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Todesursache

Der Tod eines deutschen Tierschützers ist Thema eines Illustriertenberichts. Der Beitrag schildert die Tätigkeit des Mannes als Aufseher in einem Nationalpark in Uganda. Dort habe er, zugleich als Projektleiter des Deutschen Tierschutzbundes, Waldelefanten und Berggorillas vor dem Aussterben gerettet. Im Sommer 1994 wurde der „Schutzengel der Tiere“ tot aufgefunden, mit einem Hanfseil um den Hals an einem Fensterkreuz festgezurrt. Eiskalt – so die Zeitschrift – hätten Verbrecher die Ermordung des verhassten Tierschützers geplant. Die ugandische Polizei habe lapidar von Selbstmord durch Erhängen gesprochen, doch bei einer gerichtsmedizinische Untersuchung in Deutschland seien am Leichnam eindeutig Spuren von Gewaltanwendung festgestellt worden. Der Deutsche sei ermordet worden. Er sei geldgierigen Elfenbeinjägern zum Opfer gefallen. Der Vorsitzende der Berggorilla & Regenwald Direkthilfe wendet sich mit einer Beschwerde an den Deutschen Presserat. Bis heute fehle eine eindeutige Erklärung für den Tod des Tierschützers. Die Zeitschrift beruft sich auf Informationen aus der Familie des Verstorbenen. An deren Zuverlässigkeit bestehe kein Zweifel. (1995)

Der Presserat wirft der Zeitschrift vor, dass sie eine unbestätigte Vermutung nicht als solche erkennbar gemacht hat. Wegen dieses Verstoßes gegen Ziffer 2 des Pressekodex erteilt sie ihr eine Missbilligung. Aus den Beweismitteln, die dem Presserat vorliegen, darunter auch der Obduktionsbefund, geht nämlich hervor, dass alle Informationen über die Todesursache nur Vermutungen sind.