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Karikatur

Ein Leser einer Zeitschrift stößt sich an einer Karikatur, die den Titel »Die Zeitmaschine« trägt: In einer idyllischen Landschaft landen Marsmenschen, sehen Tal; Kirche und einen Bildstock, der eine gekreuzigte Micky Mouse zeigt. Diese Abbildung habe ihn, so der Leser, in seiner Ehrfurcht für den am Kreuz gestorbenen Jesus Christus tief verletzt: Die Zeitschrift versteht ihre Karikatur' nicht als gotteslästerlich; sondern als Kritik an einer Zeit, die einen Erlöser-Ersatz in vielen beliebigen Verkörperungen und meist zu kommerziellen Zwecken erschaffen hat. (1992)

Der Presserat weist die Beschwerde als unbegründet zurück. Diese Karikatur vermittelt bewusst ein Spott- und Zerrbild der Wirklichkeit. Der Satire ist grundsätzlich wesenseigen, dass sie übertreibt, d. h. dem Gedanken, den sie ausdrücken will, einen scheinbaren Inhalt gibt, der über das wirklich Gemeinte hinausgeht. Im vorliegenden Fall steht die Darstellung in einem derart absurden Zusammenhang, dass in ihr nur ein Stilmittel erkannt werden kann, mit dessen Hilfe das Thema auf die Spitze getrieben werden soll. Der Presserat hält die Wahl des Stilmittels für zulässig. Die Satire ist hinzunehmen, selbst wenn sie verfehlt, geschmacklos oder banal ist. Über Geschmacksfragen urteilt der Presserat nicht. (B 7/93)