Entscheidungen finden

Wie hat der Presserat entschieden?

Rüge, Missbilligung oder Hinweis, wie hat der Presserat entschieden? Hier können Sie online in der Spruchpraxis des Presserats eine Auswahl an Beschwerdefällen von 1985 bis heute recherchieren.

 

Entscheidungsjahr
6619 Entscheidungen

Zitat

Eine Illustrierte entnimmt einer Fachzeitung das Zitat eines Wissenschaftlers und erweckt in einem eigenen Bericht über die hygienischen Verhältnisse in Krankenhäusern den Eindruck, dass dieses Zitat ihr gegenüber ausgesprochen worden ist. Eine zweite Zeitschrift verfährt ähnlich und verfälscht das Zitat als wörtliche Aussage in der Titel-Unterzeile. (1986)

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Gerichtsberichterstattung

Eine Lokalzeitung berichtet über einen Strafprozess: Es geht um ein Sittlichkeitsdelikt. Der Autor erwähnt eine Schutzbehauptung des Angeklagten, der damit die betroffenen Kinder belastet. Der Artikel nennt weder den Angeklagten noch die beiden erwähnten Kinder namentlich oder auch nur mit Anfangsbuchstaben. Auch der Ort des Geschehens ist nicht erkennbar. Die Mutter eines der Kinder beschwert sich beim Deutschen Presserat über die Belastungen, die ihrer Familie auch durch die Berichterstattung erwachsen sind. (1986)

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Persönlichkeitsrechte

Unfallopfer

Ein Boulevardzeitung berichtet über den Unfalltod eines 19jährigen Bundeswehrsoldaten in den Alpen. Der junge Mann, ein begeisterter Klettersportler, war 200 Meter in die Tiefe gestürzt. Seine Eltern beanstanden, dass in diesem Beitrag - bei voller Namensnennung - der ohnehin tragische Unfall »reißerisch« dargestellt werde. Zu diesem Zwecke seien ohne Rücksicht auf die Gefühle der Betroffenen »Sachverhalte schlichtweg erfunden« worden. Anwälte der Familie schalten sich ein, um den Autor des Berichts zu veranlassen, sich »in aller Form dafür zu entschuldigen, dass er das Leid der Eheleute in dieser Art und Weise vergrößert hat«. Als die Redaktion darauf nicht reagiert, wenden sich die Anwälte an den Deutschen Presserat. Jetzt entschuldigt sich der verantwortliche Redakteur, die Eltern wollen daraufhin die Sache aus verständlichen Gründen nicht weiter verfolgen. (1986)

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Satire

Gegendarstellung

Unter der Überschrift »Linksdrall in der Schülervertretung« veröffentlicht eine Lokalzeitung einen Leserbrief mit harten Angriffen gegen die Schülervertretung und Tatsachenbehauptungen, die die Betroffenen für unsachlich und falsch halten. Den Abdruck eines »Gegenbriefes« lehnt die Zeitung nach Darstellung der Schüler ebenso ab wie eine Gegendarstellung. (1986)

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Stellungnahme eines Betroffenen

Eine Lokalzeitung berichtet über den Referentenentwurf der Landesregierung zum Landesmediengesetz: »Zeitungen bald im Hintertreffen, wenn das private Radio kommt«. Der Bezirksvorstand einer Gewerkschaft will dazu Stellung nehmen, stößt aber auf Ablehnung. Die Chefredaktion erklärt, sie drucke keine Stellungnahmen ab, bevor das neue Gesetz nicht im Parlament behandelt sei. Dennoch gibt die Zeitung einige Tage später auf ihrer Titelseite die Stellungnahme eines Landespolitikers wieder. (1986)

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Todesanzeige

Vergleiche mit dem Naziregime

Eine Lokalzeitung nimmt den Rücktritt zweier Ratsherren im dritten Jahr der Amtsperiode des Stadtrates zum Anlas eines Kommentars, der den einzelnen Fraktionen Betroffenheit, Bedauern bzw. Respekt und Befriedigung unterstellt. Wörtliches Zitat: »Wie vor über 40 Jahren, als Menschen in den Tod getrieben und anschließend mit einem >Staatsbegräbnis< ausgezeichnet wurden!« Eine Fraktion des Stadtrates legt Beschwerde beim Deutschen Presserat ein, da sich viele Mitglieder der Partei in ihrer Ehre verletzt und persönlich beleidigt fühlen. (1986)

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Vergleiche mit dem Naziregime

Eine Lokalzeitung veröffentlicht einen Leserbrief über den Antrag einer Partei auf Änderung der Geschäftsordnung des Stadtrates. Zwei Tage später erscheint ein Kommentar Der Zeitung zum selben Thema. Ein Leser kritisiert, dass die im Original des Leserbriefes verwendete Formulierung »Ermächtigungsgesetz« verfälschend in »Antrag« abgeändert worden ist. Der Kommentator hingegen zitiert den ursprünglich verwendeten Ausdruck und wirft dem Leserbriefschreiber ein »fragwürdiges Geschichtsverständnis« vor. Der stellvertretende Chefredakteur der Zeitung erläutert, er habe den Leserbriefkürzen lassen. Auch ohne jene Passage mit dem Begriff »Ermächtigungsgesetz« sei die Meinung des Schreibers klar und deutlich gewesen. Die durch die Formulierung »Ermächtigungsgesetz« gezogene Parallele zum Nazi-Regime sei ihm »überzogen« erschienen, als »Schmähkritik« gegenüber einer Partei, die aus dem Widerstand gegen das Hitlersche Ermächtigungsgesetz ... eine ihrer vornehmsten Traditionen herleite. Die Unzulässigkeit der Änderung räume er »ohne Wenn und Aber« ein. (1986)

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