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Professor in Rasierapparat-Werbung eingespannt?

Nach Einspruch stellt sich der Fall möglicherweise ganz anders dar

„Let´s talk übers Rasieren“ – unter dieser in denglischer Sprache verfassten Überschrift veröffentlicht eine Zeitschrift ein Interview, das sie mit einem Professor (Hautarzt) geführt hat. Es geht darin um das Thema Trockenrasur. Der Arzt erwähnt dabei positiv einen bestimmten Rasierer und nennt auch gleich den Hersteller. Dem Interview beigestellt ist ein Foto, das den Rasierapparat zeigt und auch seinen Preis nennt. Ein Leser der Zeitschrift sieht den Trennungsgrundsatz nach Ziffer 7 des Pressekodex (Schleichwerbung) verletzt. Der Chefredakteur des Blattes spricht von einem redaktionellen Beitrag. Dieser sei unter der Rubrik „Stil“ veröffentlicht worden, die regelmäßig über Produkte aus den Bereichen Bekleidung oder Körperpflege berichte. Bei dem im vorliegenden Fall geschilderten Gerät handele es sich um eine Weltneuheit: Den ersten Rasierer mit Kühlfunktion. Dies habe die Redaktion veranlasst, über den Rasierer zu berichten und dazu einen Spezialisten, nämlich den Hautarzt, zu befragen. Dieser stehe in keiner Beziehung zu dem Hersteller. Dem Chefredakteur zufolge bestehe ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit an Produktneuheiten. Die erwähnte Kühlfunktion sei nicht nur ein Werbegag, sondern helfe offenbar tatsächlich, Hautirritationen zu vermindern. Die Zeitschrift habe durch die Veröffentlichung keinerlei Vorteile gehabt. Das Herstellerunternehmen habe den Beitrag nicht gesteuert und schon gar nicht bezahlt.

Der Vorsitzende des Beschwerdeausschusses hält die Beschwerde für unbegründet. Die Zeitschrift kann überzeugend darlegen, dass ein öffentliches Interesse an der Berichterstattung einen möglicherweise entstehenden Werbeeffekt für den Hersteller des Rasierers überlagert. Das Alleinstellungsmerkmal rechtfertigt die redaktionelle Vorstellung des Rasierapparates. Mit dieser Entscheidung ist der Beschwerdeführer nicht einverstanden. Nach seiner Darstellung liegt der Chefredakteur der Zeitschrift falsch, wenn er behauptet, dass der zitierte Hautarzt in keiner Verbindung zu dem Hersteller des Rasierapparates stehe. Schon auf der Startseite des Herstellers stehe ein Button mit dem Porträt des interviewten Hautarztes. Beim Anklicken dieses Buttons erscheine eine Textdatei, in der sich der Professor zu dem Rasierer äußere. Insofern sei es eindeutig, dass der Professor mit seinen Expertenstellungnahmen in die Vermarktung des Rasierapparates eingespannt sei. Der Beschwerdeausschuss gibt dem Einspruch einstimmig statt. Unter den vom Beschwerdeführer genannten Voraussetzungen könnte sich die Frage nach einer Verletzung von Ziffer 7 neu und anders stellen. Der Presserat wird zur abschließenden Klärung des Sachverhalts die Redaktion erneut hören. (0564/13/1- E-VE)