Medien und Suizidprävention

Können Medienberichterstattungen dazu beitragen, Suizide zu vermeiden? Welche Formen von Berichterstattung können den „Werther-Effekt“ verursachen? Über diese Fragen hat die Geschäftsführung des Presserats mit Vertretern des Nationalen Suizid Präventionsprogramms in Berlin diskutiert. Anlass war aus Sicht der Präventions-Vertreter eine steigende Anzahl an problematischen Berichterstattungen, vor allem im Online-Bereich. Konsens ist, dass Medien eine große Verantwortung bei der Berichterstattung über Suizide zukommt. Der Einfluss der Medienberichte auf Suizide ist wissenschaftlich nachgewiesen. Deshalb hat der Presserat schon vor Jahren eine spezielle Richtlinie in den Pressekodex aufgenommen, die explizit eine zurückhaltende Berichterstattung über Selbsttötungen fordert. Dies gilt insbesondere für die Nennung von  Namen, Fotos und die Schilderung näherer Begleitumstände. Beschwerdefälle, in denen Redaktionen Suizide romantisierend darstellen, zu viele Details nennen oder den Ablauf eines Suizides konkret beschreiben,

werden von den Beschwerdeausschüssen sanktioniert. Aktuelles Beispiel hierfür ist die Berichterstattung über den Suizid einer Sportlerin, die der Presserat in seiner Sitzung am 3. Juni mit einer Rüge sanktionierte. Weiteres Beispiel ist die zu ausführliche Berichterstattung über drei Jugendliche in Niedersachsen, die sich gemeinschaftlich das Leben genommen hatten. Hier sprach der Beschwerdeausschuss des Presserats einen Hinweis aus. Mit einer Missbilligung sanktioniert wurde die zu detaillierte Berichterstattung einer Suizidserie, die in einer Regionalzeitung erschien.
Vor allem die Verbreitung von konkreten Suizidmethoden und die Nennung von genauen Orten können den Entschluss zum Suizid beeinflussen, bilanzierten die Vertreter der Nationalen Suizid Präventionsprogramms, die ihrerseits dezidierte Empfehlungen für Journalisten herausgegeben haben.
Das Nationale Suizid Präventions Programm ist eine bundesweite Initiative, in der sich 90 Institutionen, Organisationen und Verbände zusammengeschlossen haben. Es beteiligen sich unter anderem Bundes- und Länderministerien, Kirchen sowie diverse Dach- und Fachgesellschaften aus dem Gesundheitswesen und der Wissenschaft.

Aktuelles

15. August 2014

Rügenstatistik im Fokus

Zehn Rügen hat der Deutsche Presserat im laufenden Jahr 2014 ausgesprochen, im vergangenen Jahr lautete die Bilanz am Jahresende: 31 Rügen. Das...

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13. August 2014

MH 17: Opferfotos zulässig?

Die Berichterstattungen über den Flugzeugabsturz MH17 über der Ost-Ukraine beschäftigen den Presserat intensiv. Insgesamt 38 Beschwerden gegen...

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13. August 2014

215 Beschwerden zu Islam-Kommentar

Über den vielfach in der Öffentlichkeit diskutierten Kommentar „Islam als Integrationshindernis“ sind beim Deutschen Presserat 215 Beschwerden...

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21. Mai 2014

Überfall endet tödlich

Eine Tageszeitung zeigt einen Überfall auf einen Motorradfahrer in Brasilien. Für den Verbrecher endet die Aktion tödlich. Ein Zivilbeamter erschiesst...

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"Recherche muss belastbar sein"

„Skandalisierung und Hochfrequenz-journalismus – Schaden für die Demokratie?“ hieß eine Diskussionrunde am 13. Mai in Berlin, ausgerichtet vom Pressesprecher-Bundesverband. Für den Presserat saß Sprecher Tilmann Kruse auf dem Podium – mit dem Wissenschaftler Matthias Kepplinger, den Journalisten Merle Schmalenbach und Georg Mascolo sowie Bahn-Sprecher Oliver Schumacher. Sie diskutierten über Mechanismen der Skandalisierung, die möglicherweise bei Promi-Berichterstattungen über Wulff und Tebartz-van Elst gegriffen haben. Unter dem Aspekt der immer schnelleren Online-Berichterstattungen wies Kruse auf die Sorgfalt hin: „Recherche muss belastbar sein.“ Aus Sicht des Presserats gibt es sicherlich Ausreißer bei den genannten Promi-Fällen, eine Zunahme von Beschwerden sei aber nicht zu erkennen. Weitere Infos

Pressekodex

Pressekodex

Der Pressekodex ist das ethische Regelwerk für die journalistische Arbeit. Es enthält klare Spielregeln hinsichtlich einer verantwortungsvollen Berichterstattung und hinsichtlich des journalistischen Verhaltens. Hierzu gehören vor allem die Achtung vor der Wahrheit, die Sorgfaltspflicht bei der Recherche und die Wahrung der Persönlichkeitsrechte. mehr lesen

Beschwerdeformular

Falsche Tatsachen oder saubere Recherche? Jede Person kann sich beim Presserat über journalistische Beiträge in Zeitungen, Zeitschriften und deren Online-Auftritten beschweren und diese presseethisch prüfen lassen. weiter zum Beschwerdeformular

Datenbank

Rüge, Missbilligung oder Hinweis, wie hat der Presserat entschieden? Hier können Sie online in der Spruchpraxis des Presserats Beschwerdefälle von 1985 bis heute recherchieren.
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Kontakt Presse

Edda Eick, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

eick(at)presserat(dot)de
Tel: 030/367007-13

Jahresbericht des Presserats 2013

Wie stellt sich der Deutsche Presserat den Herausforderungen des digitalen Zeitalters? Wie weit wird er künftig seinen Zuständigkeitsbereich ausdehnen können und wollen? Wo sollen die ethischen Grundsätze der journalistischen Selbstkontrolle durchgesetzt und überwacht werden? Die Sprecherin des Presserats Ursula Ernst und Geschäftsführer Lutz Tillmanns ziehen eine Bilanz des vergangenen Jahres Gremienarbeit und blicken auf die Zukunft der Selbstkontrolle. mehr lesen