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Ethnische Gruppen

Bei dem Versuch, Papierschnipsel gegen 500.000 Mark zu tauschen, seien fünf Mitglieder einer internationalen Betrüger- und Räuberbande der Polizei ins Netz gegangen, berichtet eine Lokalzeitung. Sie solle den Angaben der Polizei zufolge bislang bis zu 30 Millionen Mark erbeutet haben. Die Zeitung zitiert in diesem Zusammenhang einen Polizeisprecher: “Mittlerweile gehören mehr als 60 Roma-Angehörige zum Täterkreis”. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht in diesem Kriminalfall keinen Sachbezug, der eine Nennung der Roma begründet hätte. Deshalb protestiert er in einer Beschwerde beim Deutschen Presserat gegen diese journalistische Praxis. Die Chefredaktion hält einen Verstoß gegen Ziffer 12 des Pressekodex für nicht gegeben. Im übrigen betrachtet sie die Beschwerde als einen unzulässigen Versuch, die Tageszeitungen über den Presserat zu instrumentalisieren. (1995)

Der Presserat hält die Erwähnung der Zugehörigkeit der Beschuldigten zu einer ethnischen Minderheit im Hinblick auf die internationalen Aktivitäten der mutmaßlichen Devisenbetrüger und die Größe ihrer Organisation für sachlich begründbar. Er weist die Beschwerde als unbegründet zurück. (B 27l/96)