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Unter der Überschrift »Zum Schluss gab es >Prügel< für die Verteidiger« berichtet eine Lokalzeitung über einen Prozess, bei dem die Verteidiger des Angeklagten versucht hätten, die Richterin »auszutricksen«. Die Richterin habe in einem Schlusswort die Verteidigung gescholten und die Rechtsanwälte hätten grußlos den Saal verlassen. Einer der betroffenen Rechtsanwälte beanstandet die Formulierungen »Prügel« und »austricksen« und bestreitet das grußlose Verlassen des Gerichtssaals. Der Redakteur steht nach wie vor zu seinem Bericht und bietet weitere Zeugen zum Beweis der Richtigkeit an. (1986)

Der Deutsche Presserat kann einen Verstoß gegen den Pressekodex nicht erkennen. Da der Beschwerdeführer die Vorwürfe der Richterin gegen die Verteidigung nicht bestreitet, hält der Presserat die Bewertung »Prügel«, die der Redakteur bewusst in Anführungszeichen gesetzt hat, für erlaubt. Zur umstrittenen Frage des grußlosen Verlassens lässt der Presserat dahingestellt, welche Version zutreffend ist. Selbst bei Unterstellung des Ablaufes im Sinne der Beschwerdeführung wäre ein solcher Fehler im Rahmen der Gesamtberichterstattung nicht gravierend genug für eine Maßnahme. Den Schaden, den er reklamiert, hätte der Betroffene im übrigen gerichtlich geltend machen können.