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Satire: Rentner sind Gammelfleisch

Der Presserat urteilt nicht über Geschmacksfragen

„Ein Schiff wird kommen“ titelt der Satiriker einer Programmzeitschrift. Im Beitrag geht es um die Schwierigkeiten der TV-Serie „Traumschiff“, noch neue Reiseziele zu finden. Er macht einige satirische Vorschläge, das Problem zu lösen, und schreibt abschließend: „An Bord sind schließlich Hunderte älterer Menschen, die die Rentenkassen unnötig belasten. Denkbar, wenn nicht wünschenswert, wäre auch ein Angriff von Greenpeace-Aktivisten, die kurz vor Tahiti das Schiff entern, um dagegen zu protestieren, dass hier Gammelfleisch transportiert wird“. Ein Leser der Zeitschrift hält diese Sätze für unverschämt und menschenverachtend. Das habe mit Satire nichts mehr zu tun, sondern sei schlicht ein Verstoß gegen den Pressekodex. Die Rechtsabteilung des Verlages teilt mit, bei dem Satiriker handele es sich um einen langjährigen Kolumnisten, dessen immer bissige Einblicke bekannt seien für das fantasievolle Weiterdenken von skurrilen Vorgängen im Alltag, in der Politik, im Fernsehen etc. Die Satire sei deutlich als solche gekennzeichnet und erfülle alle ihre Kriterien.

Gemäß Ziffer 1 des Pressekodex achtet die Presse die Menschenwürde. Letztere ist jedoch nur dann verletzt, wenn ein Mensch zum bloßen Objekt einer Berichterstattung herabgewürdigt wird. Das ist hier nicht der Fall. Der Autor nimmt gesellschaftliche Debatten und Konfliktrituale der Mediengesellschaft satirisch auf und überspitzt sie ins Groteske. Dass in diesem Zusammenhang Senioren als „Gammelfleisch“ bezeichnet werden, mag als schlechter Stil empfunden werden. Allerdings ist dies eine Geschmacksfrage, und über diese urteilt der Presserat nicht. (0024/14/1)