Pressemitteilung

13. Dezember 2018

Redaktionell gestaltete Werbung deutlich kennzeichnen

Der Deutsche Presserat erinnert die Redaktionen daran, redaktionell gestaltete Werbung deutlich zu kennzeichnen und somit für den Leser erkennbar vom redaktionellen Teil abzugrenzen. Bezeichnungen wie „Advertorial“, „Sponsored Post“ oder „Verlags-Sonderveröffentlichung“ reichen nicht aus und stellen...mehr lesen

kein presseethisch anerkanntes Synonym für Werbung dar.  


Auch Begriffe wie „Partnerinhalt“ oder „Sponsored by“ lassen den durchschnittlichen Leser über den werblichen Charakter von Veröffentlichungen häufig im Unklaren. Immer wieder erreichen den Presserat Beschwerden über die unzureichende Kennzeichnung von redaktionell gestalteten werblichen Inhalten.  

Der Presserat empfiehlt klare Bezeichnungen, die eine Verwechslung zwischen Anzeigen und Redaktion verhindern – beispielsweise „Anzeige“ oder „Werbung“. Um Leser und User wirksam vor Irreführung zu schützen, sollten die Begriffe deutlich lesbar oberhalb des Beitrags platziert oder dauerhaft in Videos eingeblendet werden.  

Die Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen ist im Pressekodex unter Ziffer 7 geregelt. In Richtlinie 7.1. heißt es: „Bezahlte Veröffentlichungen müssen so gestaltet sein, dass sie als Werbung für den Leser erkennbar sind“.    

Zum Pressekodex: www.presserat.de/pressekodex/pressekodex/  

Richtlinie 7.1 – Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen   Bezahlte Veröffentlichungen müssen so gestaltet sein, dass sie als Werbung für den Leser erkennbar sind. Die Abgrenzung vom redaktionellen Teil kann durch Kennzeichnung und/oder Gestaltung erfolgen. Im Übrigen gelten die werberechtlichen Regelungen.

07. Dezember 2018

Rügen für Verstöße gegen Opferschutz und Schleichwerbung

Rüge für Bilder-Galerie der Opfer von Genua

BILD.DE wurde gerügt für die Veröffentlichung einer Bildergalerie von Opfern des Brückeneinsturzes von Genua. Die Redaktion hatte im August unter der Überschrift „Sie fuhren in die Ferien und stürzten in den Tod“ über einige Opfer berichtet und deren...mehr lesen

Fotos aus sozialen Medien veröffentlicht. Der Beschwerdeausschuss sieht darin einen Verstoß gegen den in Richtlinie 8.2. festgelegten Opferschutz. Demnach ist die Identität von Opfern besonders zu schützen und außerdem für das Verständnis des Geschehens in der Regel unerheblich. Nur wenn Angehörige ihr Einverständnis gegeben haben bzw. das Opfer eine Person des öffentlichen Lebens ist, dürfen Name und Foto veröffentlicht werden.      

Interview über Hautpflege ist Schleichwerbung

Wegen der Verletzung des Grundsatzes der klaren Trennung von Redaktion und Werbung gemäß Ziffer 7 wurde FORUM – DAS WOCHENMAGAZIN gerügt. Es hatte in der Print- und Onlineausgabe unter der Überschrift „‚Doppelt so ergiebig wie klassische Emulsionen‘“ ein Interview mit Vertretern eines Unternehmens für Hautpflegeprodukte veröffentlicht. Der Beitrag ließ jegliche journalistische Distanz zum Unternehmen und seinen Produkten vermissen. Die Interviewfragen dienten den Befragten vielmehr zur werblichen Anpreisung ihrer Produkte. Die Berichterstattung ist damit nicht mehr von einem öffentlichen Interesse gedeckt und überschreitet deutlich die Grenze zur Schleichwerbung gemäß Richtlinie 7.2 des Pressekodex.    

Bericht über angeblich gemobbten Firmenchef verletzt Sorgfaltspflicht

Die DEUTSCHE JAGD-ZEITUNG wurde für einen Bericht unter der Überschrift „‚Alles aus!‘“ aufgrund eines Verstoßes gegen die Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Pressekodex gerügt. In dem Artikel erhebt der ehemalige Chef einer namentlich genannten Munitionsfirma Vorwürfe gegen den jetzigen Firmenbesitzer. U.a. wird der Ex-Firmenchef damit zitiert, er sei aus der Firma gedrängt worden, beispielsweise durch Anzeigen bei der Polizei und Leuchtattacken auf sein Wohnhaus. Die Redaktion hatte dem Beschuldigten keine Gelegenheit gegeben, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Darin sah der Ausschuss einen erheblichen Mangel an journalistischer Sorgfalt, insbesondere auch, da sich die Vorwürfe gegen den neuen Firmenchef geschäftsschädigend auswirken können.    

Presse darf Civey-Umfragen nutzen

Für presseethisch unbedenklich hält der Presserat die Verwendung von Online-Umfragen des Startups Civey. Er erklärte am Dienstag eine Beschwerde von drei führenden Meinungsforschungsinstituten gegen FOCUS ONLINE für unbegründet.  Das Gremium entschied einstimmig, dass die Redaktion ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht gemäß Ziffer 2 des Pressekodex nachgekommen ist.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie unter diesem Link: https://www.presserat.de/fileadmin/user_upload/PM/Pressemitteilung_DPR_Umfragen_04_12_2018.pdf

Statistik der Sitzungen vom 4.-6. Dezember:

Die Ergebnisse: 3 öffentliche Rügen, 18 Missbilligungen und 28 Hinweise. Der Presserat bewertete 9 Beschwerden als begründet, verzichtete jedoch auf eine Maßnahme. 73 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet.

05. Dezember 2018

Presse darf Civey-Umfragen nutzen

Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats hält die Verwendung einer Online-Umfrage des Meinungsforschungs-Startups Civey für presseethisch unbedenklich. Er erklärte am Dienstag eine Beschwerde von drei führenden Meinungsforschungsinstituten gegen FOCUS ONLINE für unbegründet. Das Gremium...mehr lesen

entschied einstimmig, dass die Redaktion ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht gemäß Ziffer 2 des Pressekodex nachgekommen ist.

FOCUS ONLINE hatte im Frühjahr über eine Civey-Umfrage zum Verbleib der Fußballer Mesut Özil und Ilkay Gündogan in der Nationalmannschaft berichtet. Die Redaktion hatte darauf verwiesen, dass diese Umfrage repräsentativ sei. Die Repräsentativität zweifelten die Beschwerde führenden Meinungsforschungsinstitute an und sahen einen Verstoß gegen den Pressekodex. Neben der Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 verwiesen die Beschwerdeführer auch auf Richtlinie 2.1 des Pressekodex, in der es unter anderem heißt: „Zugleich muss mitgeteilt werden, ob die Ergebnisse repräsentativ sind.“

Der Beschwerdeausschuss sah dagegen keinen Verstoß der Redaktion gegen die Sorgfaltspflicht. Aus Sicht des Presserats gab es für die Redaktion keinen Anlass, an der Seriosität ihres Kooperationspartners Civey zu zweifeln. So lagen beispielsweise weder Wettbewerbsklagen noch Maßnahmen der Selbstkontrolle der Markt- und Sozialforschung vor. Vor diesem Hintergrund durfte die Redaktion der Aussagekraft der Ergebnisse vertrauen. Eine eigene wissenschaftliche Prüfung der Umfragemethodik von Civey ist der Redaktion hier nicht abzuverlangen.

Die Meinungsforschungsinstitute hatten ihre Beschwerde mit einer Entscheidung des Presserats vom März 2018 begründet, wonach Redaktionen kenntlich machen müssen, wenn Umfragen auf ihren Internetauftritten nicht repräsentativ sind. Die beiden Fälle sind aus Sicht des Presserats aber nicht vergleichbar.

Grundlage der damaligen Beschwerde war eine von einer Redaktion auf der eigenen Homepage selbst veranstaltete, leicht manipulierbare Umfrage. Da die Redaktion in diesem Fall Kenntnis von der fehlenden Repräsentativität der Umfrage haben musste, war sie verpflichtet, dies ihren Lesern entsprechend mitzuteilen.

21. September 2018

Presserat erteilt fünf Rügen

Rüge für Wohnzimmer-Foto eines Vergewaltigungsopfers

BILD.de wurde gerügt für die Veröffentlichung eines Beitrages unter der Überschrift „Vergewaltigung im Beisein von zwei Kindern?“, der über die Festnahme eines Mannes in Dortmund informiert. Ihm wird vorgeworfen, eine Bekannte vor den Augen...mehr lesen

zweier Kinder vergewaltigt zu haben. Beigestellt war dem Artikel ein Foto, das das Wohnzimmer des Opfers zeigt, in dem die Tat geschehen sein soll. In der Veröffentlichung dieses Bildes sieht der Presserat eine Verletzung des Persönlichkeitsschutzes nach Ziffer 8, Richtlinie 8.8 Pressekodex, nach der der private Wohnsitz besonderen Schutz genießt.  

Rüge wegen Schleichwerbung für Online-Handel

Wegen einer Verletzung des Grundsatzes der klaren Trennung von Redaktion und Werbung gerügt wurde CHIP Online für einen Beitrag über das Tagesangebot eines Online-Versandhauses. Das Produkt wurde in werblicher Sprache beschrieben, und die von der Redaktion platzierten sogenannten Affiliate-Links lösten beim Kauf eine Provisionszahlung an den Verlag aus. Der Presserat sah hier die Grenze zwischen einer Berichterstattung von öffentlichem Interesse und Schleichwerbung nach Ziffer 7, Richtlinie 7.2 überschritten, da der Beitrag werbliche Aussagen enthält und keine Vergleichsangebote anderer Anbieter zur Einordnung des Produktpreises genannt wurden.  

Rüge wegen Schleichwerbung für homöopathisches Mittel

LISA Online wurde für eine Berichterstattung unter der Überschrift „Entschlüsselt: Warum Homöopathie so gut hilft“ wegen des Vorliegens von Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 des Pressekodex gerügt. Der Artikel beschreibt homöopathische Mittel ausschließlich positiv und ohne den Stand der Wissenschaft bezüglich ihrer Wirksamkeit zu erwähnen. Dabei wurden insbesondere zwei Präparate eines Herstellers positiv hervorgehoben, ohne dass dies durch ein begründetes öffentliches Interesse gedeckt gewesen wäre. Der Ausschuss sah darin einen schweren Verstoß gegen das Gebot der Trennung von Werbung und Redaktion aus Ziffer 7 des Pressekodex.  

Rüge für Erkennbarkeit eines Unfallopfers

Die Onlineausgabe der SIEGENER ZEITUNG erhielt eine öffentliche Rüge für die Berichterstattung über eine mutmaßliche Straftat auf einer Straße in der Innenstadt. In dem hierzu veröffentlichten Video war eine dramatische Szene zu sehen: Der Autofahrer beschleunigte sein Fahrzeug auf einen Fußgänger zu und schleifte den Mann gut 20 Meter über den Asphalt. Das Opfer, das anschließend benommen auf der Bordsteinkante hockte, war erkennbar. Anders als das Standbild innerhalb des Textbeitrages war das Gesicht des Angefahrenen im Video nicht verpixelt. Der Beschwerdeausschuss für den Redaktionsdatenschutz sah hier das Recht auf informationelle Selbstbestimmung des Opfers verletzt (Ziffer 8 Pressekodex).  

Rüge für Foto aus Jugendtagen

Eine weitere öffentliche Rüge sprach der Ausschuss Redaktionsdatenschutz gegen die NORDWEST-ZEITUNG aus. Sie hatte 2007 über eine Sozialaktion von Konfirmanden berichtet und dabei u. a. den seinerzeit minderjährigen Beschwerdeführer abgelichtet. Dieser stellte dann erst kürzlich fest, dass das Onlineangebot der Zeitung den alten Artikel mit ihm als Kind weiterhin zum Abruf bereitstellt. Während der Beschwerdeführer dies für einen Verstoß gegen sein Datenschutzrecht hielt und eine Anonymisierung seiner personenbezogenen Daten anstrebte, vertrat der Verlag den Standpunkt, dass es sich bei dem Foto um ein Dokument der lokalen Zeitgeschichte handele. Der Presserat stellte bei seiner Bewertung auf das Foto aus dem Jahr 2007 ab und vermisste bei der Veröffentlichung desselben eine Einwilligung der Eltern. Da die Zeitung dem aktuellen Anonymisierungswunsch des jungen Mannes nicht nachkam, erkannte der Ausschuss in dem Vorgang insgesamt eine Verletzung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung des Betroffenen und sah darin einen schwerwiegenden Verstoß gegen den Pressekodex (Ziffer 8).  

Missbilligung für öffentliche Facebook-Recherche zu Polizeieinsatz an Schule

Missbilligt wurde auch die öffentliche Recherche einer Tageszeitung via Facebook. Die Redaktion hatte die User dazu aufgerufen, ihr im Hinblick auf einen durch einen Schüler an einer Schule ausgelösten Polizeieinsatz über die Kommentarfunktion Informationen zu dem Vorfall zu liefern. Der Presserat kritisierte hier insbesondere die öffentliche Antwortmöglichkeit, durch die die Gefahr bestand, dass redaktionell ungeprüfte Informationen verbreitet werden.  

Beschwerden zum Bericht über Krebserkrankung von Asma al-Assad unbegründet

Für unbegründet erachtete der Presserat zahlreiche Beschwerden zu einem Kommentar über die Krebserkrankung der Ehefrau des syrischen Diktators Baschar al-Assad. Eine Zeitung fragte in ihrer Überschrift: „Darf man sich freuen, dass Syriens mörderische Mutter Krebs hat?“. 26 Leser sahen in dem Artikel die Menschenwürde von Asma al-Assad bzw. die Gefühle von Krebskranken verletzt. Der Presserat dagegen beurteilte den Text als presseethisch in Ordnung: Die Redaktion hatte schadenfrohe Kommentare auf Twitter über die Erkrankung von Asma al-Assad zum Anlass genommen, um über die Legitimität von Schadenfreude nachzudenken. Sie beantwortete die Frage aus christlicher Sicht klar mit Nein und distanzierte sich damit von den schadenfrohen Twitter-Kommentaren.     Statistik Die Ergebnisse: 5 öffentliche Rügen, 15 Missbilligungen und 34 Hinweise. Der Presserat bewertete 6 Beschwerden als begründet, verzichtete jedoch auf eine Maßnahme. 59 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet.

20. September 2018

Erklärung zum Verhältnis Presse und Polizei

Presserat beschließt Erklärung zum Verhältnis Presse und Polizei
 
Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse in Dresden und Chemnitz hat das Plenum des Deutschen Presserats am 19.09.2018 einstimmig folgende Erklärung zum Verhältnis zwischen Presse und Polizei beschlossen:

Erklärung zum Verhältnis...mehr lesen

Presse und Polizei
 
Der Deutsche Presserat nimmt die jüngsten Fälle von Behinderungen journalistischer Arbeit bei der Berichterstattung über Demonstrationen zum Anlass, Politik und Sicherheitsbehörden an ihre besondere Verantwortung für die Gewährleistung der Pressefreiheit zu erinnern. Die deutsche Verfassung weist Presse und Rundfunk einen hohen Rang zu, weil die Staatsform der repräsentativen Demokratie ohne unabhängige, an ethische Grundwerte gebundene Beobachtung durch Medien nicht lebensfähig ist. 
 
Daraus ergibt sich ein Anspruch der journalistischen Medien auf Schutz bei der Ausübung ihrer Arbeit durch die Sicherheitsbehörden.  Ein solcher Schutz ist praktizierter Verfassungsschutz.  Das Recht auf ungehinderte Beobachtung ist kein Anspruch, den journalistischen Medien gegen den Staat durchsetzen müssen. Es ist vielmehr ein verfassungsmäßiger Anspruch, dessen Umsetzung auch zu den Aufgaben des Staates gehört.
 
Der Deutsche Presserat fordert die für Polizei in Bund und Ländern Verantwortlichen auf, ein modernes Verfassungsverständnis auch in der praktischen Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verankern. Der Presserat bietet den Verantwortlichen dafür seine Unterstützung an. Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf die 1993 mit den Innenministern vereinbarten „Verhaltensgrundsätzen Presse/Rundfunk und Polizei“.

20. September 2018

Presserat und IMK-Vorsitzender sehen Anspruch von Journalisten auf Schutz durch Polizei

Der Deutsche Presserat und der Vorsitzende der Innenministerkonferenz Holger Stahlknecht sind sich einig, dass Journalisten bei der Ausübung ihres Berufs grundsätzlich einen Anspruch auf Schutz durch die Polizei haben. Auf einer Plenumssitzung des Presserats am 19.09.2018 sagte Stahlknecht: „Die...mehr lesen

Pressefreiheit gilt immer und überall. Die Polizei sollte Journalisten, wenn es die Lage erforderlich macht, bei Ausübung ihres Berufs schützen, denn ihre Arbeit ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Demokratie.“

Der Presserat unterstrich bei dem Gespräch die Forderung an die Politik, die Ausübung journalistischer Arbeit als verfassungsmäßige Aufgabe auch praktisch zu gewährleisten. „Es ist unerträglich, dass immer mehr Journalisten ihr verbrieftes Recht auf Pressefreiheit nur unter Hinzuziehung privater Personenschützer ausüben können“, so der Sprecher des Presserats Volker Stennei.

Der Minister sicherte dem Presserat zu, er werde als Vorsitzender der Innenministerkonferenz die in den 90er Jahren vereinbarten Verhaltensgrundsätze für Medien und Polizei bundesweit wieder stärker in das Bewusstsein der Beamten rücken. Zudem bot der sachsen-anhaltische Innenminister an, die Umsetzung der Verhaltensgrundsätze auf einer gemeinsamen Veranstaltung von Medienvertretern und Polizei in seinem Bundesland zu erörtern. „Es ist wichtig, dass wir zu diesem Thema im Dialog bleiben“, betonte Stahlknecht.

Einig waren sich beide Seiten, dass die Rolle der Polizei als Kommunikator in den sogenannten sozialen Medien zu schwerwiegenden Problemen führen kann. Der Presserat kritisiert insbesondere, dass die Polizei in ihren online verbreiteten Mitteilungen oft die Nationalität von Straftätern nennt. Die Presse hingegen hat sich verpflichtet, die Herkunft dieser Personen nur bei einem begründeten öffentlichen Interesse zu erwähnen, um diskriminierende Wirkungen zu vermeiden. „Die Praxis der Polizei, die Herkunft regelmäßig zu nennen, kann solchen diskriminierenden Verallgemeinerungen dagegen Vorschub leisten“, so Presseratssprecher Stennei.

Auch der Innenminister äußerte Bedenken: „Es ist nicht Aufgabe der Polizei, bei Straftaten regelmäßig die Herkunft oder Nationalität von Tätern und Verdächtigen zu nennen“, so Stahlknecht. „Bei der Klärung dieser Frage ist ein gemeinsamer Weg nötig. Ich werde in der Innenministerkonferenz einen Austausch darüber anregen, in welchem Format sich Polizei und Journalisten über dieses Thema austauschen können.“

Stahlknecht, Innenminister von Sachsen-Anhalt und derzeitiger Vorsitzender der Innenministerkonferenz, war einer Einladung des Presserats zur Plenumssitzung gefolgt.

14. August 2018

30 Jahre Gladbeck: Journalisten dürfen sich nicht instrumentalisieren lassen

Anlässlich des 30. Jahrestags der Geiselnahme von Gladbeck erinnert der Deutsche Presserat daran, dass Journalisten sich nicht zum Instrument von Kriminellen machen dürfen. „An der Information über Straftaten besteht ein berechtigtes öffentliches Interesse. Es ist Aufgabe der Presse, darüber zu...mehr lesen

recherchieren und vom Ort des Geschehens unabhängig zu berichten“, so Volker Stennei, Sprecher des Deutschen Presserats. „Jedoch gibt es ethische Grenzen: Journalisten müssen stets ihre Beobachterrolle einhalten. Sie dürfen nicht eigenmächtig in das Geschehen eingreifen.“

 

Journalistische Verantwortung für Online-Videos von Straftaten  

„Bei der Berichterstattung über die Geiselnahme von Gladbeck vom 16. bis 18. August 1988 boten Journalisten mit Liveberichten und -interviews den Tätern eine bis dahin beispiellose öffentliche Bühne. Das war ein Synonym für Fehlentwicklungen in den Medien und gleichzeitig eine Zäsur für das Verhalten von Journalisten“, so Stennei.  

„Heute könnte jeder Bürger mit seinem Smartphone die Geiselnahme filmen und ins Netz stellen. Umso wichtiger ist es deshalb, dass journalistische Medien verantwortungsvoll mit Videos von Straftaten und Unglücken umgehen. Auch für die Verwendung von Amateurvideos in den Online-Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften gelten ohne Einschränkung die ethischen Grundsätze des Pressekodex“, betont Stennei. Dazu gehören u.a. der Verzicht auf unangemessen sensationelle Darstellungen sowie die Einhaltung des Opfer- und Jugendschutzes. In keinem Fall tritt die Presse in einen Anpassungswettbewerb mit Formen der öffentlichen Kommunikation ein, deren Ethik vergleichsweise schwach entwickelt ist.     

Konsequenzen aus Gladbeck und Bremen unverändert in Kraft  

Der Geiselnahme folgte in vielen Redaktionen eine intensive Debatte über das Verhalten der Presse. Der Presserat zog damals Konsequenzen aus den Ereignissen von Gladbeck und Bremen. Er erweiterte seinen Regelkatalog und vereinbarte mit der Innenministerkonferenz bis heute gültige Verhaltensgrundsätze für Medien und Polizei. Sie sollen Behinderungen bei der Durchführung polizeilicher Aufgaben vermeiden und zugleich die freie Ausübung der Berichterstattung garantieren. Die Presse verpflichtet sich seitdem, keine Interviews mit Tätern während des Verbrechens zu führen und nicht eigenmächtig zwischen Tätern und Polizei zu vermitteln.   Der Pressekodex gebietet zudem, auf die Veröffentlichung von „Verbrechermemoiren“ zu verzichten, wenn darin Straftaten nachträglich gerechtfertigt oder verharmlost und Opfer unangemessen belastet werden. Auch eine Heroisierung von Straftätern vermeidet die Presse.   

15. Juni 2018

Presserat spricht zehn Rügen aus

Erfundener Terror-Anschlag in Mannheim schadet dem Ansehen der Presse

Der Presserat rügt den RHEINNECKARBLOG für die Erfindung eines Terror-Anschlags. Unter der Überschrift „Massiver Terroranschlag in Mannheim“ hatte der Blog detailliert über einen Terroranschlag und ein „Blutbad apokalyptischen...mehr lesen

Ausmaßes“ mit 136 Toten berichtet, die es gar nicht gegeben hatte. Die Redaktion gab an, der Text sei so übertrieben gewesen, dass jeder durchschnittliche Leser hätte stutzig werden müssen. Der Presserat folgt der Kritik der Beschwerdeführer, dass über den fiktionalen Charakter des Berichts erst hinter einer Bezahlschranke aufgeklärt wurde. Unabhängig von der  Absicht, die die  Redaktion mit dem erfundenen Bericht verfolgte, hat sie damit dem Ansehen der Presse massiv geschadet, befand der Presserat.   

Aktuelles Foto von Gladbeck-Täter Degowski durfte nicht gezeigt werden

BILD erhält eine Rüge für die Abbildung eines aktuellen Fotos des aus der Haft entlassenen Gladbeck-Geiselnehmers Dieter Degowski. Unter der Überschrift „Es ist eine Schande, dass Degowski frei herumläuft“ hatte die Redaktion ihn zum 30. Jahrestag des Geiseldramas auf einer Parkbank sitzend gezeigt. Der Presserat sieht darin einen Verstoß gegen Ziffer 8 des Pressekodex, nach der bei zurückliegenden Straftaten im Interesse der Resozialisierung die Fotoveröffentlichung eines Täters unterbleiben soll. Ähnliches gilt auch für den zweiten Gladbeck-Täter Hans-Jürgen Rösner, den BILD ebenfalls mit einem aktuellen Foto aus dem Gefängnis zeigte. Auch dieser soll im Hinblick auf eine mögliche Entlassung nicht gezeigt werden. Kritisch sah der Ausschuss auch die Abbildung des von Degowski ermordeten Emanuele de Giorgi kurz nach der Tat. Das Foto des verblutenden Jungen ist 30 Jahre später nicht vom öffentlichen Interesse gedeckt und verletzt den Schutz des Opfers und der Angehörigen.  

Netanjahu-Karikatur in der Süddeutschen Zeitung von der Meinungsfreiheit gedeckt

Der Deutsche Presserat sieht in der Netanjahu-Karikatur in der Süddeutschen Zeitung keinen Verstoß gegen den Pressekodex. Die Grenze zur Diskriminierung von Juden nach Ziffer 12 Pressekodex ist nicht überschritten, entschied das Gremium der freiwilligen Selbstkontrolle der Presse mehrheitlich. Die Gesichtszüge des israelischen Premierministers sind zwar überzeichnet, im Rahmen der Meinungsfreiheit ist dies aber zulässig. Die Karikatur wurde im zuständigen Ausschuss gründlich erörtert. Einige Mitglieder kritisierten eine stereotype Bildsprache und hielten die Beschwerden für begründet. Zu sehen ist der israelische Regierungschef Netanjahu im Gewand der Eurovision Song Contest-Gewinnerin Netta. Er hält eine Rakete in der Hand, die mit einem Davidstern markiert ist. Im Hintergrund sieht man einen weiteren Davidstern. Die Rolle des Davidsterns als religiöses und auch staatliches Symbol wurde im Ausschuss unterschiedlich bewertet. Acht Leserinnen und Leser hatten sich beim Presserat beschwert, weil sie sich u.a. an Zeichnungen aus dem nationalsozialistischen „Stürmer“ erinnert fühlten.  

Redaktion versäumt Kennzeichnung einer Agentur als Pressestelle und Zulieferer journalistischer Inhalte

Der Presserat rügt den KÖLNER STADT-ANZEIGER und die KÖLNISCHE RUNDSCHAU für schwere Verstöße gegen Transparenzpflichten aus den Ziffern 1 und 6 des Pressekodex. Die Redaktionen hatten in den Printausgaben und Online-Auftritten Pressemitteilungen für die Leser nicht nachvollziehbar gekennzeichnet (Richtlinie 1.3) und die Doppelfunktion einer Agentur nicht offengelegt (Richtlinie 6.1). Die Agentur arbeitet im Verbreitungsgebiet der Zeitungen als Pressestelle einer Kommune und gleichzeitig als Zulieferer von journalistischen Inhalten für die Redaktionen. In ihrer Funktion als Pressestelle verantwortet sie die Pressemitteilungen der Stadtverwaltung und beantwortet Medienanfragen. Als Zulieferer der Redaktionen berichtet sie zudem über diverse lokale Themen. Alle diese Beiträge wurden in gleicher Weise mit Namen bzw. dem Kürzel der Agentur gekennzeichnet. Den Lesern bleibt dadurch unklar, ob es sich bei den Artikeln um städtische Pressemitteilungen handelt, ob die Agentur in ihrer Funktion als Pressesprecher der Kommune auf redaktionelle Anfragen antwortet oder ob sie den Text im Auftrag der Redaktion erstellt hat. Eine solche Praxis gefährdet nach Ansicht des Presserats massiv die Glaubwürdigkeit der Medien.  

Kritik an ungeprüfter Übernahme von Informationen anderer Medien

Der Presserat sieht in der Veröffentlichung ungeprüfter Aussagen aus anderen Medien einen Verstoß gegen den Pressekodex. Er appelliert an die Redaktionen, eigene Recherchen trotz Zeitnot nicht zu vernachlässigen. Beim Presserat hatte sich ein Leser wegen mehrerer Berichte über eine Berliner Demonstration gegen die geplante Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem beschwert. Bundesweit hatten Medien behauptet, aus der Demonstration heraus sei von einer signifikanten Menge minutenlang „Tod den Juden“ skandiert worden. Später stellte sich heraus, dass diese Meldung falsch war und es nur vereinzelt solche Zwischenrufe gab. Zahlreiche Medien hatten sich auf einen regionalen Zeitungsbericht verlassen, in dem ein Fehler unterlaufen war. Dies verletzt die journalistische Sorgfaltspflicht.

Berichterstattung über Mordversuch an 17-Jähriger: Entwürdigende Opferdarstellung

Der Presserat rügt BILD Online für die Berichterstattung rund um die Veröffentlichung eines Handy-Videos, das die Sekunden nach einem Mordversuch an einem 17-jährigen Mädchen zeigt. Zahlreiche User hatten sich beim Presserat beschwert, weil in dem Video zu hören ist, wie das unkenntlich gemachte, schwer verletzte Opfer seine Angreifer anfleht. Das Video wurde nach der Veröffentlichung von der Seite entfernt. Die Berichterstattung insgesamt verstößt jedoch gegen die Persönlichkeitsrechte und die Menschenwürde des Opfers. In den gezeigten Bildausschnitten aus dem Video sieht der Beschwerdeausschuss eine übertrieben sensationelle Berichterstattung nach Ziffer 11 des Pressekodex und einen Verstoß gegen die Menschenwürde. Die Kritik der Beschwerdeführer, dass das Video für die User nur hinter einer Bezahlschranke abrufbar war, war für den Presserat dagegen nicht relevant. Bei dieser Frage geht es um ein Geschäftsmodell und nicht um ein ethisches Thema, das anhand des Pressekodex zu erörtern wäre.  

Kriminalstatistik reißerisch und irreführend dargestellt

TAG24.DE wird für eine reißerische und irreführende Überschrift zum Thema Sexualstraftaten gerügt. Das Online-Medium hatte für Leipzig einen „dramatischen Anstieg von Vergewaltigungen“ von 670 Prozent binnen zwei Jahren gemeldet. Im zweiten Absatz wird erwähnt, dass nicht nur Vergewaltigungen, sondern auch Fälle von schwerer sexueller Nötigung in die Statistik mit einbezogen wurden. Erst am Ende des Artikels klärt die Redaktion auf, dass der enorme Anstieg wesentlich auf eine Verschärfung des Sexualstrafrechts zurückgeht. Der Presserat sieht darin eine grobe Irreführung der User und einen schweren Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht. Die Redaktion hatte die Überschrift im Nachhinein zwar geändert, jedoch fiel dies für die Entscheidung nicht ins Gewicht, da vor der Änderung bereits 25.000 User auf der Seite verzeichnet waren, die die Nachricht gesehen hatten.  

Namen und sexuelle Orientierung von Angeklagten durfte nicht genannt werden

Der Beschwerdeausschuss Redaktionsdatenschutz spricht gegen die TAZ eine Rüge aus wegen eines Verstoßes gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung nach Ziffer 8 des Pressekodex. Im Rahmen eines Prozessberichts wurden die sexuelle Orientierung und Krankheitsgeschichte der Angeklagten erwähnt, da sie für die Urteilsfindung relevant waren. Gleichzeitig wurden die Angeklagten durch eine Vielzahl von Angaben im Text, wie die Nennung ihrer Vornamen, ihrer Unternehmen und des Stadtteils für einen erweiterten Personenkreis identifizierbar. In dieser Kombination wurden Details aus der Intimsphäre der Betroffenen bekannt gemacht, ohne dass daran ein öffentliches Interesse besteht.  

Abbildung von verunglücktem Ehepaar verstößt gegen den Opferschutz

BILD erhält eine Rüge für die Abbildung von Unfallopfern. Unter der Überschrift „Warum passiert guten Menschen so etwas Schreckliches?“ berichtete BILD über einen schweren Autounfall auf der A5. Der Bericht zeigt neben dem zerquetschten Unfallwagen private Fotos des ums Leben gekommen Ehepaars. Beide hätten sich in der Kinderkrebshilfe engagiert. Der Presserat sieht in der Verwendung der privaten Porträts eine massive Verletzung des Opfer- und Angehörigenschutzes. Auch wenn die Redaktion nach eigenen Worten mit den Abbildungen die Opfer „besonders würdigen“ wollte, ist die Verwendung ihrer Fotos ohne Einwilligung der Angehörigen presseethisch nicht vertretbar.  

Schleichwerbung für Discounter und ein Medikament

Gerügt wegen eines Verstoßes gegen den Grundsatz der klaren Trennung von Redaktion und Werbung nach Ziffer 7 Pressekodex wurden die Zeitschriften AUF EINEN BLICK und GONG. AUF EINEN BLICK hatte unter der Überschrift „Angebote der Woche“ einen Beitrag veröffentlicht, in dem diverse Non-Food-Angebote von Lidl, Norma und Tchibo aufgelistet waren und auf ein Angebot des Shopping-Fernsehsenders QVC hingewiesen wurde. In dem Text erfolgte keine journalistische Einordnung der Angebote, eine redaktionelle Begründung für ihre Hervorhebung wurde nicht genannt. Ein öffentliches Interesse an dieser Veröffentlichung erkannte der Presserat nicht und sah die Grenze zur Schleichwerbung als deutlich überschritten an. GONG hatte einen Beitrag unter der Überschrift „Hallo Doktor! Gibt es gegen Erkältungen auch sanfte Mittel?“ veröffentlicht. In dem Artikel antwortete ein Heilpraktiker auf die Frage einer Leserin, ob bei Erkältungen auch homöopathische Arzneimittel helfen können. Er bejahte dies und wies auf die Wirksamkeit von Medikamenten aus Naturstoffen hin. Im Text wird nur ein einziges Präparat genannt und mehrfach ein Marketing-Begriff benutzt, der nur diesem Präparat zuzuordnen ist. Nach Ansicht des Presserates überschreitet dies die Grenze zur Schleichwerbung.  

Die Ergebnisse: 10 öffentliche Rügen, 12 Missbilligungen und  24 Hinweise. Der Presserat bewertete 7 Beschwerden als begründet, verzichtete jedoch auf eine Maßnahme. 55 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet.

13. Juni 2018

Netanjahu-Karikatur in der Süddeutschen Zeitung von der Meinungsfreiheit gedeckt

Der Deutsche Presserat sieht in der Netanjahu-Karikatur von Dieter Hanitzsch in der Süddeutschen Zeitung keinen Verstoß gegen den Pressekodex. Die Grenze zur Diskriminierung von Juden nach Ziffer 12 Pressekodex ist nicht überschritten, entschied das Gremium der freiwilligen Selbstkontrolle der...mehr lesen

Presse mehrheitlich. Die Gesichtszüge des israelischen Premierministers sind zwar überzeichnet, im Rahmen der Meinungsfreiheit ist dies aber zulässig. Die Karikatur wurde im zuständigen Ausschuss gründlich erörtert. Einige Mitglieder kritisierten eine stereotype Bildsprache und hielten die Beschwerden für begründet. Zu sehen ist der israelische Regierungschef Netanjahu im Gewand der Eurovision Song Contest-Gewinnerin Netta. Er hält eine Rakete in der Hand, die mit einem Davidstern markiert ist. Im Hintergrund sieht man einen weiteren Davidstern. Die Rolle des Davidsterns als religiöses und auch staatliches Symbol wurde im Ausschuss unterschiedlich bewertet. Acht Leserinnen und Leser hatten sich beim Presserat beschwert, weil sie sich u.a. an Zeichnungen aus dem nationalsozialistischen „Stürmer“ erinnert fühlten.

27. April 2018

Presserat unterstützt Arbeit von Ombudsleuten

Am 27. April hat sich die Vereinigung der Medien-Ombudsleute e.V.  gegründet. Die Ombudsleute von Zeitungen bekräftigen damit, dass es sich lohnt, sich als Ombudsmann, Leseranwalt oder Leserbotschafter für das eigene Medium einzusetzen. „Der Deutsche Presserat schätzt und unterstützt die Arbeit der...mehr lesen

Ombudsleute. Als Moderatoren zwischen Lesern und Redaktion ergänzen sie bereits unsere Arbeit und tragen dazu bei, medienethische Diskussionen anzustoßen und die Glaubwürdigkeit der Medien zu sichern“, so Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Deutschen Presserats. 

Medien-Ombudsleute erklären den Lesern die journalistische Arbeit in den Redaktionen mit dem Ziel, mehr Transparenz und Leserzufriedenheit zu erreichen.

Die Landschaft der Ombudsleute ist sehr vielfältig: Einige sind Experten außerhalb der Redaktion, andere Redakteure aus dem eigenen Haus. Manche arbeiten unabhängig von der Chefredaktion, andere sind dort eingegliedert.

Beim Presserat als bundesweite Selbstkontrolle dagegen können sich Leser generell über Veröffentlichungen mit deutscher Redaktion beschweren. Der Presserat stellt damit eine verlagsunabhängige und medienübergreifende Instanz dar.

Beiden gemeinsam ist jedoch, dass sie einen wesentlichen Beitrag zur Presseethik leisten und die Pressefreiheit verteidigen. Ombudsleute sind bereits wichtige Ansprechpartner für den Presserat in den Verlagen.

 

 

23. März 2018

Rüge für BILD-Bericht "Schmutzkampagne der SPD"

BILD hatte unter dem Titel „Neue Schmutzkampagne bei der SPD“ über einen angeblichen Mailverkehr zwischen Juso-Chef Kevin Kühnert und einem Russen berichtet, der sich nachträglich als Satire-Aktion der Zeitschrift Titanic herausstellte. Obwohl die SPD in dem Artikel die angeblichen Mails ihres...mehr lesen

Juso-Chefs mit offensichtlichen Argumenten wie der falschen Endung der Email-Adresse dementierte, veröffentlichte BILD die Geschichte trotzdem. Vor allem aber suggerierte sie dem Leser auf der Titelseite, dass es eine „neue Schmutzkampagne“ bei der SPD gebe – dem nicht so war. Der Presserat sieht darin einen schweren Verstoß gegen das Wahrhaftigkeitsgebot in Ziffer 1 des Pressekodex. Diese Irreführung der Leser beschädigt Ansehen und Glaubwürdigkeit der Presse, so der Presserat, der deshalb eine öffentliche Rüge erteilte. 

Missbilligung für „GroKo-Hund Lima“

Die SPD hatte sich beim Presserat beschwert, weil BILD einen Hund als Parteimitglied angemeldet und berichtet hatte, dieser dürfe über die Große Koalition mit abstimmen. Die SPD und weitere Beschwerdeführer warfen BILD einen Verstoß gegen die im Pressekodex festgelegten Grenzen der Recherche (Richtlinie 4.1) und gegen das Wahrhaftigkeitsgebot (Ziffer 1) vor. Der Presserat entschied: Die Recherche unter falschen Angaben verletzt in diesem Fall nicht den Pressekodex, da es ein hohes öffentliches Interesse daran gab, ob die Mitgliederentscheidung anfällig für Manipulationen ist. Allerdings erwähnte der Bericht nicht, dass es mit der Pflicht zur Abgabe  einer eidesstattlichen Erklärung vor der Abstimmung über die GroKo durchaus einen Sicherungsmechanismus gegen Manipulation gab. Die Überschrift „Dieser Hund darf über die GroKo abstimmen“ ist deshalb unzutreffend. Diesen Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Pressekodex missbilligt der Presserat.  

G20: „Krawall-Barbie“ und andere Verdächtige durften gezeigt werden

Der Presserat hält die Veröffentlichung polizeilicher Fahndungsfotos von mutmaßlichen G20-Straftätern für presseethisch akzeptabel. Unter der Überschrift „Polizei sucht diese Krawall-Barbie“ zeigte BILD im vergangenen Dezember eine junge Frau und weitere Personen, die während der G20-Proteste in Hamburg randaliert haben sollen. Beschwerden darüber wies der Presserat als unbegründet zurück, da die Fotos aus einer öffentlichen Fahndung nach einem entsprechenden Gerichtsbeschluss übernommen wurden. Ebenso musste sich BILD darauf verlassen können, dass die Polizei das Alter der jungen Frau und damit auch den Schutz von Minderjährigen bei der Veröffentlichung berücksichtigt hatte. Die Bezeichnung der abgebildeten mutmaßlichen Täter als „Verbrecher“ oder „Chaoten“ stellt in diesem Fall auch keine Vorverurteilung, sondern eine gerade noch zulässige Zuspitzung dar, zumal BILD im Text immer auch wieder von „Tatverdächtigen“ spricht. Da die G20-Proteste unter den Augen der Weltöffentlichkeit stattfanden, was jedem Teilnehmer damals bewusst sein musste, wurden aus Sicht des Presserats auch keine Persönlichkeitsrechte verletzt.  

Dieter Wedel: Verdachts-Berichterstattung war von öffentlichem Interesse

Beschwerden gegen ZEIT Online wegen der Berichterstattung über den Fall Dieter Wedel bewertet der Presserat als unbegründet. ZEIT Online hatte zwei Artikel aus der Printausgabe der ZEIT zusammengefasst, die dem Regisseur schwere sexuelle Nötigung vorwerfen. Schauspielerinnen hatten strafrechtlich relevante Vorwürfe gegen Wedel erhoben. Dieser hatte sich, mit dem Vorgang konfrontiert, hierzu auch gegenüber der ZEIT geäußert. Der Presserat hält beide Artikel für eine vorbildliche Verdachtsberichterstattung über einen Fall von hohem öffentlichen Interesse. Die Berichterstattung zeigt die Dimension eines bislang wenig beachteten gesellschaftlichen Missstands auf, so das Gremium. Die nach Ziffer 13 maßgebliche Unschuldsvermutung wurde hier ausreichend gewahrt. ZEIT Online konnte nicht nur eine äußerst sorgsame Recherche vorweisen, sondern auch belegen, dass Dieter Wedel ausreichend Gelegenheit zur Stellungnahme zu den Vorwürfen erhalten hatte. Einen Medienpranger erkennt der Presserat nicht.  

Fotos verletzen Opferschutz

Wegen einer Verletzung des Opferschutzes nach Ziffer 8 Richtlinie 8.2 Pressekodex wurden TZ München und BILD Online gerügt. Die TZ hatte unter dem Titel „Wer hat Katharina auf dem Gewissen“ über den gewaltsamen Tod einer Prostituierten in Regensburg berichtet und ein Foto der Frau veröffentlicht, durch das sie identifizierbar wurde. BILD Online hatte unter der Überschrift „Backpackerinnen in Hostel tot aufgefunden“ über zwei junge Touristinnen informiert, die in Kambodscha tot in ihrer Unterkunft aufgefunden wurden. Der Artikel enthielt die vollen Namen der jungen Frauen sowie Fotos von ihnen. In beiden Fällen war die identifizierende Berichterstattung nicht durch ein öffentliches Interesse gedeckt und stellt einen groben Verstoß gegen den Persönlichkeitsschutz der Opfer dar.  

Zeitung bildet Demütigung noch einmal ab

Der Presserat rügt BILD Online wegen eines Verstoßes gegen den Schutz der Persönlichkeit nach Ziffer 8 des Pressekodex und Wahrung der Menschenwürde nach Ziffer 1. Unter der Überschrift „Sieben Jahre Knast für mieses Rache-Video“ berichtete BILD Online über einen Mann, der seine Freundin zwang, nackt auf die Straße zu gehen und sie dabei filmte. Die Redaktion veröffentlichte einen Screenshot des Videos, in dem das Opfer nackt von hinten zu sehen ist. Obwohl die Frau auf dem Foto nicht erkennbar ist, muss sie durch die wiederholte Veröffentlichung ihre Demütigung noch einmal erleben. Dies liegt nicht im öffentlichen Interesse und ist entwürdigend, urteilte der Presserat.  

Zeitung übernimmt ungeprüfte Informationen von Facebook

EXPRESS Online erhielt eine Rüge für einen Beitrag unter dem Titel „Nach dem Tod eines Kindes (7): Heftige Vorwürfe gegen Düsseldorfer Notarztpraxis.“ In dem Artikel hatte die Redaktion über einen Facebook-Beitrag einer Frau berichtet, in dem diese behauptete, dass ihr 7-jähriger Sohn gestorben sei, weil er bei drei Arztbesuchen nicht richtig behandelt wurde. Am Ende des Beitrages hieß es zudem, dass die Frau der Salafisten-Szene angehören solle. Der Presserat erkannte hier einen schweren Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 Pressekodex, da die Redaktion die Darstellung der Frau ungeprüft übernommen und zudem einen rein spekulativen Hinweis auf eine Verbindung zu Salafisten hinzugefügt hatte.  

Falsche Aussage über schlechte Schüler

„Schüler im Saarland immer schlechter“ überschrieb die BILD in ihrer Regionalausgabe Saarland einen Artikel über eine Bildungsstudie, die einen Leistungsvergleich von Viertklässlern von 2011 auf 2016 enthielt. Die betreffende Studie gab diese Aussage jedoch nicht her. Der Beschwerdeausschuss sieht darin einen schweren Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht und rügte BILD.        

Prozessberichte unter der Gürtellinie 

Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG erhielt eine Rüge für ihre Berichterstattung über ein Strafverfahren, die die Persönlichkeitsrechte eines Verbrechens-Opfers schwer verletzte. Um dem Opfer kein weiteres Leid zuzufügen, ist diese Rüge nicht-öffentlich. Daher ist die Zeitung hier nicht zum Abdruck der Rüge verpflichtet.  

Drei Rügen wegen Schleichwerbung

Wegen Schleichwerbung wurden JOLIE de, die WILHELMSHAVENER ZEITUNG und die Zeitschrift KINDER gerügt. JOLIE.de hatte unter dem Titel „Das ist das beste Shampoo aus der Drogerie“ über ein Haarpflegeprodukt berichtet. Diese Art der Darstellung überschreitet die Grenze zwischen einer Berichterstattung von öffentlichem Interesse und Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 Pressekodex. Gleiches gilt für den Artikel mit der Überschrift „Eine Medizin für die ganze Familie“ in der WILHELMSHAVENER ZEITUNG über ein Erkältungsmittel. Das Präparat wurde in dem Beitrag völlig unkritisch und mit werblicher Sprache beschrieben. Auch war weder ein  Alleinstellungsmerkmal für das Produkt erkennbar noch wurden Konkurrenzprodukte genannt. Die Zeitschrift KINDER erhielt eine Rüge für ein Kurzinterview mit einer bei einem Lebensmittelkonzern beschäftigten Ökotrophologin, in dem ein konkretes Produkt ihres Arbeitgebers hervorgehoben und wurde, sowie für einen Artikel, der ohne erkennbaren Grund die Batterien eines bestimmten Herstellers herausstellte.    

Statistik

Die Ergebnisse: 9 öffentliche Rügen, 1 nicht-öffentliche Rüge, 20 Missbilligungen und 50 Hinweise. Der Presserat bewertete 13 Beschwerden als begründet, verzichtete jedoch auf eine Maßnahme. 89 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet.

22. März 2018

Qualität von Online-Umfragen muss für die User erkennbar sein

Nicht-repräsentative  Online-Umfragen müssen als solche gekennzeichnet sein. Das Plenum des Deutschen Presserats hat entschieden, dass derartige Votings ohne entsprechende Kennzeichnung die im Pressekodex definierte journalistische Sorgfaltspflicht verletzen. Allerdings verzichtet der Presserat auf...mehr lesen

eine Sanktion, weil es sich bei der behandelten Beschwerde um eine in der Form neue Fragestellung handelte. Auch die Redaktion hatte den Presserat ersucht, eine Grundsatzentscheidung zu treffen. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung  wurde der Fall nicht in einem der Beschwerdeausschüsse, sondern im Plenum bewertet.

 

Ein User hatte sich beim Presserat beschwert, weil er an einer Umfrage der Online-Ausgabe des Münchner Merkurs gleich mehrfach teilnehmen und so das Ergebnis massiv beeinflussen konnte. Bei einer Umfrage zu einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen gab er insgesamt 192 Mal seine Stimme ab, indem er die Speicherung von Cookies deaktivierte und den Router mehrfach neu startete. Damit sank die Zustimmung zum Ausbau in der Umfrage von 43 auf 39 Prozent, die Ablehnung stieg von 54 auf 58 Prozent.

„Nicht-repräsentative Umfragen – z.B. auf der Straße – hat es immer in den Medien gegeben. Entscheidend ist, dass sie für den Leser als solche wahrnehmbar sind. Online-Umfragen sind als neue Form dazugekommen. Sie sind nach allen Erfahrungen nicht vollständig gegen unsachgemäße Beeinflussung geschützt“, so der Sprecher des Plenums Volker Stennei.  

„Transparenz ist grundsätzlich ein wichtiges Mittel der Medien, um ihre Glaubwürdigkeit gegenüber den Usern zu gewährleisten.“ Der Pressekodex muss für dieses Thema nicht erweitert werden. In Richtlinie 2.1 heißt es bereits: „Bei der Veröffentlichung von Umfrageergebnissen teilt die Presse die Zahl der Befragten, den Zeitpunkt der Befragung, den Auftraggeber sowie die Fragestellung mit. Zugleich muss mitgeteilt werden, ob die Ergebnisse repräsentativ sind“.

21. März 2018

Volker Stennei ist neuer Sprecher des Presserats

Volker Stennei ist neuer ehrenamtlichen Sprecher im Plenum des Deutschen Presserats. Der 56-jährige Chefredakteur und Verlagsgeschäftsführer aus Unna wurde vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in den Presserat entsandt und löst turnusgemäß den bisherigen Sprecher Manfred Protze von...mehr lesen

der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten Union (dju) ab. Als Sprecher leitet und vertritt Stennei das Plenum nach außen und äußert sich zu medienethischen Grundsatzfragen.  

In seiner zweijährigen Amtszeit möchte Stennei den Presserat als wichtige Stimme im medienethischen Diskurs stärken. „Demokratie braucht gerade in Zeiten von gesellschaftspolitischen Veränderungen und Grundsatzdiskussionen eine ethisch anspruchsvolle, korrekte und unerschrocken-verlässliche Presse“, so Stennei.  

Volker Stennei ist Geschäftsführer beim Zeitungsverlag Rubens in Unna und gleichzeitig Chefredakteur des dortigen Hellweger Anzeigers, wo er auch seine journalistische Ausbildung erhielt. Er ist zudem Geschäftsführer des Redaktionsnetzes Westfalen (RNW) sowie kooptatives Mitglied der Geschäftsführung des Medienhauses Lensing in Dortmund, das die Ruhr Nachrichten herausbringt.  

Seit 2006 ist Volker Stennei Mitglied im Deutschen Presserat, seitdem engagiert er sich im Beschwerdeausschuss. Seit 2014 ist er Mitglied im Trägerverein. Zuletzt war er stellvertretender Sprecher im Plenum. Diese Funktion übernimmt nun sein Vorgänger Manfred Protze (dju).

Neue Personalie auch im Trägerverein des Presserats: Kajo Döhring, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) hat Cornelia Haß, Bundesgeschäftsführerin der dju in ver.di, 2018 als Vorsitzender abgelöst. Der Trägerverein ist für personelle, organisatorische und finanzielle Grundlagen des Presserats verantwortlich. Das Plenum berät zwei Mal pro Jahr über inhaltliche Grundsatzfragen. Beide Gremien setzen sich aus Vertreterinnen und Vertretern der vier Mitgliedsverbände zusammen: Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV), Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) sowie Deutscher Journalisten-Verband (DJV). 

Foto von Volker Stennei zu Herunterladen: www.presserat.de/fileadmin/user_upload/Beschwerdeausschuss_2/Volker_Steinnei.jpg

Ansprechpartnerin für die Presse: Sonja Volkmann-Schluck 030-367007-13, volkmann-schluck@presserat.de

07. März 2018

Bilanz 2017: Weniger Rügen als im Vorjahr

Der Deutsche Presserat hat in Berlin seinen Jahresbericht vorgestellt. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Presse ist weiter gefragt, auch wenn die Zahl der Beschwerden leicht zurückgegangen ist: 1.788 Leserinnen und Leser wandten sich im vergangenen Jahr an den Presserat. 2016 gab es noch 1.851...mehr lesen

Beschwerden. 2017 wurden 508 Beschwerden in den Ausschüssen bewertet und entschieden. 277 davon erwiesen sich als begründet. Die Verteilung der festgestellten Verstöße auf die Ziffern des Kodex blieb unverändert: Die ersten drei Plätze nahmen wie in den Vorjahren die Ziffern 2 (Sorgfaltsplicht), 7 (Trennung von Werbung und Redaktion) sowie Ziffer 8 (Schutz der Persönlichkeit) ein.

Nahezu jede zweite Rüge wegen Schleichwerbung

Weniger häufig als in den Vorjahren griff der Presserat zu seiner schärfsten Sanktion: 21 öffentliche Rügen verhängten die Beschwerdeausschüsse 2017, im Vorjahr waren es 33. Fast jede zweite Rüge bezog sich auf Verstöße gegen den Trennungsgrundsatz von Werbung und Redaktion. „Gerade im unklaren Aufbau von Online-Seiten und der Bezeichnung von bezahlten Veröffentlichungen als ‚Partnerinhalt‘ sehen wir eine schwerwiegende Irreführung der Leserinnen und Leser“, so der Geschäftsführer des Presserats Lutz Tillmanns.

12.1: Jeden Fall sorgfältig abwägen

Die 2017 neu gefasste und mit Leitsätzen ergänzte Richtlinie 12.1 zur Nennung von Gruppenzugehörigkeiten und Nationalitäten in der Kriminalitätsberichterstattung sorgt nach wie vor für Diskussionen. Immer wieder argumentieren Redaktionen gegenüber dem Presserat, dass Polizei und Behörden die Zugehörigkeit von Tatverdächtigen im Netz veröffentlichen und es deshalb den Lesern gegenüber kaum vertretbar sei, diese in der eigenen Berichterstattung wegzulassen.

Der Presserat plädiert dafür, jeden Fall eigenverantwortlich zu bewerten und sorgfältig abzuwägen. „Zu den Kernaufgaben des Journalismus gehört schon immer die eigenverantwortliche Auswahl und Zusammenführung von Informationen nach ihrer jeweiligen Bedeutung“, so der Sprecher des Presserats Manfred Protze. „Die Nichterwähnung verfügbarer Detailinformationen verstößt daher nicht zwangsläufig gegen das Wahrhaftigkeitsgebot. Im Zweifel sollten Redaktionen ihre Auswahl den Lesern erklären“.

Unverändert gilt jedoch: „Die  Achtung  der Menschenwürde und die Beachtung rechtsstaatlicher Grundsätze gebieten es,  unbegründeten Verallgemeinerungen individuellen Fehlverhaltens keinen Vorschub zu leisten“, so Protze weiter.

Diskriminierende Verallgemeinerungen vermeiden

Am 22. März 2017 hatte der Presserat die Regeln für die Kriminalitätsberichterstattung im Pressekodex präzisiert. Die Richtlinie 12.1 stellt nun statt auf einen begründbaren Sachbezug auf ein begründetes öffentliches Interesse ab, das für eine Erwähnung der Zugehörigkeit eines Tatverdächtigen vorliegen muss.

Die neu gefasste Richtlinie formuliert zudem erstmals ausdrücklich das Ziel der Regelung, diskriminierende Verallgemeinerungen individuellen Fehlverhaltens zu vermeiden. Im Mai 2017 gab der Presserat Leitsätze heraus, die die neue Richtlinie ergänzen und den Redaktionen praktische Entscheidungshilfen an die Hand geben.

2017 sprach der Presserat insgesamt 21 Rügen aus, 58 Missbilligungen und 153 Hinweise. 45 Beschwerden waren begründet, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet.  

Der Jahresbericht zum Download
06. März 2018

Berichte über SPD, Dieter Wedel, G20: Beschwerdeausschuss entscheidet am 22. März

Der Deutsche Presserat hat ein Verfahren gegen BILD wegen zwei Artikeln über die SPD eingeleitet. Die SPD reichte am 27.Februar Beschwerde ein, weil BILD einen Hund als Mitglied angemeldet und berichtet hatte, dieser dürfe über die Große Koalition mit abstimmen. Am 22. März entscheidet der...mehr lesen

Beschwerdeausschuss darüber, ob die Redaktion damit gegen die in Richtlinie 4.1 (Link) des Pressekodex festgehaltenen Recherchegrundsätze und die Sorgfaltspflicht (Ziffer 2) verstoßen hat.

Ebenfalls am 22. März berät der Ausschuss über den Fall #miomiogate. BILD hatte unter dem Titel „Neue Schmutzkampagne in der SPD“ über einen angeblichen Mailverkehr zwischen Juso-Chef Kevin Kühnert und einem Russen berichtet, der sich später als Satire-Aktion der Satirezeitschrift Titanic herausstellte. Der Presserat prüft nun, ob die Redaktion gegen die journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen hat und ob die Berichterstattung mit der gebotenen Achtung vor der Wahrheit vereinbar ist.

Der Beschwerdeausschuss beschäftigt sich außerdem mit zwei Beschwerden im Fall Dieter Wedel. Sie richten sich gegen die Online-Ausgabe der ZEIT. Im Kern geht es um den Schutz der Persönlichkeitsrechte Dieter Wedels und um eine mögliche Vorverurteilung. „Wenn wir mit guten Gründen bejahen können, dass die Veröffentlichung der Geschichte von öffentlichem Belang ist, dann muss im Zweifelsfall das private Interesse von Herrn Wedel zurücktreten“, so Presserats-Sprecher Manfred Protze im Vorfeld gegenüber dem WDR.

Wegen der Veröffentlichung polizeilicher Fahndungsfotos von mutmaßlichen G20-Straftätern hat der Presserat außerdem ein Verfahren gegen BILD und Hamburger Morgenpost Online eingeleitet. Zahlreiche Beschwerden gingen im Dezember 2017 beim Presserat ein, weil die Zeitungen öffentliche Fahndungsfotos der Hamburger Polizei übernommen hatten. Unter der Überschrift „Polizei sucht diese Krawall-Barbie“ zeigte BILD eine junge blonde Frau und weitere Personen, die während der G20-Proteste in Hamburg randaliert haben sollen.

Im Januar hatte BILD Online wiederholt das Foto einer mutmaßlichen „G20- Plünderin“ gezeigt, obwohl ein Gericht der Redaktion verboten hatte, unverfremdete Fotos der Frau zu zeigen.

Ein weiterer Leser beschwerte sich beim Presserat darüber, dass die Hamburger Morgenpost in ihrer Online-Ausgabe Fotos mutmaßlicher G20-Täter veröffentlichte, die sich mittlerweile der Polizei gestellt hatten. Der Presserat prüft auf seiner Sitzung am 22.März 2018, ob Fotos und Artikel die Persönlichkeitsrechte der mutmaßlichen Straftäter verletzen und ob eine Vorverurteilung vorliegt.

15. Februar 2018

Vorstellung unseres Jahresberichts am 7. März 2018

Der Deutsche Presserat lädt ein zur Vorstellung seines Jahresberichts 2017

am  Mittwoch, den 7. März 2018

um 10 Uhr im ARD-Hauptstadtstudio, Wilhelmstraße 67a, 10117 Berlin  

2017 war der Deutsche Presserat wieder ein gefragter Ansprechpartner für Leserinnen und Leser sowie für Redaktionen....mehr lesen

Politische Krisen, Terroranschläge und die Berichterstattung über den G20-Gipfel standen im Fokus der Beschwerdearbeit. Unter Federführung des Presserats wurde außerdem wieder ein bundeseinheitlicher Presseausweis eingeführt.

In unserem Jahresbericht informieren wir über die Beschwerde- und Sanktionsstatistik des vergangenen Jahres sowie über Trends in unserer Spruchpraxis. Zudem ziehen wir eine erste Bilanz der Richtlinie 12.1 zur Diskriminierung von Straftätern, die der Presserat vor einem Jahr (am 22. März 2017) geändert hat.  

Ansprechpartner beim Pressegespräch sind:  

Manfred Protze, Sprecher der Deutschen Presserats Lutz Tillmanns,

Geschäftsführer des Deutschen Presserats  

Wir bitten bis zum 1. März um Anmeldung per E-Mail an volkmann-schluck@presserat.de.

Bitte bringen Sie zu dem Termin ein Ausweisdokument (Personalausweis) mit.  

Ansprechpartnerin für die Presse: Sonja Volkmann-Schluck, Tel. 030-367007-13, volkmann-schluck@presserat.de    

15. Januar 2018

G20-Fahndungsfotos: Presserat leitet Verfahren ein

Wegen der Veröffentlichung polizeilicher Fahndungsfotos gegen mutmaßliche G20-Straftäter hat der Presserat ein Verfahren gegen BILD und Hamburger Morgenpost Online eingeleitet. Insgesamt sieben Beschwerden gingen beim Presserat ein, weil die beiden Zeitungen öffentliche Fahndungsfotos der Hamburger...mehr lesen

Polizei übernommen hatten. 

Entscheidung im März

Unter der Überschrift „Polizei sucht diese Krawall-Barbie“ zeigte BILD am 18.12.2017 eine junge blonde Frau und weitere Personen, die während der G20-Proteste in Hamburg randaliert haben sollen. Ein weiterer Leser beschwerte sich beim Presserat, weil die Hamburger Morgenpost in ihrer Online-Ausgabe vom 20.12.2017 Fotos mutmaßlicher G20-Täter veröffentlichte, die sich mittlerweile der Polizei gestellt hatten. 

Der Presserat prüft auf seiner Sitzung am 22.3.2018, ob die Fotos und Artikel gegen den Pressekodex verstoßen. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob sie die Persönlichkeitsrechte der mutmaßlichen Straftäter verletzen und ob eine Vorverurteilung vorliegt. Über das Thema berichteten u.a. die taz, meedia und epd.

Missbilligung wegen Medienpranger

Im vergangenen September hatte der Deutsche Presserat bereits den Artikel „Gesucht! Wer kennt diese G20-Verbrecher?“ der BILD missbilligt. Der Presserat hatte hierzu elf Beschwerden erhalten, die eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten und einen Medienpranger kritisierten.

Aufgrund des überragenden öffentlichen Interesses an dem Geschehen in Hamburg sah der Presserat damals keinen Verstoß gegen den Schutz der Persönlichkeit nach Ziffer 8 des Kodex. Jedoch verstieß die Art der Darstellung – mit Foto und eingeklinktem Porträtbild – in Verbindung mit dem Fahndungsaufruf gegen den Pressekodex, da die Betroffenen an einen öffentlichen Medienpranger gestellt wurden.