Entscheidungen finden

Rätsel um Foto einer jungen Frau

Sie war nach eigenem Bekunden zeitlebens nicht in Kaiserslautern

Eine Illustrierte und eine Sonntagszeitung drucken ein Foto ab, das eine junge Frau in Fan-Kleidung des 1. FC Kaiserslautern zeigt. In den Bilderläuterungen heißt es, die offensichtlich weinende Frau sei über den Abstieg des Clubs in die Zweite Bundesliga traurig gewesen. Die so Dargestellte vertritt die Auffassung, sie sei die Frau auf dem Bild. Nur: Sie sei noch nie in ihrem Leben in Kaiserslautern, geschweige denn im Fritz-Walter-Stadion gewesen. Das Foto müsse manipuliert sein. Man habe ihr ein 1. FCK-Shirt und einen Schal des Clubs “übergezogen” und sie in einem falschen Zusammenhang dargestellt. Sie sei davon überzeugt, die dargestellte Person zu sein, weil die Frisur, die Uhr, die Mimik und Gestik sowie die kleinen Sommersprossen am Hals und auf den Armen mit den ihren identisch seien. Die junge Frau, die den Deutschen Presserat anruft, glaubt, das Foto sei an einem bestimmten Tag in einem Flughafen aufgenommen worden. Die Rechtsvertretung der Illustrierten teilt mit, dass diese das fragliche Foto von einer als zuverlässig bekannten Fotoagentur bekommen habe. Diese erklärt, dass an dem Bild keinerlei Veränderungen vorgenommen worden seien. Das gleiche gelte, so die Rechtsvertretung der Zeitschrift, auch für die Redaktion. Aus einem beigefügten Ausdruck des Fotos sei ersichtlich, dass das Bild am Tag des “Schicksalsspiels” des 1. FCK um 17:29:37 Minuten aufgenommen wurde, dem Zeitpunkt also, als das Spiel gerade zu Ende gegangen war. Anzeichen für eine Montage seien nicht vorhanden. Auch der Leiter der Bildtechnik der Illustrierten hält eine Montage für ausgeschlossen. Die Chefredaktion der Sonntagszeitung hat nach eigenem Bekunden das Foto ebenfalls von der renommierten Bildagentur bekommen. Aufgrund der Produktionsbedingungen am Samstagabend habe keine Möglichkeit bestanden, alles zu hinterfragen und zu überprüfen. Dazu habe wegen der stets zuverlässigen Zusammenarbeit mit der Bildagentur auch kein Anlass bestanden. (2006)

Weder der Illustrierten noch der Sonntagszeitung ist ein Verstoß gegen presseethische Grundsätze nachzuweisen. Der Presserat kann den Sachverhalt jedoch nicht abschließend aufklären. Die Beschwerdeführerin hat mit der auf dem fraglichen Foto abgebildeten Frau eine gewisse Ähnlichkeit. Die kritisierten Redaktionen konnten aber nachweisen, dass sie das Foto von einer zuverlässigen und renommierten Agentur bekommen haben. Der Zeit-Vermerk auf dem Fotoausdruck spricht dafür, dass das Bild bei dem besagten Fußballspiel aufgenommen wurde. Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die beiden Redaktionen das Gebot zur Sorgfaltspflicht verletzt haben. Eine abschließende Klärung der tatsächlichen Gegebenheiten ist nicht möglich. Nach Paragraf 12, Absatz 2, wird das Beschwerdeverfahren eingestellt. (BK2-176/06 und 177/06)