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Flüchtlinge in Deutschland

Zitat falsch wiedergegeben

Unter der Überschrift “Arbeitslosigkeit – teuer wie noch nie” berichtet eine Lokalzeitung über die finanzielle Belastung der Bundesrepublik durch Wirtschaftsflüchtlinge. In diesem Zusammenhang wird der Leiter der evangelischen Grenzschutzseelsorge dahingehend zitiert, dass die deutsche Bevölkerung in ihrem Land “weit mehr Menschen Zuflucht gewährt als der Rest der Welt”. Ein Vertreter der Deutsch-Internationalen Gesellschaft berichtet dem Deutschen Presserat, dass das Zitat falsch wiedergegeben wurde. Als Beweis legt er den Originaltext des Interviews vor, in dem es wörtlich heißt, dass “Deutschland mehr Bosnien-Flüchtlinge aufgenommen hat als der gesamte Rest der Welt”. Die Chefredaktion der Zeitung räumt ein, dass das Zitat falsch wiedergegeben wurde. Um die Angelegenheit beizulegen, habe sie jetzt eine entsprechende Klarstellung veröffentlicht. (1997)

Der Presserat sieht in der falschen Wiedergabe einer Interviewaussage einen Verstoß gegen Ziffer 2 des Pressekodex. Er verzichtet jedoch auf eine Maßnahme, da die Zeitung unter der Überschrift “Deutschland nahm die meisten Bosnier auf” eine Richtigstellung gebracht hat. Diese Veröffentlichung wertet der Presserat als hinreichende Wiedergutmachung im Sinne von § 4 Abs.5 der Beschwerdeordnung. (B 69/98)

(Siehe auch “Arbeitslosigkeit durch Ausländerzustrom” B 11/98, “Asylbewerber und Drogen” B 136/98 und “Ausländer” B 102/98)