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Karikatur eines Ostereies

“Nacked-Ei” ist keine Diskriminierung

Eine Karikatur in einer Regionalzeitung veranlasst einen Leser des Blattes zu einem Protest beim Deutschen Presserat. Er sieht in der Darstellung eine Diskriminierung aller Frauen. Die Karikatur zeigt ein Ei, in das – stark stilisiert – eine nackte Frau gezeichnet ist. Der Zeichnung beigestellt ist eine Sprechblase, die folgenden Text enthält: “Wir sind (fast alle) auch käuflich!” Die Zeichnung gehört zu einem Beitrag in Reimform, der sich mit dem Ostereiermarkt am Ort beschäftigt. Die Chefredaktion der Zeitung erklärt, die Karikatur sei Teil einer Glosse über eine Verkaufsausstellung von Ostereiern. Der Zeichner glossiere und bedichte bereits seit 40 Jahren auf humorvolle bis satirische Weise das Stadtgeschehen. (1998)

Der Presserat sieht im vorliegenden Fall die Frauen nicht diskriminiert und weist die Beschwerde als unbegründet zurück. Mit der Bezeichnung “Nacked-Ei” und der Sprechblase “Wir sind (fast alle) auch käuflich” stellt der Zeichner einen konkreten Bezug zu der Ei-Ausstellung her und weist auf humoristische Weise darauf hin, dass die meisten der dort ausgestellten Eier auch käuflich erworben werden können. Dass er zur optischen Untermalung des von ihm kreierten Begriffs “Nacked-Ei” ein Ei zeichnete, in dem eine nackte Frau zu sehen ist, findet der Presserat zwar nicht unbedingt glücklich, er erkennt darin aber auch keine Diskriminierung im Sinne der Ziffer 12 des Pressekodex. (B 96/98)