Aus unserer Spruchpraxis

Richtlinie 12.1: Nach Praxisleitsätzen des Presserats ist dies vertretbar

Unter dem Titel „Jugendliche unter Verdacht“ berichtet eine Regionalzeitung über eine Vergewaltigung. Fünf Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren sollen in einer Stadt in NRW eine junge Frau vergewaltigt haben. Die Verdächtigen stammten alle aus Bulgarien, schreibt die Zeitung.

An der Adresse des Täters bestand kein öffentliches Interesse

Eine Regionalzeitung berichtet über die Festnahme des mutmaßlichen Mörders des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Sie zeigt dessen Wohnhaus, nennt den Stadtteil und den Straßennamen. Ein Leser der Zeitung sieht in der Veröffentlichung dieser Details einen Verstoß gegen den Schutz der Persönlichkeit.

Rassistische und fremdenfeindliche Kommentare waren die Folge

Eine Regionalzeitung berichtet online unter der Überschrift „Polizei: Mauretanier schmeißt Steine gegen Bäderbahn“ über einen Vorfall an einer Bahnstrecke in Norddeutschland. Den Lesern wird damit nahegelegt, die Nationalität des Mannes sei bedeutsam für sein Fehlverhalten.

Eine umfassende Berichterstattung wäre auch ohne ein solches Foto möglich gewesen

Eine Boulevardzeitung veröffentlicht online einen Bericht unter der Überschrift „Mann sticht auf Säugling ein und stürzt vom Balkon“. Ein Leser kritisiert, das dem Artikel beigestellte Foto als unangemessen, da es zeige, wie ein Mensch in die Tiefe stürzt.

Sollen Namensschilder an Millionen Haustüren verschwinden?

Eine Boulevardzeitung macht ihre Titelseite mit der Schlagzeile „Datenschutz-Irrsinn: Unsere Klingel-Schilder sollen weg!“ auf. Ein Leser der Zeitung sieht in der Berichterstattung einen Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht. Die Zeitung betreibe Irreführung.