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„Wie sehr sich Simbas freuen können…“

Redaktion äußert ihr Entsetzen über Bericht von einem Rugby-Spiel

Das deutsche Rugby-Meisterschaftsfinale zwischen Pforzheim und Heidelberg ist Thema in der Online-Ausgabe einer Regionalzeitung. Der Berichterstatter schildert den Spielverlauf. Pforzheim gewinnt. Der Autor schreibt: „Wie sehr sich Simbas freuen können, wenn sie weiße Männer fertiggemacht haben, kennt man aus dem Filmklassiker ´Die Wildgänse kommen´, in dem Richard Harris und Hardy Krüger verhäckselt werden, Roger Moore und Richard Burton überleben nur knapp. Der Jubel auch der blasseren Pforzheimer war unermesslich.“ Sechs Leser der Zeitung beschweren sich beim Presserat über die Berichterstattung. Die Passage über die Hautfarbe zweier Spieler sei sowohl überflüssig als auch rassistisch. Die Siegesfreude farbiger Rugby-Spieler werde mit dem Massaker an Weißen in einem Spielfilm verglichen. Der Chefredakteur der Zeitung berichtet, dass auch in der Redaktion Entsetzen geherrscht habe über diese Art der Berichterstattung. Mit dem verantwortlichen Redakteur sei ausführlich diskutiert worden. Dieser habe beteuert, dass die fragliche Passage nicht rassistisch gemeint gewesen sei. Gedruckt und online habe sich die Redaktion – so der Chefredakteur – entschuldigt. Die Stellungnahme des Redakteurs sei in diversen Rugby-Foren gepostet worden. Der Chefredakteur schließt seine Stellungnahme mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass die Zeitung rassistische Texte und Anspielungen in jeglicher Form ablehne. Auch der Autor des Berichtes äußert sich. Er habe die beiden Spieler nicht beleidigen wollen. Diese hätten seinen Bericht auch nicht so aufgefasst. Mit einem der beiden habe er seit Jahren ein freundschaftliches Verhältnis. Ihn habe er aus seinem vom Bürgerkrieg zerstörten Land Zimbabwe nach Deutschland geholt und betreut.

Der Presserat hält die Veröffentlichung für einen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot nach Ziffer 12 des Pressekodex. Ausschlaggebend für diese Beurteilung ist die oben zitierte Passage. Der Vergleich mit dem Film, der rassistische Stereotypen bedient, ist dazu geeignet, die angesprochenen Spieler aus Pforzheim zu diskriminieren. Auf eine Maßnahme wird verzichtet, da sowohl die Redaktion als auch der Autor des Beitrages glaubhaft deutlich machen, dass die kritisierte Passage ohne diskriminierende Absicht entstanden ist. Zudem haben sich die Beteiligten öffentlich zu dem problematischen Artikel geäußert und den presseethischen Verstoß eingeräumt. (0408/16/1)