Diskriminierungsschutz im Kodex bleibt bestehen

Der Diskriminierungsschutz im Pressekodex bleibt bestehen. Das beschlossen die Mitglieder des Plenums im Anschluss an eine Expertenrunde am 09.03.2016 in Berlin. Die Mitglieder des Plenums machten deutlich, dass sich Journalisten bei der Berichterstattung über die Herkunft von Straftätern stets in einer anspruchsvollen Entscheidungssituation befinden.

„Sie müssen im Einzelfall verantwortlich entscheiden, ob Informationen über die Herkunft von Straftätern von Gewicht sind, um den berichteten Vorgang verstehen oder einordnen zu können. Dabei folgen sie ihrer grundlegenden, professionellen Aufgabe, aus einer Flut von Informationen stets eine Auswahl nach Bedeutung zu treffen. Immer, wenn die Veröffentlichung einer Information die Gefahr diskriminierender Effekte enthält, ist besonders hohe Sensibilität gefordert. Den Vorwurf des Verschweigens und der Zensur weist der Presserat ausdrücklich zurück. Wenn Redaktionen Informationen nicht veröffentlichen, weil ihre Bedeutung für das Verständnis gering, die Diskriminierungsgefahr aber hoch ist, handeln sie nicht unlauter, sondern verantwortungsbewusst“, sagte Manfred Protze, Sprecher des Presserats (Foto). „Der Presserat ist nicht der Vormund von Journalisten und Medien, er gibt mit seinem Kodex lediglich Handlungsorientierungen. Die Eigenständigkeit der Entscheidung von Redaktionen wird damit nicht tangiert.

Es gibt kein Verbot, die Herkunft von Straftätern oder Tatverdächtigen zu nennen. Es gibt lediglich das Gebot, diese Herkunftsinformation zu unterlassen, wenn die Diskriminierungsgefahr höher zu veranschlagen ist als die Information zum Verständnis des berichteten Vorgangs beiträgt“, sagte Protze. Ziel des Diskriminierungsschutzes ist es, jeweils die Gruppe, der ein Straftäter angehört, nicht durch das Fehlverhalten einzelner Angehöriger im Ansehen herabzusetzen.
Dem Presserat ist berichtet worden, dass es in einzelnen Redaktionen Unsicherheiten bei der Anwendung des Kodex in diesem Punkt gibt. Hier bietet der Presserat jede geeignete Hilfestellung an.

Aktuelle Stellungnahme

Der Deutsche Presserat hat gemeinsam mit einem Medienbündnis zum Gesetzentwurf Stellung genommen, das die Erweiterung der Medienöffen-tlichkeit in Gerichtsverfahren betrifft. Die beabsichtigten Schritte sind aus Sicht des Presserats unzureichend. Angesichts des technischen Wandels und des damit verbundenen Bedeutungszuwachses von audiovisuellen Medien erscheint eine Öffnung der Rechtsprechung für die Presseberichterstattung mit Blick auf die Pressefreiheit unbedingt geboten. Mehr lesen

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Seit 60 Jahren ein Garant für guten Journalismus

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Statistiken

Die Bilanz der Beschwerdearbeit für 2016 steht fest: 1.851 Leser wandten sich im Jahr 2016 an die Freiwillige Selbstkontrolle. Nach dem Rekordjahr 2015 mit 2.358 Beschwerden ging die Zahl der Beschwerden leicht zurück. Doch hinter der Rekordzahl aus dem Vorjahr verbergen sich, vor allem bedingt durch den Germanwings-Absturz, 567 Sammelbeschwerden über Berichterstattungen. In 2016 gingen nur 199 Sammelbeschwerden ein. Mehr lesen

Beschwerdearbeit - Termine im März

Die nächsten Sitzungen der Beschwerdeausschüsse 1 + 2 des Presserats finden statt am 21. und 23. März 2017 Das Plenum tagt am 22. März 2017.

Datenbank

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