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Ein sehr peinliches Versehen

Westbank und Gazastreifen von der Landkarte verschwunden

Eine überregionale Sonntagszeitung veröffentlicht einen Reisebericht über Israel. Ein Info-Kasten zeigt eine Karte des Landes. Die Westbank und der Gazastreifen sind darauf nicht vermerkt. Ein Leser wirft dem Blatt vor, mit der Veröffentlichung die Wahrheit nach Ziffer 1 des Pressekodex zu missachten. Nicht nur, dass Westbank und Gazastreifen fehlten. Auch Ost-Jerusalem sei nicht hervorgehoben. Damit sei das palästinensische Volk im Sinn des Wortes von der Landkarte verschwunden. Die Chefredaktion räumt ein, dass die Landkarte so nicht korrekt sei. Sie entschuldigt sich. Angesichts des heiklen Themas sei dies ein sehr peinliches Versehen, das aber in der Eile der Produktion vorkommen könne. Der Chefredakteur betont, dass weder in dem kritisierten Beitrag noch in einem anderen Artikel zum Anlass des 60jährigen Bestehens Israels auch nur im Leisesten unterstellt werde, die besetzten Gebiete seien Teil Israels. (2008)

Die Zeitung hat gegen Ziffer 2 des Pressekodex verstoßen; der Presserat spricht einen Hinweis aus. Die Redaktion konnte glaubhaft versichern, dass es sich bei der Veröffentlichung der Landkarte Israels um ein redaktionelles Versehen gehandelt hat. Ausschlaggebend für die Wahl einer Maßnahme ist der Umstand, dass die Redaktion ihren Fehler nicht von sich aus korrigierte. (BK1-145/08)