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„Erfolgreiche Politik“ Reinhard Heydrichs

Leser wirft einer Zeitschrift rechtsradikale Propaganda vor

Eine auf Waffen spezialisierte Zeitschrift berichtet über eine britische Schalldämpfer-Pistole und eine Spezialeinheit SOE, die diese Waffe im Zweiten Weltkrieg verwendet hat. In diesem Zusammenhang merkt die Redaktion an, dass der damalige „Reichsprotektor von Böhmen und Mähren“, Reinhard Heydrich, von der SOE getötet, also eines ihrer „Opfer“ geworden sei. Weiter heißt es, Heydrich habe eine „erfolgreiche Politik mit Zuckerbrot und Peitsche“ betrieben. Ein Leser der Zeitschrift kritisiert diese Aussage und spricht von rechtsradikaler Propaganda. Der Chefredakteur des Blattes weist den Vorwurf zurück. Die Aussage sei weder die Einschätzung des Verlages noch des Autoren, sondern eine wertfreie Beschreibung historischer Fakten. Aus Sicht der Reichsregierung jener Zeit und dem Blickwinkel Heydrichs sei dessen Politik in den fraglichen Jahren subjektiv „erfolgreich“ gewesen. Diese Beschreibung sei eine vollkommen wertfreie Darlegung historischer Tatsachen. Diese seien in objektiven Quellen nachzulesen. Der Autor des Beitrages äußert sich ebenfalls zu der Beschwerde. Bei dem Beschwerdeführer sei der falsche Eindruck entstanden, dass er mit der kritisierten Formulierung die Heydrich-Politik billige. Für Heydrich selbst sei seine Politik erfolgreich gewesen. Dies gelte auch für die Rüstungsanstrengungen des damaligen Deutschen Reiches. Der Betrieb in den tschechischen Rüstungsunternehmen sei – so der Autor weiter - bis zum Ende des Krieges ohne größere Zwischenfälle abgelaufen. Seine Einschätzung der Situation um Heydrich in der Tschechei decke sich mit dem aktuellen Forschungsstand der Geschichtswissenschaft. Spätestens seit dem Buch „Reinhard Heydrich – Statthalter der totalen Macht“ von Günther Deschner dürfte diese Auffassung allgemein anerkannt sein.

„Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde“ – so ist die Ziffer 1 des Pressekodex überschrieben. Sie legt der Beschwerdeausschuss seinen Überlegungen zugrunde. Die Mitglieder vertreten übereinstimmend die Auffassung, dass es dem Ansehen der Presse schadet, wenn die Redaktion der Zeitschrift ohne Distanzierung die Politik Reinhard Heydrichs als „erfolgreich“ bezeichnet. Sie sprechen eine Missbilligung aus. Auch wenn, wie der Chefredakteur argumentiert, aus Sicht des Naziregimes und aus dem Blickwinkel von Heydrich selbst seine Politik positiv bewertet wurde, so muss die Redaktion bei der Schilderung dieses Umstandes klar machen, dass dies nicht ihre eigene Bewertung ist. Da dies nicht geschehen ist, kann beim Leser der Eindruck entstehen, als handele es sich bei der veröffentlichten Passage um die Ansicht der Redaktion. Dieser Umstand ist geeignet, das Ansehen der Presse zu beschädigen. Zur Berichterstattung über Reinhard Heydrich hätte auch gehört, über seine Rolle als einer der Hauptverantwortlichen für den millionenfachen Mord an den europäischen Juden zu schreiben. (0328/13/1)