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Frau tötet drei Kinder und sich selbst

Beste Freundin kann nicht über Persönlichkeitsrechte verfügen

Ein Familiendrama ist Thema eines Beitrages in der Online-Ausgabe einer Boulevardzeitung. Eine Frau hatte sich und ihre drei Kinder in ihrem Auto eingeschlossen und den Wagen angezündet. Zum Beitrag gehört eine Fotostrecke mit elf Bildern, auf denen neben Fotos vom Tatort auch Abbildungen der vier Verstorbenen zu sehen sind. Eine Nutzerin der Online-Ausgabe sieht in dem Beitrag einen Verstoß gegen den Pressekodex. Die Bilder der Mutter und ihrer Kinder seien von der Redaktion veröffentlicht worden, ohne sie unkenntlich zu machen. Dadurch würden sie ein zweites Mal zu Opfern. Die Rechtsabteilung des Verlages weist den Vorwurf eines Verstoßes gegen den Pressekodex zurück. Die Redaktion habe die Fotos von der besten Freundin der toten Mutter zur Verfügung gestellt bekommen. Die Freundin habe der Redaktion die Fotos bewusst zum Zwecke der Veröffentlichung übergeben, weil sie verhindern wollte, dass die Toten in Vergessenheit geraten. Es könne somit nicht die Rede davon sein, dass die Toten ein zweites Mal zu Opfern werden. (2009)

Die Redaktion hat gegen Ziffer 8, Richtlinie 8.5, des Pressekodex (Persönlichkeitsrechte bzw. Selbsttötung) verstoßen. Der Presserat spricht eine nicht-öffentliche Rüge aus, weil er das Gebot der zurückhaltenden Berichterstattung bei Selbsttötungen verletzt sieht. Die Bildveröffentlichung in Verbindung mit der detaillierten Schilderung der Einzelheiten des offensichtlich vorliegenden Suizids ist mit Richtlinie 8.5 nicht vereinbar. Gerade bei der Nennung von Namen und der Schilderung näherer Begleitumstände ist Zurückhaltung geboten. Zur Anmerkung der Zeitung, die Fotos seien ihr von der besten Freundin der Toten zur Veröffentlichung überlassen worden, kommen die Ausschussmitglieder zu dem Ergebnis, dass auch eine beste Freundin nicht über Persönlichkeitsrechte anderer verfügen kann. Für die Redaktion hätte bei der Entscheidung über die Veröffentlichung die zurückhaltende Berichterstattung nach Richtlinie 8.5 maßgeblich sein müssen. (BK2-316/09)