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Diskriminierung von Kosovo-Albanern

In einer Fernsehzeitschrift erscheint ein Interview mit dem Leiter der Inspektion Organisierte Kriminalität bei einem Landeskriminalamt. Thema sind Verbrechen und Straftaten ausländischer Banden in Deutschland, insbesondere von Personen, die aus dem Kosovo stammen. Im Interview, geht es um die Hintergründe von schweren Verbrechen sowie um die Frage, wie solche organisierte Kriminalität seitens der Polizeibehörden bekämpft werden kann. Die Überschrift des Artikels lautet: »Die neue Bedrohung: Kosovo-Albaner in Deutschland - Sie sind wie Wölfe.« Ein Leser der Zeitschrift und ein Antidiskriminierungsbüro rufen den Deutschen Presserat an. Sie beklagen die eindeutig rassistische Überschrift sowie tendenziöse Fragen des Interviewers. Die Zeitschrift erklärt, das Interview sei vor dem Hintergrund objektiv vermehrter Straftaten von Kosovo-Albanern zu sehen. Eine Verallgemeinerung könne daraus nicht abgeleitet werden. (1995)

Der Presserat bemängelt die undifferenzierte Darstellung, die dazu geeignet ist, generalisierend alle Kosovo-Albaner mit dem im Interview angesprochenen Sachverhalt, der Kriminalität ausländischer Banden, in Verbindung zu bringen. Zahlreiche Passagen in den Fragen des Interviewers belegen diese Kritik, etwa eine Passage, in der es um Blutrache geht. Wörtlich steht da geschrieben: »Und dieser Umgang mit Leben und Tod macht die Kosovo-Albaner besonders gefährlich.« Der Presserat ist der Auffassung, dass der Fragesteller Vorurteile gegen alle Kosovo-Albaner transportiert. Dieser Eindruck findet einen zusätzlichen Beleg in den Antworten des Interviewpartners insofern, als dieser die pauschalisierenden Fragestellungen der Zeitschrift in bezug auf Kosovo-Albaner mehrfach relativiert. Wegen eines Verstoßes gegen Ziffer 12 des Pressekodex spricht der Presserat eine öffentliche Rüge aus. (B 18/95)