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Sexuelle Orientierung ist Privatsache

Überregionale Zeitung spekuliert über Umweltminister Peter Altmaier

Unter der Rubrik „Die Gesellschaftskritik“ veröffentlicht eine überregionale Tageszeitung gedruckt und online unter der Überschrift „Pseudobarockes Geschwurbel“ einen Beitrag, in dem darüber spekuliert wird, ob Umweltminister Peter Altmaier möglicherweise homosexuell sei. Auf den Online-Seiten wird der Beitrag noch am gleichen Tag gelöscht. Die Chefredaktion entschuldigt sich öffentlich für die Spekulation. Sie betont, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen dessen Privatsache sei. Der Beschwerdeführer – ein Leser der Zeitung – sieht die Persönlichkeitsrechte des Ministers verletzt. Die Berichterstattung sei über diese Spekulation hinaus unangemessen und diskriminierend. Zu der Beschwerde äußert sich die Zeitung nicht.

Die Zeitung hat mit dem Artikel „Pseudobarockes Geschwurbel“ die Persönlichkeitsrechte von Umweltminister Peter Altmaier verletzt. Die darin enthaltene Spekulation über dessen sexuelle Orientierung ist mit presseethischen Grundsätzen nicht vereinbar. Es bestand kein öffentliches Interesse an dieser Berichterstattung, die den Schutz der Persönlichkeit des Betroffenen überlagert hätte. Die Chefredaktion hat sich unmittelbar nach der Veröffentlichung mit einem Beitrag unter der Überschrift „In eigener Sache“ an ihre Leser gewandt, sich entschuldigt und betont, dass der Artikel nicht hätte erscheinen dürfen. Die Beschwerde ist begründet, doch verzichtet der Presserat angesichts der prompten Entschuldigung auf eine Maßnahme. (0434/12/1)