbar machten (Ziffer 8 Pressekodex).

Die TZ München erhielt eine Rüge für die identifizierende Berichterstattung über einen Mann, dem die Entführung und Vergewaltigung Minderjähriger in Thailand vorgeworfen wird. Der Ausschuss bemängelte, dass der Tatverdächtige durch die Angabe zahlreicher persönlicher Details für einen größeren Personenkreis identifizierbar wird.  Das verstößt in diesem Fall gegen Ziffer 8 des Pressekodex. Denn hinreichende Beweise für die Schuld des Tatverdächtigen lagen zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht vor. Überdies sah der Ausschuss auch eine Verletzung der Unschuldsvermutung (Ziffer 13 Pressekodex), da der Artikel nicht durchgehend sprachlich unterschied zwischen Verdacht und erwiesener Schuld.

Presserat mahnt: Informantenschutz beachten
Der Presserat nimmt einen aktuellen Beschwerdefall zum Anlass, um an die Pflichten der Ziffer 5 (Berufsgeheimnis) des Pressekodex zu erinnern. Dies bedeutet im Einzelfall, dass Journalisten vollständigen Gebrauch von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht machen, um einen Informanten zu schützen. Dies schließt insbesondere den Informantenschutz bei zeugenschaftlicher Vernehmung im Rahmen von Strafermittlungsverfahren ein.

Dem Beschwerdeausschuss lag eine Beschwerde gegen einen Redakteur vor, der über einen Krankenhausskandal berichtet hatte. Ein Säugling war verstorben. Ein Informant hatte dem Journalisten Details über den Behandlungsverlauf und die Komplikationen zugetragen, die einen ärztlichen Behandlungsfehler nahelegten. Der Informant legte Beschwerde beim Presserat ein und warf dem Journalisten vor, seinen Namen in einem Gespräch mit der Klinikleitung preisgegeben zu haben. Die Klinikleitung hatte erfahren, dass es sich bei dem Informanten um einen Angehörigen einer Krankenhausmitarbeiterin handelte. Die Frau wurde daraufhin entlassen.
Der Journalist bestritt gegenüber dem Presserat, den Namen weitergegeben zu haben. Nicht auszuschließen war für den Presserat, dass die Klinikleitung den Namen des Informanten bei der Einsicht in die Ermittlungsakten bzw. über Dritte erhalten hat. Ob es einen belegbaren Verstoß gegen den Informantenschutz gegeben hat, war für den Beschwerdeausschuss allerdings nicht aufklärbar.

Ziffer 5 – Berufsgeheimnis
Die Presse wahrt das Berufsgeheimnis, macht vom Zeugnisverweigerungsrecht
Gebrauch und gibt Informanten ohne deren ausdrückliche Zustimmung nicht preis. Die vereinbarte Vertraulichkeit ist grundsätzlich zu wahren.


Statistik
Insgesamt wurden in den drei Ausschüssen 147 Beschwerden behandelt.
Die Ergebnisse: 7 öffentliche Rügen, 10 Missbilligungen, 19 Hinweise. 79 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet. In 4 Fällen wurden die Beschwerden als begründet angesehen, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet.

Ansprechpartnerin für die Presse: Edda Kremer, Tel. 030-367007-13

13. März 2013

Presserat überarbeitet Ziffer 8

Der Deutsche Presserat hat seine Regeln zum Schutz der Persönlichkeit überarbeitet. Insbesondere die ethischen Regeln für die Straftäter- und Opferberichterstattung wurden novelliert. In der Plenums-Sitzung am heutigen Mittwoch wurde die neue Fassung der Ziffer 8 (Schutz der Persönlichkeit) des...mehr lesen

Pressekodex beschlossen. Sie tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft. Erarbeitet wurde die neue Fassung von einer Arbeitsgruppe des Presserats, die sich aus jeweils zwei Vertretern der Trägerorganisationen zusammensetzte.
„Ziel war es, die Regeln zum Schutz der Persönlichkeit so zu gestalten, dass sie für Journalisten einfacher anzuwenden sind, als dies bisher in der alten Ziffer 8 des Pressekodex der Fall war“, erläutert Ursula Ernst, Sprecherin des Presserats. „Viele Redaktionen und Verlage hatten sich konkrete Abwägungskriterien bei der Kriminalitätsberichterstattung gewünscht: Wann darf ich einen Täter zeigen? Welche Rolle spielt der Verfahrensstand? Wie gehe ich mit Prominenten um? Das war die Triebfeder zur Novellierung. Außerdem war es notwendig, bestimmte überholte Begriffe herauszunehmen und an einigen Stellen präziser zu formulieren “
Neu ist, dass es jetzt eine getrennte Richtlinie zur Opferberichterstattung und eine eigene Richtlinie zur Kriminalberichterstattung gibt, die sich speziell mit den Tätern und Tatverdächtigen beschäftigt. Ursula Ernst: „Bislang wurden im Kodex Täter und Opfer in einem Atemzug genannt. Die neu geschaffene eigene Richtlinie zum Opferschutz wird dem besonderen Stellenwert, den der Schutz der Opfer beim Presserat genießt, besser gerecht. Hierzu stehen wir seit langem im konstruktiven Dialog mit Opferverbänden wie dem Weissen Ring. Der besondere Schutz wird jetzt nicht nur durch die Spruchpraxis untermauert, sondern auch im Kodex manifestiert.“
Die Veränderungen im Einzelnen: Bei der Berichterstattung über Straftäter sieht die Ziffer 8 mit Richtlinie 8.1 (Kriminalberichterstattung) künftig eine Gleichrangigkeit zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit auf der einen Seite und den Persönlichkeitsrechten des Täters auf der anderen Seite vor. Hier muss der Journalist stets abwägen. Damit dies leichter gelingt, hat der Presserat Regelbeispiele eingeführt, die den Praktikern die Frage beantworten soll, wann identifizierend berichtet werden darf: Zum Beispiel bei außergewöhnlich schweren oder in ihrer Art und Dimension besonderen Straftaten oder wenn eine schwere Tat in aller Öffentlichkeit geschehen ist. Zudem enthält die Richtlinie nun konkrete Kriterien, die für die Redaktion im Hinblick auf eine möglicherweise identifizierende Berichterstattung eine Rolle spielen können. Hierzu zählen: Intensität des Tatverdachts, Schwere des Vorwurfs und auch der Verfahrensstand. Nach Abschluss eines Strafverfahrens soll eine Redaktion zudem das Resozialisierungsinteresse eines Täters im Blick haben.

Die Richtlinien 8.2 bis 8.5 sind Gruppen gewidmet, die vor identifizierender Berichterstattung besonders geschützt werden müssen: Opfer, Kinder und Jugendliche, Familienangehörige und vermisste Personen.
Eine eigene Richtlinie zur Berichterstattung über Kinder und Jugendliche gab es bislang nicht. Der Presserat weist im Kodex nun ausdrücklich darauf hin, dass insbesondere bei der Berichterstattung über Straftaten und Unglücksfälle Kinder und Jugendliche in der Regel nicht identifizierbar sein sollen.
Ursula Ernst: „Eine grundsätzliche Änderung der Spruchpraxis erwarten wir durch die Novellierung der Ziffer 8 nicht. Das ist auch nicht unser Ziel. Wir erhoffen uns durch die neue Systematisierung und Präzisierung aber mehr Praxistauglichkeit und klarere ethische Leitplanken für die Redaktionen.“
Die neue Fassung der Ziffer 8 im Wortlaut und die dazu gehörigen Richtlinien finden Sie unter: www.presserat.de


Ansprechpartner für die Presse: Lutz Tillmanns, Tel. 030/367007-0

05. Februar 2013

Presserat weiter ein gesuchter Ansprechpartner

Ein arbeitsreiches Jahr für den Deutschen Presserat: Die Zahl der Beschwerden bleibt hoch. 1.500 Menschen wandten sich im Jahr 2012 an die Freiwillige Selbstkontrolle der Presse, um redaktionelle Beiträge in Zeitungen, Zeitschriften und deren Online-Seiten anhand des Pressekodex prüfen zu lassen....mehr lesen

Damit bleibt die Zahl der Beschwerden im Verhältnis zu 2011 (1.323 Beschwerden) und 2010 (1.661) gleichbleibend auf hohem Niveau. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 wandten sich lediglich 735 Leser an den Presserat. Seit 2009 ist der Presserat auch für Online-Auftritte der Verlage zuständig.

Ursula Ernst, Sprecherin des Deutschen Presserats: „Die Anzahl der Beschwerden hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Dies ist jedoch kein Anzeichen für eine verminderte Qualität der Berichterstattung. Es wurden prozentual gesehen nicht mehr Sanktionen ausgesprochen als in den vergangenen Jahren. Es zeigt jedoch die gestiegene Relevanz des Presserats in der Leserschaft, die sich mit der Qualität der Presse kritisch auseinandersetzt.“

Papst-Cover, Sarrazin und Post von Wagner polarisieren
Auffallend ist, dass manche Berichterstattung einen regelrechten Strom an Beschwerden nach sich zog. So zum Beispiel das Papst-Cover der Zeitschrift TITANIC, über das sich rund 180 Leser beschwerten. Aber auch die BILD-Kolumne „Post von Wagner“ zu Homosexualität und Ehe sorgte mit rund 70 Beschwerden für kritische Rückmeldungen. Zum Umgang mit Thilo Sarrazin polarisierten gleich zwei Beiträge, eine TAZ-Kolumne und ein Kommentar in der BERLINER ZEITUNG/FRANKFURTER RUNDSCHAU. Insgesamt 60 Leser baten um eine presseethische Prüfung. Ursula Ernst: „Die Fälle wurden in der Medienbranche, aber auch in der Öffentlichkeit insgesamt ausführlich diskutiert. Wie weit darf die Presse gehen, wo endet eine Kritik, wo beginnt eine Diffamierung? Solche ethischen Diskurse anzustoßen, ist eines unserer Hauptanliegen.“

Mehr Entscheidungen im Ausschuss
Die ehrenamtlichen Mitglieder in den drei Beschwerdeausschüssen prüften 2012 insgesamt 670 Fälle. Im Vorjahr waren es nur 453 Fälle. Hierzu wurde ein Beschwerdeverfahren eingeleitet und die Zeitung/Zeitschrift um Stellungnahme gebeten.
Insgesamt beurteilten die Beschwerdeausschüsse 450 Beschwerden als begründet und sprachen 188 Maßnahmen aus. Wenn mehrere Leser den gleichen Artikel kritisierten, wurde nur eine Maßnahme ausgesprochen.

Die Maßnahmen im Einzelnen:

    17 öffentliche Rügen
    5 nicht-öffentliche Rügen
    51 Missbilligungen
    91 Hinweise
    24 Beschwerden begründet, aber keine Maßnahme
    220 Beschwerden unbegründet

In der Vorprüfung abgelehnt wurden zuvor die Fälle, bei denen es keinen Anhaltspunkt dafür gab, dass die Redaktion unsauber gearbeitet hatte.

Regionalzeitungen an der Spitze
Die meisten Beschwerden richteten sich 2012 gegen Regional- und Lokalzeitungen mit 436 Fällen. Danach folgten die Publikumszeitschriften mit 320 Fällen. Diese Platzierung ist vor allem durch das Titanic-Papst-Cover geprägt. Danach folgen die Boulevardzeitungen mit 198 Fällen. Nur ganz wenige Beschwerden erreichten den Presserat gegen Wochen- und Sonntagszeitungen (26), Fachzeitschriften (11) und Nachrichtenagenturen (3).

Vor allem Schutz der Ehre und Sorgfaltspflicht im Fokus
Wie in den vergangenen Jahren lagen die tatsächlichen und vermuteten Verstöße gegen die Ziffer 2 (journalistische Sorgfaltspflicht) weit vorn. 317 Fälle prüfte der Presserat hier (Vorjahr: 279), Spitzenreiter war 2012 jedoch die Ziffer 9 (Schutz der Ehre) mit 386 Fällen (Vorjahr: 80). Diese Platzierung ist ebenfalls durch die Sammelbeschwerde gegen das Titanic-Papst-Cover geprägt. Danach folgt die Ziffer 1 (Menschenwürde, wahrhaftige Berichterstattung) mit 265 Fällen. Im Vorjahr waren dies hier nur 105 Fälle.

Die ausführlichen Statistiken finden Sie unter:

http://www.presserat.de/fileadmin/user_upload/Downloads_Dateien/Statistik_2012.pdf

Ansprechpartnerin für die Presse: Edda Kremer, Tel. 030-3670070