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Ein Zitat musste „gerafft“ werden

Nachrichtenmagazin lässt es an der erforderlichen Sorgfalt mangeln

Die Online-Ausgabe eines Nachrichtenmagazins berichtet unter der Überschrift „Merkel schuld? Politikerinnen entsetzen mit geschmacklosen Terror-Kommentaren“ über öffentliche Äußerungen der AfD-Politikerin Beatrix von Storch und Vera Lengsfeld (CDU) als Reaktion auf die islamistischen Terroranschläge von Brüssel. Ein Leser des Magazins kritisiert, dass der Artikel ein Zitat vorgebe, welches durch Weglassen von Worten verfälscht worden sei. Das Blatt schreibe: „Am frühen Nachmittag legte von Storch noch nach: ´Das Problem ist importiert. Wir vergrößern das Problem jeden Tag. Und: Das Problem hat mit dem Islam zu tun.´“ Das Original-Zitat laute jedoch: „Das Problem ist importiert. Wir vergrößern das Problem jeden Tag. Und: das Problem hat mit dem politischen Islam zu tun. Nicht mit allen Muslimen. Aber mit dem politischen Islam.“ Der zuständige Ressortleiter der Online-Ausgabe meint, das von Storch-Zitat sei aus seiner Sicht nicht zu beanstanden, auch wenn es etwas „gerafft“ worden sei. Das sei notwendig gewesen, da die Aussage in eine Form und Länge habe gebracht werden müssen, in der sie auch im Video noch von den Nutzern habe aufgenommen werden können. Der Sinngehalt des Zitats sei von der Raffung nicht verändert worden.

Die Beschwerde ist begründet, weshalb der Presserat einen Hinweis ausspricht. Bei der Wiedergabe von Zitaten ist ein Höchstmaß an Sorgfalt erforderlich. Die von der Redaktion vorgenommenen Kürzungen widersprechen diesem Gebot. (0305/16/2)