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Einseitige Darstellung

Falsche Schlussfolgerung aus anderen Publikationen gezogen

Ein 32-jähriger Mann wendet sich an den Deutschen Presserat, da er sich einer Auseinandersetzung mit seiner 52-jährigen Mutter auf allen nur denkbaren Ebenen hilflos ausgesetzt fühle. Da sich seine Mutter mehrfach unaufgefordert in sein Leben eingemischt habe, habe er den Kontakt zu seinen Eltern abgebrochen. Seitdem bereite ihm der Ideenreichtum seiner Mutter große Probleme. Sie übe Telefonterror aus, beleidige, drohe, spreche mit Gott und der Welt, um seinen Ruf und seine Ehre zu schädigen. Er hoffe sehr, bald eine rechtskräftige Einstweilige Verfügung in Händen zu halten. Seit dem Sommer 2003 werde von verschiedenen Zeitungen in reißerischer Weise sein privates Verhältnis zu seiner Mutter und deren Sicht der Dinge an die Öffentlichkeit gebracht. So berichte eine Zeitschrift unter der Überschrift “Mein Sohn hat mich verstoßen, weil ich eine Putzfrau bin”, dass er jeden Kontakt zu seiner Mutter abgebrochen habe. Dabei werde nach Aussagen der Mutter unterstellt, es liege daran, dass sie eine Putzfrau sei. Insbesondere wendet sich der Beschwerdeführer dagegen, dass dabei ein Foto von ihm abgebildet werde, das ihn im Alter von 16 Jahren zeige. Durch die Angabe von Details werde er zudem in der Öffentlichkeit erkennbar. Die Chefredaktion der Zeitschrift sieht in ihrem Beitrag keinen Verstoß gegen die Publizistischen Grundsätze. Der Veröffentlichung sei ein ausführlicher Artikel in einer Boulevardzeitung vorausgegangen, in dem die ungewöhnliche Familienfehde dezidiert und aus der Sicht des Beschwerdeführers geschildert worden sei. Die Redaktion der Zeitschrift habe daraufhin ihrerseits Kontakt zu der Mutter aufgenommen und sich von dieser den Vorgang bestätigen lassen. Vergeblich habe sie versucht, auch eine Stellungnahme des Sohnes selbst einzuholen. Der Vorgang sei dann von der Redaktion objektiv und sachlich geschildert worden. Zwar berühre der mitgeteilte Vorgang die Privatsphäre auch des Beschwerdeführers, die Redaktion habe jedoch im Hinblick auf die Vorberichterstattung davon ausgehen müssen, dass der Betroffene selbst gegenüber dem Boulevardblatt dazu Stellung genommen habe. Unabhängig davon habe man alles getan, um die Anonymität des Beschwerdeführers zu wahren. Die Redaktion habe den Namen nicht erwähnt. Einzige Information seien sein Alter und sein Beruf gewesen. Auf der von der Mutter zur Verfügung gestellten Aufnahme werde der Beschwerdeführer zwar gezeigt, allerdings im Alter von 16 Jahren und durch einen Augenbalken effektiv unkenntlich gemacht. Wer den Betroffenen kürzlich kennen gelernt habe oder künftig kennen lernen werde, könne ihn anhand dieser Aufnahme nicht identifizieren. Langjährige Freunde oder Familienmitglieder würden ohnehin von der Auseinandersetzung mit der Mutter wissen. Ein Verstoß gegen Ziffer 8 liege nicht vor, da Foto und Informationen bereits öffentlich bekannt gewesen seien, bevor der Beitrag in der Zeitschrift erschienen sei. (2003)

Die Beschwerdekammer 2 des Presserats hält die Beschwerde für berechtigt. Sie erteilt der Zeitung eine nicht-öffentliche Rüge, weil die Folge von Veröffentlichungen eindeutig gegen die Ziffern 2 und 8 verstößt. In den Beiträgen tritt die Mutter des Beschwerdeführers mit massiven persönlichen Vorwürfen gegen ihren Sohn an die Öffentlichkeit. Sie behauptet u.a., er habe den Kontakt zu ihr abgebrochen, weil sie Putzfrau sei. Die Kammer sieht darin eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Beschwerdeführers. Dieser wurde mindestens für einen Teil der Öffentlichkeit erkennbar dargestellt, obwohl der Namen geändert und die Dienststelle des Betroffenen nicht korrekt angegeben worden ist. Dennoch wird der Mann über seine Mutter und ein Foto identifizierbar. Das von der Mutter dem Fotografen entgegengehaltene Foto zeigt den Sohn trotz des Augenbalkens sehr deutlich, wenn auch noch im jugendlichen Alter. Diese erkennbare Darstellung des Beschwerdeführers sieht die Beschwerdekammer als eine erhebliche Verletzung seiner Privatsphäre an. Zudem handelt es sich bei den Vorfällen, die von der Mutter in die Öffentlichkeit getragen werden, um sehr persönliche und familieninterne Ereignisse, deren Veröffentlichung nicht durch ein öffentliches Informationsinteresse gerechtfertigt ist. Die Veröffentlichungen erfolgten ohne eine Einwilligung des Sohnes. Die automatische Schlussfolgerung, dass der Beschwerdeführer eingewilligt hätte, durfte die Zeitschrift auch nicht aus anderen Publikationen ziehen. Zum einen liegt die Verantwortung für ihre Berichterstattung in der Redaktion, zum anderen waren vorherige Veröffentlichungen gegen den Willen des Beschwerdeführers erfolgt. In der äußerst einseitigen Darstellung zu Gunsten der Mutter sieht die Kammer einen Verstoß gegen Ziffer 2 des Pressekodex. Die schwerwiegenden persönlichen Vorwürfe der Mutter gegen ihren Sohn sind gewissermaßen als Tatsachen dargestellt worden, obwohl sie nur auf der subjektiven Schilderung der Mutter beruhen. In dieser Form der Darstellung sieht das Gremium eine verfälschte Wiedergabe der objektiven Geschehnisse. (BK2-19/04)