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Unfallopfer

Eine Lokalzeitung berichtet über einen Verkehrsunfall, bei dem ein 22jähriger ums Leben kam. Der Name des Verunglückten wird außer In der Überschrift mehrfach im Text vollständig genannt. Die Redaktion begründet die Namensnennung mit dem Bemühen um Klarheit. Die ersten Meldungen über den Unfall hätten zu dem Irrtum geführt, eine andere Person gleichen Vornamens sei ums Leben gekommen. Zwei Beschwerden unterstellen der Zeitung reißerische Absichten. Anhaltspunkte für eine Verwechslung seien tatsächlich nicht gegeben. Die Veröffentlichung überschreite das Maß des Ertragbaren. (1987)

Der Deutsche Presserat hält die wiederholte Namensnennung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über einen Verkehrsunfall für unangemessen und erkennt darin eine Verletzung der Privatsphäre der Hinterbliebenen. Vor allem die Namensnennung in der Überschrift rückt die erwähnte Person ins Licht der Öffentlichkeit. Eine Rechtfertigung dafür ist nicht ersichtlich, zumal es sich bei dem Betroffenen nicht um eine Person des Zeitgeschehens handelt. Der Presserat hält die Einlassung der Redaktion für nicht widerlegbar, dass zur Vorbeugung von Verwechslungen der volle Name genannt werden musste. Er ist jedoch der Ansicht, dass die Redaktion nicht hinreichend überprüft hat, ob tatsächlich eine solche Gefahr gegeben war. Wie sich herausstellte, besaß die zweite Person keinen Namen, bei dessen Abkürzung eine Verwechslung hätte entstehen können. Bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt hätte die Redaktion dieses vor der Veröffentlichung feststellen können. Sie wird entsprechend belehrt (Verstoß gegen Ziffer 8 Kodex). (B 59/87)