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Zeitung in der Schule

An zwei unterschiedlichen Tagen veröffentlicht eine Tageszeitung unter der Überschrift “Zeitung in der Schule” jeweils eine Seite mit redaktionellen Beiträgen, die von Schülerinnen und Schülern geschrieben worden sind. Ein größerer Teil der veröffentlichten Beiträge bezieht sich im ersten Fall auf die Aktivitäten einer Bank, im zweiten Fall auf die Firmenphilosophie einer Restaurantkette. “Unterstützt” wird das Projekt von vier namentlich genannten Unternehmen, darunter auch die Bank und die Restaurantkette. Eine Leserin der Zeitung führt Beschwerde beim Deutschen Presserat. Ihr sei aufgefallen, dass sich die Beteiligung der Unternehmen nicht auf die Finanzierung des Projekts beschränke. Die Artikel auf den Seiten “Zeitung in der Schule” seien von (minderjährigen) Schülern verfasst, deren Engagement – anstatt ihrer Ausbildung zu dienen – zu Werbezwecken missbraucht werde. Bei den veröffentlichten Beiträgen handele es sich nämlich nicht um redaktionellen Text, sondern um Werbung. Die beteiligten Unternehmen würden in den Überschriften oder im Text mehrfach genannt. Die Zeitung legt eine Stellungnahme des Instituts zur Objektivierung von Lern- und Prüfverfahren (IZOP) vor, welches das Projekt “Zeitung in der Schule” pädagogisch begleitet. Das Institut führt darin aus, dass für das Projekt ein Aktionskatalog existiert, aus dem die beteiligten Schulklassen und Kurse ihre Themen für die Berichterstattung selbst aussuchen können. Darüber hinaus bestehe die Möglichkeit, eigene Themenvorschläge in die Aktion einzubringen. In den beiden konkreten Fällen hätten sich die Schüler für eine Berichterstattung zu dem Thema “Kunstförderung – Was bringt der Dialog mit junger Kunst?” am Beispiel der genannten Bank sowie zu dem Thema “Restaurantbesichtigung Markt Nord” der Restaurantkette entschieden. Die Zeitung erklärt dazu, dass in den jeweiligen Artikeln die Nennung des betroffenen Unternehmens aus Verständnisgründen sachlich erforderlich war. Die Redaktion betont, dass sie selbst grundsätzlich auf die Themenstellung der einzelnen Beiträge auf den Seiten “Zeitung in der Schule” keinen Einfluss hat. (1996)

Der Presserat kommt bei der Beratung dieses Falles zu der Erkenntnis, dass er über diese Beschwerde auf der Grundlage seiner Beschwerdeordnung nicht entscheiden kann. Bei der konkreten Durchführung des Projekts “Zeitung in der Schule” kommt es – im Interesse der Schule – zu zahlreichen Kooperationen mit den unterschiedlichsten öffentlichen Einrichtungen, Unternehmen und Vereinen. Der Presserat hält diese Aktion, die von ca. 200 Zeitungen in Deutschland betrieben wird, für sehr förderungswürdig. Junge Menschen lernen Zeitung lesen, sich mit deren Inhalten kritisch auseinander zusetzen. Im vorliegenden Fall bemängelt der Presserat allerdings, dass die Zeitung keinen erklärenden Hinweis für die Leserinnen und Leser vorgesehen hat dergestalt, dass sie selbst auf die Themenstellung der einzelnen Beiträge auf den Seiten “Zeitung in der Schule” grundsätzlich keinen Einfluss habe. Der Presserat hält es im vorliegenden Zusammenhang deshalb für erforderlich, auf Ziffer 7 des Pressekodex aufmerksam zu machen. Danach gebietet es die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken. (B 41/96)

(Siehe auch “Werbung”)