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Fotoveröffentlichung

Bild zum Leserbrief verdeutlicht Nah-Ost-Konflikt

„Selbstgerecht und arrogant“ ist ein Leserbrief in einer Regionalzeitung überschrieben. Dabei geht es um eine sehr israelkritische Stellungnahme zu einem Interview mit dem israelischen Botschafter in der Bundesrepublik, Shimon Stein. Zu dem Leserbrief hat die Redaktion ein Foto gestellt, das zwei trauernde Frauen zeigt. Im Bildtext heißt es, die Frauen seien bei der Beerdigung eines sechsfachen israelischen Familienvaters aufgenommen worden, dem Opfer eines palästinensischen Selbstmordattentats. Ein Lehrer legt beim Deutschen Presserat Beschwerde ein. Er nennt den Leserbrief „moderat und besonnen“. Diesem sei ein „pathetisches Gegenbild“ entgegen gesetzt worden. Zudem sei das Foto gefälscht. Nicht nur er sei Zeuge gewesen, wie das Bild auf einem deutschen Sportplatz in ganz anderem Zusammenhang aufgenommen worden sei. Später zieht der Leser den Vorwurf, die Zeitung habe ein gefälschtes Foto veröffentlicht, zurück, nachdem sowohl die Zeitung als auch die angegebene Fotoagentur die Authentizität des Fotos zweifelsfrei nachgewiesen haben. Den Vorwurf, die Zeitung habe durch die Verbindung des Leserbriefes mit dem Foto der Einsendung jegliche Kraft genommen, hält der Leser jedoch aufrecht. (2002)

Der Beschwerdeausschuss vermag eine Fehlleistung der Redaktion nicht zu erkennen und kommt zu dem Ergebnis, dass eine Verletzung der Ziffer 2 des Pressekodex nicht vorliegt. Die Beschwerde wird zurückgewiesen. Nach Auffassung des Gremiums ist es der Redaktion überlassen, welche Fotos sie veröffentlicht. Der Leserbrief ist durch das Foto weder sinnentstellt noch konterkariert worden. Das Bild sollte den Konflikt illustrieren, in dem es auch in dem Leserbrief geht. (B1–55 und 56/02)