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Interviewabsprachen

Eine junge Dame beschwert sich, dass eine Zeitschrift unter der Überschrift »Aids im Urlaub - Die Lust ist stärker als die Angst« ein Urlaubsfoto von ihr veröffentlicht hat. Im Zusammenhang mit dem fett gedruckten Aufmacher »70 Prozent der Singles suchen ein Abenteuer« und »Die Mädchen fragen nicht nach einem Aids-Test« entstehe der Eindruck, auch die Beschwerdeführerin werde entsprechend eingeschätzt. Der Begleittext zum Foto verstärke diesen Eindruck. Nach den Erklärungen der beteiligten Journalisten sei sie davon ausgegangen, es gehe bei der geplanten Veröffentlichung um eine Reportage über deutsche Mädchen beim Italienurlaub. Sie habe ihr Einverständnis mit der Fotoveröffentlichung nur unter der Bedingung erteilt, dass auf keinen Fall ihr Name genannt werde. Die Zeitschrift erklärt dazu, es habe in dem vierstündigen Gespräch keine Absprachen über Beschränkungen in der Berichterstattung gegeben. Selbstverständlich sei auch das zentrale Urlaubsthema Aids zur Sprache gekommen. Die Redaktion ist nicht der Ansicht, die Beschwerdeführerin und ihre Freundin als Liebestolle Urlauberinnen« dargestellt zu haben. (1988)

Der Deutsche Presserat stellt fest, dass die Beschwerdeparteien unterschiedliche Angaben über den Inhalt ihres Gesprächs machen. Welche der beiden gegensätzlichen Aussagen den Tatsachen entspricht, kann der Presserat nicht feststellen. Im nachhinein ist deshalb nicht aufklärbar, ob die Zeitschrift eine Absprache gebrochen hat oder nicht. (B 55/88)