Aus unserer Spruchpraxis

Eine Lokalzeitung berichtet über einen Brand, der ein Todesopfer gefordert hat und stellt eine Karte dazu, die den genauen Standort des Hauses zeigt.

Dadurch werde der Sensationstourismus öffentlich gefördert und den Angehörigen die Zeit zur Trauer genommen, beschwert sich der Bruder des Todesopfers beim Presserat.

Eine Regionalzeitung berichtet über eine zwanzigminütige Sperrung am Hauptbahnhof wegen eines Suizidversuchs.

Ein Vertreter der S-Bahn wendet sich an den Presserat. Der Nachahmungseffekt werde von der Redaktion in Kauf genommen.

 

Regionalzeitung suggeriert in ihrer Überschrift einen Zusammenhang mit Tierquälern

„Hartz-IV-Bezieher quält seinen Hund: Geldstrafe“ – unter dieser Überschrift berichtet eine Regionalzeitung über die Verurteilung eines Mannes zu einer Geldstrafe in Höhe von 1.350 Euro wegen Tierquälerei. Eine Leserin kritisiert, dass die Überschrift Hartz IV-Bezieher diskriminiere.

Ein Überfall auf Touristen in Hamburgs Rotlichtviertel. Darf die Redaktion erwähnen, dass die Verdächtigen Nordafrikaner sind?

Auf der Hamburger Reeperbahn sollen drei Männer amerikanische Touristen überfallen und beraubt haben. Die Online-Ausgabe einer überregionalen Tageszeitung bezeichnet die Tatverdächtigen als „Nordafrikaner“ bzw. als „aus Marokko und Algerien stammend“. Ein Leser kritisiert, dass die Hinweise auf die Herkunft der Verdächtigen nicht durch ein öffentliches Interesse gedeckt seien.